Bezau (A)

10 Jahre
Bezau Beatz
10.–12.8.2017

 

Fotos: © Bezau Beatz

Zehn Jahre ist es nun her, dass 2008 kein Geringerer als Philipp Fankhauser die Bezau Beatz am Dorfplatz Bezau musikalisch erweckte. Mittlerweile haben so klangvolle Namen wie Peter Evans, Barry, Altschul, Jean Paul-Bourelly, Billy Martin, Steven Bernstein, Wolfgang Muthspiel, Steve Swallow, Adam Nussbaum, Gwylim Simcock, Bombino, Tony Scherr, Trixie Whitley u. v. a. Bezau besucht. Es hieß in einschlägigen Feuilletons, Bezau würde sich zu einem neuen Zentrum für improvisierte Musik entwickeln und das European Jazz Network hat Bezau Beatz letztes Jahr als eines der schönsten Sommerfestivals erwähnt. Das 10-Jährige wird in diesem Jahr gefeiert. Alfred Vogel hat erneut ein tolles und spannendes Konzert- und Rahmenprogramm zusammengestellt.
www.bezaubeatz.at

Alfred Vogel

Kai Geiger traf Alfred Vogel, Festivalgründer und Motor von Bezau Beatz.

Hättest Du gedacht, nach den beiden ersten Festivals, den Widerständen, der kräftezehrenden und zeitintensiven
Überzeugungsarbeit, dass Du die 10 erreichst?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich muss kurz in mich gehen (schmunzelt) … Ganz ehrlich: Mir sind diese Zeitsprünge unheimlich. Wenn ich zurückdenke, dann kommt es mir vor, als ob der Alfred Vogel von damals eine ganz andere Person war als heute … und gleichzeitig dann doch nicht. Irgendwie zieht sich bei mir ein gewisses intuitives Verhalten durch mein Leben. Es gibt Situationen, da fühlt sich etwas „richtig“ oder „stimmig“ an. Vor ca. 17 Jahren hatte ich ein zündendes Erlebnis in New York. Eine Bekannte meinte damals auf mein Bedauern, in Bezau sei nix los: „If there is nothing happening in Bezau then you gotta make it happen!“ - typisch amerikanisch … und als der Bürgermeister (sieben Jahre später, aber doch schon nach einigen kulturellen Akzenten meinerseits …) damals auf mich zukam und mir das Angebot machte, habe ich rasch reagiert. Meine Bedingung war damals, dass ich eine Garantie auf drei Jahre wollte – die bekam ich. Und mittlerweile sind es eben zehn geworden. Der wichtigste Schritt war allerdings, dass wir vom Dorfplatz und der usrpünglichen Juli/August-Konzertreihe auf ein komprimiertes Wochenende im August gewechselt sind und verbunden damit auch in die neue Location, die Remise des Wälderbähnles. Das hat der ganzen Sache einen spürbaren Schub nach vorn gegeben. Aber es ist nicht so, dass man weniger Überzeugungsarbeit leisten muss. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen spielen auch eine Rolle. Und eine Kulturarbeit, die heute in einer vom Mainstream geprägten Zeit alternative Inhalte anbietet, ist immer herausfordernd. Jedenfalls zeigt sich mittlerweile, dass die Bezau Beatz ein Profil entwickelt haben. Die Aufgabe liegt nun darin, einem gewachsenen Anspruch gerecht zu werden und sich dabei nicht zu wiederholen. Langsam traue ich mich zu behaupten, dass das Bezau Beatz-Publikum Vertrauen gewonnen hat in unser Programm und bereit ist für die Überraschungen.

© Nina Simone
Alfred Vogel

Ist das Festival in Bezau, in Vorarlberg angekommen? Die Jazzszene schwärmt eh!

Wir haben letztes Jahr mit den freiwilligen Helfern ein gemütliches Abendessen organisiert und da ist mir doch recht warm geworden ums Herz: Es waren insgesamt um die 20 Personen, Gemeindebedienstete und deren Angehörige, also Kinder und Ehegatten, die mittlerweile hinter den Kulissen richtig zupacken. Richtig professionell und inspirierend ist mittlerweile die Zusammenarbeit mit dem WITUS (Büro für Wirtschaft und Tourismus). Die hatten ursprünglich nicht wirklich Fesitval- Erfahrung und bringen sich mittlerweile toll ein. Da spüre ich also eine große Akzeptanz. Und dann merke ich auch, dass vor allem bei ein paar jüngeren, jugendlichen Bezauern eine regelrechte Begeisterung entsteht. Nebst einem Stamm-Publikum aus der Gegend gesellen sich nach und nach immer neue Gesichter aus nah und fern dazu – der geografische Kreis wird größer. Es kommen Leute aus dem Dreiländer-Eck vom ganzen Bodenseeraum, aus dem Rest Österreichs, aber auch teilweise aus Belgien, Frankreich oder etwa aus dem Norden Deutschlands. Und klar freut es mich, dass wir bei Künstlern so einen guten Ruf genießen. Ich hoffe, das sorgt für Nachhaltigkeit, denn wenn es den Künstlern gefällt, wenn die sich wohlfühlen, dann springt der Funke auch aufs Publikum über.

Fotos: © Bezau Beatz

 

Was erwartet die Besucher beim Jubiläum „10 Jahre Bezau Beatz“?

Wir haben insgesamt 16 Acts auf drei Tage verteilt. Das besondere dabei ist, dass immer genug Platz ist, den Tag und das Tal auch zwischen den Programm-Punkten zu genießen. Es gibt wie gewohnt die Abendkonzerte in der Remise und am Freitag die kultige DJ-Fahrt mit dem Wälderbähnle. Weiter haben wir ein schönes Rahmenprogramm in der Umgebung von Bezau: Am Donnerstag werden wir zum Abschluss in der Klosterkapelle ein schönes Mitternachtskonzert mit zwei Singer-Songwritern haben. Außerdem bespielen wir eine Alpvorsäß-Hütte in Schönenbach, das „Rüttinger Kirchele“, am Dorfplatz – wo alles begann – wird der Bezau Beatz Störtrupp ein Morgenkonzert zum Freitags-Markt spielen. Es gibt wieder die beliebte, öffentlich zugängliche JäzzSpätzle-Veranstaltung auf Baumgarten (in 1650 m Höhe) und ein Konzert in einer zur Kultur-Bühne umfunktionierten alten Säge. Musikalisch spannen wir den Bogen von kreativer Improvisationsmusik über Jazz&Soul oder etwa Neuer Musik bis zu Singer-Songwritern. Das ist alles sehr eklektisch, hat aber immer Tiefgang. Und natürlich feiern wir unser Jubiläum mit einem richtigen Star: Lisa Simone, Tochter der legendären Nina Simone beehrt uns am Freitagabend mit ihrer fantastischen Band aus Frankreich. Sie wird ihrem Ruf als wahre „Princess of Jazz&Soul“ wahrhaftig gerecht! Künstler wie Stian Westerhuus, Mats Gustafsson, Josh Dion oder der britische Barde Charlie Cunningham werden für den nötigen Schliff sorgen … Wir sind schon in voller Vorfreude auf das Publikum und die Künstler!