Lora Kostina ©

LORA KOSTINA, Leipzig, Jazzmusikerin, Pianistin, Komponistin

#coronawiegehts

In dieser Zeit neben allen Alltags- und existenziellen Sorgen hinterfragt man eigene Werte und Prioritäten. Ich habe in dieser Zeiten trotz allem die Bestätigung gefunden, dass mein Beruf für mich einen entscheidenden Sinn der Existenz verleiht. Es gibt enorme Motivation, wenn man z.B. gerade etwas geschrieben hat, was einen künstlerisch gut erscheint. Es kann auch gleichzeitig sehr demotivierend wirken, wenn sich die Frage stellt, wann man das denn auf die Bühne bringt. Laut dem Energieerhaltungsgesetz ist die Mühe nicht umsont und man soll sich nur Gedanken über die Qualität machen. Aber man braucht sehr langen Atem. 

 

#coronawaskommt

Aktuell habe ich ein Programm mit meinem Trio und wunderbaren Sängerin Pascal von Wroblewsky, wir konnten dieses Jahr nur die Premiere spielen und haben andere Termine auf das nächste Jahr umgelegt. Weiterhin komponiere ich ein anderes Programm, bei dem ich zum Teil ein für mich musikalisches Neuland begehe, und werde das im nächsten Jahr fertig stellen. 

Ich denke, dass der Livebetrieb in der näheren Zukunft anders organisiert sein wird als bisher. Wir werden bei den Kulturveranstaltungen mit Einschränkungen leben müssen. Es darf aber nicht bedeuten, dass man die Branche automatisch stilllegt. Es wurden akribisch und sehr aufwändig Hygienekonzepte erarbeitet, die müssen auch genutzt werden!

#coronawasbrauchts

Ich wünsche mir, dass die Kunst und Kultur andere gesellschaftliche Stellung haben. Ich wünsche, dass die Politiker nicht nur nach deren Wahlprogrammen beurteilt werden, sondern auch nach deren Bildung, nach Antworten auf die Fragen nach ihren Lieblingsschriftstellern, Dichtern, Musik und Philosophen. 

Ich komme aus Russland – ein Land, in dem die horizontale Solidarität in den letzten 100 Jahren sehr ausgeprägt war. Das passiert immer, wenn die vertikale Solidarität „Volk – Politik“ nicht mehr ganz intakt ist. Diese Art der Solidarität unter den Kulturschaffenden ist in den letzten Monaten verstärkt entstanden, es muss aber viel mehr werden, um wirklich Gehör zu finden.