August Macke Im Schlossgarten von Oberhofen, 1914 Aquarell auf Papier Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

Bonn - Bern (CH)

BESTANDSAUFNAHME GURLITT
Der NS-Kunstraub und die Folgen
3.11.2017 - 11.3.2018
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

BESTANDSAUFNAHME GURLITT 
„Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft
2.11.2017 - 4.3.2018
Kunstmuseum Bern

Unter dem Titel „Bestandsaufnahme Gurlitt“ zeigen die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zeitgleich zwei Ausstellungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten des umfangreichen Werkkonvoluts aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt. Die in einen historischen Gesamtkontext eingebetteten Präsentationen basieren auf dem aktuellen Forschungsstand zum „Kunstfund Gurlitt“ und sind inhaltlich eng aufeinander abgestimmt.  

Claude Monet (1840–1926), Waterloo Bridge, 1903, Öl auf Leinwand, www.lostart.de/532967 Dezember 1905: Galerie Durand Ruel, Paris, Erwerb vom Künstler

Bonn

BESTANDSAUFNAHME GURLITT
Der NS-Kunstraub und die Folgen

Die Bundeskunsthalle zeigt rund 250 Werke, von denen die meisten NS- verfolgungs-bedingt entzogen wurden oder deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Die einzelnen Kapitel werden durch eine durchlaufende Zeitleiste mit relevanten historischen Ereignissen zu einem großen Orientierungsrahmen und Hintergrund des Geschehens verbunden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der wachsenden Entrechtung und Diskriminierung insbesondere der jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler. Ihre Schicksale werden in einer Reihe von biografisch angelegten Fallbeispielen visualisiert.

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle ist in fünf übergreifende Kapitel gegliedert. Im Verlauf des Ausstellungsrundgangs sollen die komplexen Mechanismen der NS-Kulturpolitik sowie des strategisch organisierten NS- Kunstraubs offengelegt werden. Gleichzeitig wird der ambivalente Werdegang Hildebrand Gurlitts thematisiert und den Biografien Betroffener gegenübergestellt. Die Fallbeispiele wichtiger Protagonisten werden als deutlich gestaltete Ausstellungseinheiten mit Kunstwerken, Texten, Fotos und Archivalien inszeniert und finden sich im gesamten Ausstellungsrundgang wieder.

Die einzelnen Kapitel werden durch eine durchlaufende Zeitleiste mit relevanten historischen Ereignissen zu einem großen Orientierungsrahmen und Hintergrund des Geschehens verbunden. Die Themenschwerpunkte der fünf Kapitel beziehen sich auf unterschiedliche historische Zeiträume: Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik, Deutschland nach der Machtergreifung 1933, insbesondere aber die Situation ab 1938, als durch den „Führervorbehalt“ die Grundlage für den beispiellosen und systematisch organisierten Kunstraub geschaffen wurde. Innerhalb der Zeit des Zweiten Weltkriegs 1939–1945 rücken vor allem die Aktivitäten in den von Deutschland besetzten Gebieten (vornehmlich Frankreich), in den Fokus, auf die der Führervorbehalt 1940 erweitert wurde.

Am Schluss der Ausstellung richtet sich der Blick zudem auf die unmittelbare Nachkriegszeit und den heutigen Umgang mit teils noch immer ungeklärten Fragen, die sich auf Restitution und Verantwortung beziehen, auf den Stellenwert von institutionalisierter Provenienzforschung und auf ein generelles Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge und Widersprüche auf diesem Gebiet. In einem in die Ausstellung integrierten Diskursraum wird die Problematik, die mit dem „Kunstfund Gurlitt“ und dem gesamten Themenfeld einhergeht, kontinuierlich mit unterschiedlichen Protagonisten und Experten diskutiert. 

rançois Boucher, (1703–1770), Männlicher Akt, Kohle und Pastellkreide auf Papier, www.lostart.de/533092 , Foto: David Ertl, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, (...) Um 1932: Roger Delapalme, Paris (per Cornelius Gurlitt Pa
Ernst Ludwig Kirchner Zwei Akte auf einem Lager, 1905 Schwarze Kunstkreide und Farbkreiden auf Papier Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

Bern (CH)

BESTANDSAUFNAHME GURLITT
«ENTARTETE KUNST» – BESCHLAGNAHMT UND VERKAUFT

In einer Doppelausstellung unter dem Titel Bestandsaufnahme Gurlitt präsentieren das Kunstmuseum Bern und die Bundeskunsthalle in Bonn zeitgleich eine Auswahl von Werken aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt. Erstmals werden die Werke, die der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt in den 1930er- und 1940er-Jahren erworben hatte, im historischen Kontext gezeigt. Die Ausstellungen widerspiegeln den aktuellen Forschungsstand zum «Kunstfund Gurlitt».

