Felix Billerl © Johannes Raimann

Felix Biller, Wien (A),Berufsmusiker, derzeit Musikstudent

#coronawiegehts

Der neue Lockdown in Österreich hat auch mich wieder aus dem, Stück für Stück zurückgewonnenen, etwas „normaleren“ Alltag herausgerissen. Über die letzten Monate hinweg waren zumindest wieder einige Dinge möglich gewesen (das Unterrichten in Präsenzform, hier und da Konzerte, persönliche Treffen auf einen guten Melange in einem Wiener Kaffeehaus etc.). Nun ist das erstmal alles wieder auf Eis gelegt. Dennoch ist es jetzt zumindest einfacher, sich darauf einzustellen, was kommt und was zu tun ist. Manche Konzerte werden nun schon zum dritten Mal um einige Monate verschoben, Unterricht findet wieder über Zoom statt, die gesamte Vernetzung weicht erneut auf den digitalen Raum aus und mit persönlichen Treffen ist es wieder vorbei. Ich komme damit einigermaßen gut zurecht, frage mich aber, wie oft sich das „Lockdown-Pattern“ wiederholen wird. Der persönliche Kontakt ist in unserer Branche extrem wichtig, sei es der wichtige Austausch zwischen LehrerIn und SchülerIn beim Unterrichten, die Intimität und emotionale Verbindung zwischen Konzertpublikum und KünstlerIn oder der Austausch zwischen KollegInnen. Das Kulturgeschäft und in meinem Fall insbesondere das Musikbusiness ist vor allem ein „Business based on people“ und angewiesen auf persönliche Verbindungen abseits von reinen Zoom-Meetings. Es ist für mich nicht auszudenken, was passiert, wenn das komplett wegfallen würde. Mich treibt daher der Gedanke an, alles dafür zu tun, dass diese menschliche Seite der Branche erhalten bleibt.

#coronawaskommt

Meine Pläne, Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft sind vielfältiger Natur. Ich plane derzeit noch weiter in die Zukunft als sonst schon. Konzerte, die man in „normalen“ Zeiten eh schon bis zu 1 Jahr im Voraus planen muss, müssen bei vielen jetzt mitunter schon auf 2022 gelegt werden. Die Situation ist weiterhin sehr unsicher und viele meiner MusikerkollegInnen sowie VeranstalterInnen kämpfen finanziell. Die Planungsunsicherheit wird uns auch noch lange in 2021 und vielleicht sogar darüber hinaus begleiten, soviel erwarte ich jetzt einmal. Manche Clubs oder Festivals wird es dann nicht mehr geben. Dennoch hoffe ich, dass der Impfstoff bald kommt und sich auch die Situation wieder etwas beruhigt. Wichtig ist dafür, dass es keine weiteren Lockdowns gibt und sich alle in der Gesellschaft richtig verhalten und Verantwortung für ihre Mitmenschen übernehmen. Damit nehme ich natürlich auch mich selbst in die Pflicht. Bleibe mehr zuhause, trage eine Maske, treffe mich weniger. Eh alles, was so dazu gehört. Meine künstlerischen Planungen drehen sich aufgrund der schwierigen Konzertsituation nur am Rande um Konzertplanungen für nächstes Jahr. Eher bin ich gerade mit meinen Mitmusikern dabei, das nächste Trio Album vorzubereiten. Musik schreiben, Proben etc. Für all das ist jetzt gerade Zeit.

#coronawasbrauchts

Zum Thema „Was die Kultur braucht“ wurde in den letzten Monaten schon sehr viel geschrieben. Ich habe vieles gelesen, mit dem ich komplett übereinstimme und manches, dem ich nicht ganz zustimme. Meiner Ansicht nach braucht es neben richtig verteilten Hilfen vom Staat (explizit auch für unabhängige, „kleine“ KünstlerInnen) und Solidarität innerhalb der Gesellschaft, eine starke Unerschütterlichkeit von uns Allen. Wir alle, nicht nur die Kulturschaffenden, sollten uns weiterhin nicht unterkriegen lassen und versuchen, so gut wie möglich weiter zu machen. Weiterhin bin ich für eine Veränderung der Einschätzung von Kultur in der Gesellschaft. Zu oft werden kulturelle, oft immaterielle, Güter als Luxus betrachtet, die man als erstes streichen kann und nicht systemrelevant sind. Dieser Auffassung bin ich nicht. Kulturelle Güter sind doch ständig um uns Menschen herum, bewusst oder unbewusst. Kultur zeigt sich in dem Gemälde, das wir mal von einem Freund zum Geburtstag bekommen haben und nun über dem Bett hängt. Kultur zeigt sich in dem neuen Buch, dass wir nicht aufhören können zu lesen, weil es so spannend ist. Und Kultur zeigt sich in dem Ohrwurm, den wir ständig summen. Kultur ist etwas zutiefst Menschliches. Kultur machen wir. Kultur sind wir.