Bullaugen-Sonnenbrillen und Vinylhalsschmuck von Pierre Cardin, 1970, Plexiglas und Vinyl Archives Pierre Cardin, ©Archives Pierre Cardin, Foto: unbekannt

DÜSSELDORF

Fashion Futurist Pierre Cardin
19.9.2019 – 5.1.2020

„Meine liebsten Kleider sind diejenigen, die ich für ein Leben schaffe, das es noch gar nicht gibt – für eine Welt von Morgen“.
Dieser Designphilosophie folgt Pierre Cardin (*1922) seit Beginn seiner bereits 70 Jahre währenden Karriere.

Der Kunstpalast widmet diesem außergewöhnlichen Modeschöpfer und Designer die erste umfangreiche Mode-Ausstellung in Deutschland mit mehr als 80 Haute-Couture-Kleidern, Accessoires sowie Fotos und Filmmaterial. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den 1960er- und 70er-Jahren, in denen Cardin die internationale Modeszene mit seinen Entwürfen revolutioniert hat. Seine avantgardistische Arbeit wird ebenso beleuchtet wie seine Auseinandersetzung mit gesell- schaftlichen und ästhetischen Entwicklungen im Kontext Mode. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was das Moderne, Innovative und Provokative seiner Kreationen ausmacht. Die Bandbreite der ausgestellten Kreationen reicht vom jungen, androgynen Look über futuristische Space Age Mode bis zur Eleganz der Abendmode. Präsentiert werden ikonische Stücke, zum Beispiel das Minikleid von 1968 aus Cardine, eine nach dem Designer benannte, neu entwickelte Chemiefaser.

Pierre Cardins Karriere beginnt 1947 bei Dior, bereits 1950 gründet er sein eigenes Modelabel, dessen Alleineigentümer er bis heute ist. Schon damals zeichnen sich seine Kreatio- nen durch klare Linienführung und Formsprache aus, die unter anderem durch außergewöhnliche Faltungen ihre Raffinesse erhalten. Seine dreidimensional anmutenden Designs und sein geometrisches Formenrepertoire machen stets die Unverwechselbarkeit seiner Mode aus.

Kleider von Pierre Cardin aus der Cosmocorps-Kollektion, französische Elle. 25. August 1966, Terence Donovan Archive © Terence Donovan Archive, Foto: Terence Donovan

959 präsentierte er als einer der ersten Couturiers eine Modenschau im Pariser Kaufhaus Au Printemps, überzeugt von seinem Leitsatz, dass exklusive Mode für alle Menschen erschwinglich sein müsse.

Pierre Cardin erobert bereits in den frühen 1960er-Jahren den internationalen Modemarkt mit seinen futuristisch avantgardistischen Entwürfen. Mit seiner skulptural-geometrischen Formensprache hat er eine unverwechselbare Ästhetik geschaffen. Unter Verwendung neuer Materialien wie Plastik und Vinyl schafft Cardin in den Swinging Sixties einen Bekleidungsstil, der mit seinen auffälligen Farben und Schnitten ein neues, freieres Lebensgefühl vermittelt. So verhilft er Frauen und Männern in einer Zeit der politischen und sexuellen Umwälzungen zu mehr Freiheit und identitätsstiftender Be- kleidung.

Kimono-Kleid von Pierre Cardin, 1971 Jersey, Archives Pierre Cardin, ©Archives Pierre Cardin, Foto: unbekannt

Mit Looks aus Minirock, flachen Stiefeln und helmartigem Hut oder seinen Cardine-Kleidern, kombiniert mit schwarzen
Lack-Overknees kreiert Cardin eine Mode des Protests. Legendär ist seine futuristische Cosmocrops-Kollektion von 1966 – eine Mischung aus Skianzug und Star Trek Uniform. Space Age Design wird zum Synonym für diese Bewegung.

