Christian Kotter-Lixfeld © Caspar Sessler

CHRISTIAN KÖTTER-LIXFELD, Bremen, Intendant Bremer Philharmoniker

#coronawiegehts

Um es in der Sprache der Musik auszudrücken: Wir befinden uns in einer Zeit voller Synkopen und Generalpausen. Doch so reizvoll solche „Betonungen gegen den Takt“ oder „Unterbrechungen“ in einer Komposition sein können, so bedauernswert und auch anstrengend sind sie aufgrund ihrer Massivität für die Planung und Organisation einer Konzertsaison. Unser Ziel ist es, trotz aller Beschränkungen für unser Publikum da zu sein, sei es mit kürzeren Programmen oder in kleinerer Besetzung. Je nachdem was möglich ist, reagieren wir flexibel und individuell auf die jeweilige Situation – somit ähnelt unsere Arbeitsweise gerade eher einer Improvisation als einer geplanten und bereits fertigen Komposition.

#coronawaskommt

Ich wünsche mir ein deutliches Crescendo mit furiosem Finale – hörbar an der Zahl der Konzerte, die wir wieder spielen können, sichtbar an der Zahl der Menschen, die wieder in Konzertsäle dürfen und spürbar an der Lebensfreude, die Musik hervorruft. Voraussetzung dafür: ein deutliches Decrescendo der Infektionszahlen…

#coronawasbrauchts

In den meisten öffentlichen Diskussionen über systemrelevante Branchen wurde die Kultur größtenteils als ein dekoratives Beiwerk bewertet, das rein unterhaltenden Charakter hat – nice to have, aber da rein konsumtiv auch verzichtbar. Das sehe ich als fatalen Fehler. Wir sind nicht irgendein beliebiger, verzichtbarer Faktor der Freizeitgestaltung. Eine solche Haltung fügt einer ganzen Branche mit mehr als 1,5 Millionen Akteuren vor und hinter den Kulissen großen Schaden zu, und nicht nur ihnen, sondern indirekt auch der breiten Bevölkerung. Eine Gesellschaft ist mehr als ein funktionierendes Wirtschafts- und Gesundheitssystem, eine Gesellschaft basiert auch auf interdisziplinären Gedankenaustausch, der auf viele verschiedene Arten erfolgen muss: wissenschaftlich, politisch, philosophisch - und kulturell in Theatern, Kinos, Museen, Bibliotheken und Konzertsälen. Diese Einsicht, das Erkennen der Kultur als eine Lebensader einer teilhabenden Gesellschaft, muss zurück in die Köpfe und in die Herzen aller Menschen.