Marco Graf

MARCO GRAF, Schaffhausen (CH), Videograf , Natur- und Dokumentarfilmproduzent

#coronawiegehts

Die Situation zurzeit ist auch für mich schwierig einzuschätzen. Einerseits ist sie für mein Tun, besonders was Auftragsarbeiten angeht, besonders schwierig. Da Videos (Egal ob Werbe-, oder Kulturvideos) in so einer Zeit einfach nicht gefragt sind. Andererseits empfinde ich diesen Umstand auch als eine große Chance. Eine Chance für jeden einzelnen, mal wieder in sich zu gehen und die bekannten Standards wieder bewusster war zu nehmen. Gerade arbeite ich an einem neuen Dokumentarfilm Namens "Feld, Acker, Wiese" welcher sich mit den freien Flächen der Südschweiz beschäftigt und der im Herbst 2021 in die Kinos geht. Im Film begleiten wir Menschen, die Hautnah mit der Natur zusammenarbeiten und teils neue, noch unbekannte Wege gehen. Wir gehen der Herstellung unserer Nahrungsmittel auf den Grund und entdecken dabei die Flora und Fauna, welche sich mit uns arrangieren muss.  Nebst den Gedanken, ob Aufführungen in Kinos bis dahin überhaupt möglich sind, blicke ich auf ein äußerst erfolgreiches Drehjahr zurück. Noch nie konnte ich die Natur so unverfälscht in die Kamera bringen. Alleine die Ruhe, die aufgrund von fehlendem Zivilisationslärm- verursacht durch Flugzeuge und Straßen- vorhanden waren, gab einem schon ein Urgefühl für die unverfälschte Natur. Ich bin sicher, dass dies nicht nur mir so ergangen ist. Eine derartige Ausnahmesituation beschert uns also trotz allem einen stückweit objektiveren Blickwinkel auf das, was für uns bislang nur allzu selbstverständlich war.

#coronawaskommt

Ich denke an Kreativität mangelt es uns Künstlern nicht. Doch denke ich, dass wir die Kreativität nun weniger auf den Inhalt unseres Kunstschaffens beschränken müssen, sondern situationsbedingt auch auf die Zugänglichkeit für die Kunstkonsumenten. Für einmal etwas weg vom Gewohnten. Mit anderen Worten muss nicht nur die Kunst kreativ sein, sondern auch der Weg diese in dieser schwierigen Zeit zu präsentieren, damit wir es zumindest über diese Pandemie hinausschaffen und Kunst und Kultur nicht abstirbt. Solange wir Kunstschaffenden und Kunstliebenden zu dem ein oder anderen Kompromiss bereit sind, werden wir das gemeinsam schaffen. Davon bin ich überzeugt. Ich hoffe deshalb das die Motivation dazu durch Rückschläge nicht zurück geht, sondern umso weiterwächst.

#coronawasbrauchts

Solange die Kunst- und Kulturfreunde hungrig bleiben und bereit sind, Kompromisse einzugehen, die Kunstschaffenden mit vereinter Kraft zu unterstützen und in gemeinsamer Hand das Ding am Laufen halten, wird nichts untergehen. Als Dokumentarfilmproduzent bin ich es mir gewohnt, einen langen Atem zu haben. ich arbeite etwa 4 Jahren an einem Film bis ich das Ergebnis endlich in die Welt hinaustragen kann. Das hat mich allerdings auch gelehrt, das Dinge nicht an Reichtum verlieren, wenn sie warten müssen und man sie solange nicht vergisst. Sondern dass sie umso mehr strahlen, wenn sie schlussendlich hinausdürfen. Auch Krisen haben ihren Zweck. Ohne Schatten würden wir das Licht nicht war nehmen.