Else Lasker-Schüler, um 1932, Stadtbibliothek Wuppertal, Else-Lasker-Schüler-Archiv

WUPPERTAL

Else Lasker-Schüler
und die Avantgarde
6.10.2019 – 16.2.2020

Viele kennen sie als eigenwillige Dichterin. Doch neben ihren großartigen Gedichten, Dramen, Erzählungen und Prosawerken brachte Else Lasker-Schüler (1869-1945) ein ebenso faszinierendes bildnerisches Œuvre hervor, in dem sie ihrer jüdisch-orientalisch inspirierten Phan- tasie vor allem mit zeichnerischen Mitteln poetischen Ausdruck verlieh. In ihrer Dichtkunst wie auch in ihrer Bildkunst kreierte sie eine „andere“ Welt, in der sie selbst in imaginären Rollen – als Tino von Bagdad und als Jussuf, Prinz von Theben – auftrat. Auch ihr Umfeld bezog sie in das von ihr inszenierte Rollenspiel mit ein. So erscheint dieses oftmals als ein verschlüsseltes Abbild der Gesellschaft, in der sie verkehrte.

Im Rahmen des Programms der Stadt Wuppertal „Meinwärts. 150 Jahre Else Lasker-Schüler“ präsentiert das Von der Heydt-Museum die Künstlerin im Kontext der Avantgarde der Zeit. Die umfassende Ausstellung folgt Lasker-Schülers Lebensweg, der von den Verwerfungen und Brüchen des 20. Jahrhunderts geprägt ist, von (Wuppertal-) Elberfeld nach Berlin und über die Schweiz, wohin sie vor den Nazis flüchtete, bis nach Palästina.

Else Lasker-Schüler, Nicodemus, um 1922 Else Lasker-Schüler-Gesellschaft, Wuppertal / Dauerleihgabe an das Zentrum für verfolgte Künste, Solingen

Sie geht den künstlerischen Anregungen und Verbindungen nach, die Else Lasker-Schülers Werdegang begleiteten und beeinflussten. Dazu gehörten Künstler wie Edvard Munch, Oskar Kokoschka, Franz Marc, August Macke, Paul Klee, Heinrich Campendonk, Karl Schmidt-Rottluff, George Grosz, Otto Dix und Jankel Adler, der Kunsthändler Alfred Flechtheim, der Verleger Paul Cassirer sowie Schriftsteller und Dichter wie Gottfried Benn, Theodor Däubler und Paul Zech. Dieses Netz- werk bildet einen Rahmen, innerhalb dessen die Schau Lasker-Schülers Leben, ihr dichterisches und ihr künstlerisches Werk mit Fotos, Zitaten und einer Auswahl von Werken illustriert und dokumentiert.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Ausstellung Else Lasker-Schülers Zeichenkunst: Im Mittelpunkt steht eine Auswahl ihrer farbigen Zeichnungen, die Einblick in ihre einzigartige und märchenhafte Vorstellungs- und Bildwelt geben. Mit der Untersuchung der Frage, was sie in ihrem innersten Wesen mit Kunst und Künstlern ihrer Zeit verband, ermöglicht die Ausstellung einen weitergehenden Zugang zu ihrer komplexen Persönlichkeit.

Bild: Else Lasker-Schüler, Jussuf bewundert eine blaue Rose, um 1920 Von der Heydt-Museum Wuppertal

Else Lasker-Schüler, Jussuf bewundert eine blaue Rose, um 1920 Von der Heydt-Museum Wuppertal

Oskar Schlemmer, Zwölfergruppe mit Interieur, 1930 | Von der Heydt-Museum Wuppertal

Oskar Schlemmer im Fokus
3.11.2019 – 23.2.2020

Fast parallel zu Else Lasker-Schüler präsentiert das Von der Heydt-Museum Wuppertal eine Ausstellung zu Oskar Schlemmer (1888-1943), einem der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Vielseitig wie kaum ein anderer war er als Maler, Wandgestalter, Grafiker, Bildhauer und Bühnenbildner tätig. Intensiv setzte er sich mit den Künstlern und Kunstströmungen seiner Zeit auseinander und hinterließ eine große Gruppe an Bewunderern. Die Ausstellung im Von der Heydt-Museum umfasst Werke aus allen Phasen seines Schaffens. Sie legt ihren Fokus weniger auf die Jahre am Bauhaus als vielmehr auf die Spätphase mit seinen „ausgereiften“ Werken.

Nach Stationen in Weimar, Dessau und an der Kunstgewerbeschule in Breslau, wo er mit Johannes Molzahn und Otto Müller in Kontakt stand, wurde er ab 1933 durch die Nationalsozialisten von allen Ämtern ausgeschlossen; seine Kunst galt als entar- tet. Auf Vermittlung des Architekten Heinz Rasch erhielt er eine Position als „Professor für maltechnische Forschungsvorhaben“ in der Wuppertaler Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts. Mit 52 Jahren zu alt für den Einsatz an der Front, wohnte er schließlich ab 1940 im Haus des neu ein- gerichteten „Instituts für Malstoffkunde“, wo er mit der kreativen Erforschung und Anwendung moderner Lacktechniken betraut wurde. Hier entwarf er nicht nur sein berühmtes „Lackkabinett“, auch sein „Lackballett“ wurde in Wuppertal zum Firmenjubiläum 1941 uraufgeführt. Schlemmer, der am Bau- haus unter anderem Aktzeichnen lehrte, konzentrierte sich in seiner freien ebenso wie in seiner angewandten Kunst auf das Thema der menschlichen Figur im Raum. Sein Ideal war eine Synthese aus strenger Komposition und in der Natur anschaulich werdender Mystik. Sichtbar wird das in dem großen Bestand von rund 300 Gemälden und Zeichnungen, der sich in der Samm- lung des Von der Heydt-Museums befindet und in seinem ganzen Umfang noch nie gezeigt wurde.

Bild: Oskar Schlemmer, Pinselprüfender im verlorenen Profil I, 1941 | Von der Heydt-Museum Wuppertal