Im folgenden Jahrzehnt entwickelt Cardin einen Stil, der auf Kontraste setzt: Ultrakurze Kleider und Röcke kombiniert er mir bodenlangen Elementen sowie farbigen Bo- dysuits. Dabei erweitert er sein geometrisches Spiel um bewegte Akzente wie Fransen,Schlitze und Cut-Outs. Neben der herausragenden Kimono-Kleid von Pierre Cardin, 1971 Jersey,Couture Mode hat Pierre Cardin sich seit den 70er-Jahren mit Li- zenzmode sowie als Pionier der Mode-Globalisierung einen Na- men gemacht. Früh erkennt er das wirtschaftliche Wachstumspoten- zial von Ländern wie China oder der UdSSR und vertreibt auch dort
seine Kollektionen.

Gestreifte Bodysuits und Röcke aus einzelnen Stoffstreifen von Pierre Cardin, 1968 Jersey und Wolle, Archives Pierre Cardin, ©Archives Pierre Cardin, Foto: unbekannt

In den 1980er und 1990er-Jahren wird die Silhouette von Cardins Entwürfen stromlinienförmiger. Nun sind bewegte Faltsegmente an den Rückenpartien von Jacken und Män- teln charakteristisch. Cardins vielfältigen Unternehmungen, die er im Laufe der Jahrzehnte initiiert und umgesetzt hat, zeigen deutlich, dass er von der zentralen Idee geleitert wird, nicht nur innovative Kreationen zu schaffen, sondern diese auch in populäre Produkte umzusetzen. Kreativ und strategisch bereitet er das Potenzial seiner Luxusmarke seit rund sieben Jahrzehnten auch für ihre breite wirtschaftliche Vermarktung auf. Neben Mode entwickelt er eine breite Produktpalette, von Mineralwasser über Fahrräder und Skier bis hin zu Möbeln.

Mit der Ausstellung Pierre Cardin präsentiert der Kunstpalast, ausgehend von der Sammlung angewandter Kunst, abermals ein Projekt, das für einen erweiterten Kunst- und Designbegriff steht. Gleichzeitig rückt die Schau Düsseldorf als Modestandort in den Fokus. Kuratiert wird diese Ausstellung von Barbara Til und Maria Zinser.

Cardine-Kleid von Pierre Cardin, 1968, Chemiefaser Cardine, Archives Pierre Cardin, ©Archives Pierre Cardin, Foto: unbekannt

ADRESSE
Kunstpalast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
www.kunstpalast.de

ÖFFNUNGSZEITEN
Di – So 11-18 Uhr
Do 11-21 Uhr
Feiertagsöffnungszeiten siehe www.kunstpalast.de

EINTRITTSPREISE
Eintritt EUR 10
ermäßigt EUR 8
Kombiticket EUR 14
ermäßigt EUR 11
Jugendliche von 13 bis 17 Jahre EUR 2
Kinder unter 13 Jahren freier Eintritt

Tickets online: www.kunstpalast.de/shop

AUDIOGUIDE
70 min, in deutscher Sprache und mit Musikeinspielungen
EUR 3

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
Do, 18 Uhr und Sa, 14 Uhr
Im Wechsel mit „Utopie und Untergang.Kunst in der DDR“
Termine siehe www.kunstpalast.de
Gebühr: EUR 5 + ermäßigter Ausstellungseintritt
Anmeldung erforderlich

RAHMENPROGRAMM
Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Programm für Kinder und Erwachsene.
Nähere Informationen und Termine: www.kunstpalast.de

Anmeldung unter: bildung@kunstpalast.de

BUCHUNG UND INFORMATION
Tel.: +49(0)211-566 42 160
bildung@kunstpalast.de
www.kunstpalast.de

KATALOG
Im Kerber Verlag erscheint ein 192 Seiten und ca. 140 Abbildungen umfassender Katalog mit einem Vorwort von Felix Krämer sowie Texten von Ingeborg Harms, Barbara Til und Maria Zinser.