Till Brönner Selbstporträt 2019 © + courtesy Till Brönner

Duisburg

TILL BRÖNNER MELTING POTT
bis 6.10.2019

Deutschlands Jazz-Musiker Nr.1 ist in seiner ersten umfassenden Museumsausstellung zu erleben: Über ein Jahr lang hat Till Brönner das Ruhrgebiet mit der Kamera erkundet und als enorm vielfältige und ambivalente Region erfahren. Unter dem Titel „Melting Pott“ ist eine Auswahl von rund 200 Bildern zu sehen, die Brönners persönlichen Blick auf Menschen und Identitäten, Industrie, Architektur, Natur- und Kulturlandschaften, Verkehr und Urbanes, zufällige Begegnungen und bekannte Gesichter sowie auf das bunte Mit- und Nebeneinander verschiedener Nationen und Religionen in Deutschlands größtem Ballungsraum zeigt.

Till Brönner Rhein bei Thyssenkrupp Duisburg, 2019 © Till Brönner + courtesy Brost-Stiftung

Von LA ins Ruhrgebiet

Wie nähert sich ein Künstler, der in Viersen geboren wurde und als Kosmopolit zwischen Los Angeles, Berlin und internationalen Tournee-Stationen pendelt, der also gerade nicht regional verhaftet ist, dem Ruhrgebiet? Welche Zugangswege wählt er? Wie bringt er Vergangenheit und Zukunft zusammen? Wie reagiert er auf den vielbeschworenen Strukturwandel und seine Folgen? „Von dem Moment an, als ich beschloss, nicht mehr zu suchen, sondern das zu fotografieren, was mir begegnete, platzte plötzlich der Knoten und ich bekam Zugang zu etwas, das ich immer – auch in der Musik – über alles andere stelle: Menschen.“ Dieses Zusammentreffen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, die alle auf ihre Weise das Ruhrgebiet mitprägen, war schließlich der entscheidende Türöffner: vom Taubenzüchter bis zum Revier-Promi, von der Zufallsbekanntschaft auf der Straße bis zu den Fans und Stars im Fußballstadion. In seiner Allgegenwart und Symbolhaftigkeit hat auch der scheidende Steinkohle-Bergbau, der für die Geschichte der Region von derselben grundlegenden Bedeutung ist wie für ihre Gegenwart und Zukunft, Till Brönner nachhaltig beeindruckt.

Till Brönner Mario Götze, Fußballer 2018 © Till Brönner + courtesy Brost-Stiftung

Die Ausstellung

"Ich habe verstanden, dass es das eine Bild vom Ruhrgebiet nicht gibt“, so das Resümee des Künstlers. Dementsprechend vielfältig sind die Motive, die er in Schwarzweiß und Farbe festgehalten hat. Die Ausstellung entwickelt sich entlang der wesentlichen Motivgruppen, die nicht als getrennte Bereiche zu verstehen sind, sondern ineinander übergehen:

Menschen und Identitäten / Leben und Arbeiten / Strukturwandel: Kohle und Stahl gestern und heute / Architektur und Infrastruktur / Strukturen - Raster – Aggregatzustände / Natur an Rhein und Ruhr / Lebenswege und Schicksale / Engagement und Anteilnahme / Studio-Porträts bekannter Gesichter.

So unterschiedlich Till Brönners fotografische Herangehensweise im Einzelnen ist, lassen alle Bilder eine große Sympathie für das Ruhrgebiet und seine Menschen erkennen. Dabei kommen sie ohne künstliche Inszenierung oder nachträgliche Beschönigung aus: „Ich zeige in dieser Ausstellung nichts, was es nicht gibt. Ich lasse alles stehen, sonst verkläre ich etwas, das erfahrbar bleiben soll.“ Das Ergebnis hatte am 2. Juli im MKM Duisburg Premiere.

Till Brönner Stahlarbeiter bei Thyssenkrupp Duisburg, 2019 © Till Brönner + courtesy Brost-Stiftung