Unter dem Titel «Entartete Kunst» – beschlagnahmt und verkauft zeigt das Kunstmuseum Bern rund 200 Werke, von denen die meisten als «entartete Kunst» in deutschen Museen beschlagnahmt worden waren. Diese Bestände umfassen hauptsächlich Arbeiten auf Papier, darunter herausragende Kunstwerke des Expressionismus, der konstruktiven Kunst und der Neuen Sachlichkeit. Gleichzeitig werden in der Ausstellung die politischen Vorgänge thematisiert, die zur Diffamierung der Moderne als «entartet» und deren Zerstörung und Verkauf führten. Der Schwerpunkt der Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn (03. November 2017 bis 11. März 2018) liegt auf NS-verfolgungsbedingt entzogenener «Raubkunst», deren Herkunft noch nicht abschliessend geklärt werden konnte. 

August Macke Landschaft mit Segelbooten, 1913/14 Graphit und Gouache auf Papier auf Karton Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern
Die Restauratorin Dorothea Spitza bei der Untersuchung von technischen Merkmalen an Druckgraphiken, Zeichnungen und Malereien auf Papier unter dem Mikroskop © Kunstmuseum Bern

Chronologie des Kunstfundes Gurlitt

22. September 2010 Nach einer Zoll-Kontrolle im Zug nimmt die bayerische Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Cornelius Gurlitt wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung auf.

28. Februar bis 2. März 2012 Die Münchner Wohnräume von Cornelius Gurlitt werden durchsucht, die aufgefundenen Kunstwerke beschlagnahmt.

3. November 2013 Mit einem Focus-Artikel kommt der „Schwabinger Kunstfund“ an die Öffentlichkeit. Bei vielen Werken soll es sich um Raubkunst handeln; wie sich herausstellt, sind die Angaben zu Umfang und Wert des Bestandes maßlos überzogen.

11. November 2013 Die Taskforce Schwabinger Kunstfund nimmt die Arbeit auf. In den kommenden Wochen werden die beschlagnahmten Werke auf lostart.de veröffentlicht.

11. Februar 2014 Cornelius Gurlitt wird durch einen gerichtlich bestellten Betreuer und Anwälte vertreten. Diese teilen mit, dass in Gurlitts Haus in Salzburg zahlreiche weitere Kunstwerke gefunden wurden.

7. April 2014 Cornelius Gurlitt schließt mit dem Freistaat Bayern und der Bundesrepublik Deutschland eine Vereinbarung über den weiteren Umgang mit seinem Kunstbesitz ab. Er willigt ein, dass der Bestand von der Taskforce beforscht wird und erklärt sich bereit, erwiesene Raubkunst gemäß der Washingtoner Erklärung zu restituieren.

6. Mai 2014 Cornelius Gurlitt stirbt mit 81 Jahren in München. Am kommenden Tag gibt die Stiftung Kunstmuseum Bern bekannt, dass Gurlitt sie in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt hat.

24. November 2014 Das Kunstmuseum Bern nimmt die Erbschaft an.

1. Januar 2015 Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste, das auf Initiative von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters vom Bund, den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden ins Leben gerufen wurde, nimmt seine Arbeit auf.

28. April 2015 Uta Werner, Cornelius Gurlitts Cousine, legt im Namen eines Teils der Familie Beschwerde ein. Gurlitt sei zu dem Zeitpunkt, an dem er sein Testament verfasste, nicht mehr testierfähig gewesen.

13. Mai 2015 Die Nachfahren von David Friedmann erhalten Max Liebermanns Gemälde Zwei Reiter am Strand zurück.

15. Mai 2015 Das Gemälde Odaliske von Henri Matisse wird an die Nachfahren Paul Rosenbergs restituiert.

14. Januar 2016 Die Taskforce legt ihren Abschlussbericht vor. Die Forschung übernimmt in der Nachfolge das Projekt „Provenienzrecherche Gurlitt“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

15. Dezember 2016 Das Oberlandesgericht München lehnt den Einwand gegen Gurlitts Testament ab; Bern ist rechtskräftiger Erbe.

20. Februar 2017 Adolph von Menzel Zeichnung Inneres einer gotischen Kirche wird an die Nachfahren von Elsa Helene Cohen restituiert.

18. Mai 2017 Die Bundesregierung Deutschland teilt mit, dass das Gemälde La Seine, vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre von Camille Pissarro an die Erben von Max Heilbronn restituiert wurde.