Joy Denalane und Roberto Di Gioia © Max Herre

Bonn

 

10. Jazzfest Bonn
Jazz in seiner ganzen Vielfalt
17. – 31.5.2019

Malerisch am Rhein gelegen, vor den Türen des Siebengebirges hat sich in der Bundesstadt Bonn eine lebendige, produktive Jazzszene von eigenem Format entwickelt. Das Jazzfest Bonn gehört zu den wichtigen Gestaltern und ergänzt den klingenden Veranstaltungskalender der Beethoven-Stadt verlässlich um eine kreative Note. 2009 gründete der Saxophonist Peter Materna das Festival in dem Ansinnen, renommierte Künstler aus dem In- und Ausland sowie spannende Neuentdeckungen aus der Region in Form von Doppelkonzerten auf einer Bühne zu präsentieren. Der Erfolg war überwältigend: Ausverkaufte Konzerte und eine jährliche Vergrößerung des Formates machten das Jazzfest Bonn weit über die regionalen Grenzen hinweg bekannt, 2018 schrieb das US-amerikanische Jazzmagazin Downbeat: „Add Bonn to the list of German fests worth keeping tabs on“ (Joe Woodard, Mai 2018) – ein Ritterschlag, über den sich der Festivalleiter Peter Materna sehr freut: „Die genuinen Eigenschaften des Jazz – Internationalität, Interkulturalität und Integration der Gene- rationen – möchten wir in die Herzen der Bevölkerung tragen, es ist uns ein Anliegen zu zeigen, wie spannend, lebendig und reichhaltig aktueller Jazz ist“, sagt Materna.

In seinem zehnten Jahr hat Materna ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das in verschiedenen Räumen der Stadt präsentiert und von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm flankiert wird. Dem Team ist es wichtig, Musik in dazu passender Umgebung zu zeigen und einmalige Konzert- momente für alle Kunstinteressierten zu bieten, sowohl überzeugten Jazz-Fans wie auch -Neulingen. Bei den Doppelkonzerten stellen die eingeladenen Musiker in jeweils rund einstündigen Auftritten eigene Kompositionen oder zeitgenössische Interpretationen bekannter Werke vor. Zu den ausgewählten Konzertstätten gehören die Bundeskunsthal- le, der Post Tower, das Telekom Forum, das Opernhaus, das Beethoven-Haus Bonn, die Brotfabrik und 2019 erstmals das Pantheon.

© Shale Stew

Eröffnet wird das zehnte Jazzfest Bonn von zwei in Deutschland verorteten Jazz-Quartetten, die ein großes Publikum ansprechen: Die Hamburger Bassistin Lisa Wulff gehört mit zu den Besten der inzwischen sehr gefragten Jazz-Generation U30. In ihrem Quartett potenzieren sich die wunderbar fremd und doch vertraut klingenden Erkundungstouren am Bass à la Wulff um ein Dreifaches. Im Anschluss betritt das Quasthoff Quartett die Bühne. Thomas Quasthoff, der weltbekannte Bariton, wird mit seinem persönlichen „Trio Incroyab-Of Cabbages And Kings © Florian Friesle“ bekannte Standards interpretieren. „Musik diente schon zu Mozarts Zeiten der Unterhaltung“, sagt Quasthoff. Er ist der Meinung: Künstler sollten ihren Zuhörern eine gute Zeit bereiten, „und sie manchmal auch fordern“. In den darauffolgenden Tagen erlebt das Publikum ein Stelldichein internationaler Stars und Nachwuchskünstler: Joe Lovano, Riccardo Del Fra, Miroslav Vitouš & Emil Viklický, Yellowjackets oder Tower of Power besitzen eine treue Fangemeinde auf der ganzen Welt. Junge Ensembles wie die Band Shake Stew, Lucia Cadotsch, Of Cabbages And Kings oder JO sind bisher eher einem informierten Jazzpublikum bekannt, begeistern aber im internationalen Feuilleton die Kritiker mit ihrem großen Talent, leidenschaftlichen Kompositionen und mutigen Improvisationen.

Of Cabbages And Kings © Florian Fries

Ein besonderes Augenmerk legt das Jazzfest Bonn in diesem Jahr auf groß besetzte Formationen: Die WDR Big Band arbeitet unter der Leitung von Bob Mintzer erstmals zusammen mit Knower, einem 2010 gegründeten Duo für elektronische Musik. Eine Erkundungstour, die ein Aufbruch in neue kreative Klangwelten verspricht. Wenige Tage später spielt die Jazzrausch Bigband erstmals in Bonn, zum Abschluss wird Monika Roscher mit ihrer Bigband tanzbare Grooves im Telekom Forum präsentieren.

Aufgrund des großen Interesses hat das Festival sein Rahmenprogramm weiter ausgebaut. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums veranstaltet das Jazzfest Bonn erstmals ein Open- Air-Konzert auf dem Bonner Marktplatz. Bands aus NRW sind eingeladen, den Jazz umsonst und draußen im Herzen der Stadt zu erleben. Anlässlich der Feierlichkeiten zu 70 Jahren Grundgesetz wird die Stadt Bonn das Event zu einem Bürgerfest erweitern. Jazz und Demokratie auf einer Bühne – schöner kann man ein Jubiläum nicht feiern.

Die Vermittlungsarbeit gewinnt an Bedeutung. Neben eigenen Printpublikationen wie dem 64-seitigen Magazin „zettbe:“ ergänzt das Jazzfest Bonn regelmäßig seine Online-Angebote. Unter anderem gibt es auf der Homepage seit diesem Jahr den Blog „Musik entdecken“. In den Gesprächen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten tauchen die Festivalmacher tiefer in die Arbeit und das Wirken zeitgenössischer Künstler ein und werfen einen Blick hinter die Kulissen. In kurzen Videos erfahren Interessierte mehr über die Musik, die Werke, Personen und Instrumente. Dies alles geschieht in der Überzeugung, dass Musik einen hohen gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischen Wert besitzt, gerade Jazz steht für gelebte kulturelle Vielfalt und Offenheit.