Dieter Richter © Helmuth Scham www.schampus.com

DIETER RICHTER, Köln, Bühnenbildner

#coronawiegehts

mir geht es zur zeit so ähnlich wie das diagramm meines herzschlags aussieht ,mal nach unten, mal steil nach oben. grundsätzlich treibt mich die frage um, wie es den theatern, den musiktheatern in ein, zwei und fünf jahren gehen wird. da dies nur sehr spekulativ zu beantworten ist, versuche ich mit den gegebenheiten zu arbeiten, die momentan vorhanden sind, in der hoffnung, dass es sich wieder nach einer zeit der inneren unruhen und des äusseren chaos  einrenken wird., aber auch mit der ahnung, dass nichts mehr so sein wird wie vorher. am letzten wochenende hatten wir eine wunderbare premiere in innsbruck unter ausschluss der öffentlichkeit, aber es hat uns gezeigt, dass die kunstform auch unter schwierigsten bedingungen stattfindet, weil wir es wollen und es trainiert werden muss wie die muskeln von spitzensportlern. das live erlebnis von theater kann schwer digital vermittelt werden, es ist zum einen das gemeinsame erleben des gesehenen auf der bühne und die unmittelbarkeit, in die ich als zuschauer jederzeit eingreifen könnte, wenn ich nur wollte, das macht mich aktiv !und lässt mich zu einem teil des theaterabends werden. so wie dem bild ohne den betrachter auch eine unvollständige rolle zukommt.

#coronawaskommt

es ist alles fragiler geworden; die pausen regen zum nachdenken über die eventuelle neupositionierung an. als ob wir uns kallibrieren müssen, neu ausrichten, fragen stellen müssen über die selbstverständlichkeit unserer beruflichen existenz, wie geht es weiter für uns im theater und für jeden einzelnen, vor allem für die freischaffenden künstler ??? das jahr wird schnell vorbei sein und sehr vieles verändert haben.

#coronawasbrauchts

es sind doch eher wechselwirkungen einerseits zwischen einer bevölkerung, die ein bedürfnis nach kultur hat und den kulturschaffenden, die das bedürfnis haben, antworten zu suchen, fragen zu stellen mit welchen mitteln auch immer.
kultur lässt sich nicht verordnen; sie entsteht aus dem geben und nehmen einer gesellschaft und im idealfall ist kultur eine liebesbeziehung zwischen den machern und den zuschauern und zuhörern. der eine kann ohne die/der anderen nicht mehr leben. da die kultur oft etwas immatrielles darstellt und ihr ziel nicht im erzeugen von profit liegt , sollte sie weiterhin davor bewahrt werden, als vermeintliches luxusgut als erstes von der liste gestrichen zu werden. Kunst muss frei entstehen können und darf nicht im täglichen existenzkampf untergehen.

Katja Kabanova, Tiroler Landestheater Innsbruck © Dieter Richter