HEIKOGRU – Warum wir gemeinsam lesen...

Geschichten begleiten uns durch das Leben. Eine frühe Erinnerung ist die Gute Nacht-Geschichte meines Vaters. Prinz Eisenherz war der Protagonist, Abend für Abend erfand er neue Geschichten, wir hingen an seinen Lippen. Manchmal waren die Geschichten so spannend, dass an Einschlafen nicht mehr zu denken war, manchmal vermischten sich auch Geschichten aus seiner Kindheit in den 40er-Jahren mit fiktiven Erzählungen, eine Möglichkeit, mehr von meinem Vater zu erfahren, seine Prägungen, seine Erlebnisse. Über die Geschichten entstand eine Verbindung, von unserem kindlichen Erleben zu seinen Gedanken und Werten. Das damalige Zuhören setzte sich in der eigenen Lust auf Geschichten, im Lesen von Büchern weiter fort, aber mit der Möglichkeit, selbst zu lesen, verschwanden leider auch die abendlichen Geschichtenstunden mit dem Vater und damit auch der Austausch.

Bei meinen eigenen Kindern war das Vorlesen von Anfang an sehr wichtig. Waren es in der frühen Kindheit oft die gleichen Bücher, zum Beispiel das Buch vom Karlchen von Rotraut Susanne Berner, was ein wichtiger Einschlafbegleiter war, so wurden die Bücher mit der Zeit immer dicker und die ganze Familie versammelte sich, um die Geschichte der Penderwicks (von Jeanne Birdsall) mitzuverfolgen. So lasen wir über die Zeit, bis die Kinder selbst zum Buch griffen, häufig gemeinsam, freuten uns an den Protagonisten und erwarteten alle mit Spannung, wie es weiterging. Im Entwi- ckeln des eigenen Lesen-Könnens, entwickelten sich auch die eigenen Vorlieben – somit wurde nicht mehr alles geteilt, nicht über alle Bücher gesprochen. Eine Entwicklung, die das Aufwachsen der Kinder widerspiegelt, sie entdecken die Welt, bilden sich eigene Meinungen, orientieren sich immer weniger an uns Erwachsenen, unterschiedliche Ansichten und Positionen werden verteidigt. Aber immer wieder gibt es Berührungspunkte, lesen die Kinder ein Buch aus unserer Kindheit, erinnern wir uns wieder, fragen nach, bleiben im Gespräch.

In Verbindung bleiben durch das gemeinsame Lesen, das ist uns nun mit unserem Heikogru-Leseprojekt in besonderer Weise gelungen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die nominierten Bücher des Jugendliteraturpreises von der Nominierung in Leipzig bis zur Preisverleihung in Frankfurt zu lesen. Entstanden ist eine wunderbare Erfahrung – wir teilen Geschichten, lachen und weinen an den gleichen Stellen, gelegentlich auch an unterschiedlichen Stellen. Die Geschichten lösen unterschiedliche Resonanzen aus – die Jugendlichen, vielleicht weniger oder gar nicht vertraut mit der Zeit, in der die Geschichte spielt, lesen mit einer Frische, las- sen die Sprache wirken, identifizieren und leiden mit den jugendlichen Protagonisten. Wir Erwachsenen lesen die Bücher mit dem Bewusstsein, gerade eine Geschichte zu tei- len, es schwingt der Gedanke mit, was wohl unsere Kinder bei dieser oder jener Thematik denken, fühlen. Haben sie alles verstanden? Hat sie etwas erschreckt? Erschreckt vielleicht uns etwas, was sie nur mit der Schulter zucken lässt? Kommunikation entsteht, wir teilen etwas und sind plötzlich alle „Mitwisser“. Unsere Unterschiedlichkeit darf sein, wir anerkennen, dass jeder die Geschichte mit den eigenen Augen liest und versteht.

Und schließlich schließt sich der Kreis in meine eigene Kindheit, zu meinem Vater. Unsere Challenge wird erweitert, mein Vater, Großvater meiner Kinder, wird einbezogen. „Der Junge auf dem Berg“ – was er wohl dazu meint? Er liest das Buch in einer Woche, gleich zweimal – Großvater und Enkelin im Dialog über ein zentrales Stück deutscher Geschichte. Großartig – das kann Literatur, wenn man sie gemeinsam liest.

Wenn wir dieses Jahr zur Buchmesse fahren, hat jeder von uns vier Umschläge dabei. In zweien ist unser Tipp, welches Buch wohl gewinnen wird, eines der nominierten von der Kritikerjury, eines von der Jugendbuchclub-Jury. Umschlag drei und vier ist unser wirklich persönlicher Favorit – unabhängig von „Wer hat die besten Chancen auf den Preis“ -Überlegungen. Eine Herz-Bauch-Entschei- dung. Und eins ist klar: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

HEIDI SCHÄNZLE-GEIGER

SPARTE JUGENDBUCH
D
ie Nominierungsbegründungen der Jurys finden Sie unter www.jugendliteratur.org

Stefanie Höfler
Der große schwarze Vogel
Beltz & Gelberg
ISBN 978-3-407-75433-2 13,95 € (D), 14,40 € (A)
Ab 12

Marei:  Mir hat gut gefallen wie die an sich traurige Geschichte so viel vom Leben erzählt, von der Mutter, die den beiden Jungs so viel Lebensfreunde mitgegeben hat, von den Jungs, die, obwohl der Vater wie gelähmt kaum Trist anbieten kann, diese erste Woche tröstlich gestalten. Mir gefällt auch, dass die Geschichte nicht rührselig ist und auf die Tränendrüse drückt, sondern sehr lebensbejahend erzählt.

Mark:  Sie ist tot. Die Mutter von Ben und Krümel. Ihr Vater ist nicht wirklich da für die beiden in dieser Situation. Verarbeitung und wie jeder eigene Weg findet in der Trauer - ja vieles ist gut eingearbeitet, die kurzen Kapitel lesen sich gut. Zwar nicht glaubwürdig im Verhalten des Vaters, aber sei es drum - so werden die Welten von Krümel und Ben besser erlebbar. Das Buch liegt irgendwo zwischen treffend, überkonstruiert und sehr einfühlsam zum Thema. Gesamturteil: Gemischt zufrieden!

Heidi: Voller Poesie, luftiger Leichtigkeit und berührender Tiefe nimmt uns Stefanie Höfler ein Stück auf dem Weg durch Trauer, Schmerz und Zuversicht im Leben von Ben, dessen Mutter gerade gestorbener. Durch die verschiedenen Erzählebenen, die davor, jetzt und danach stattfinden, können wir ein wenig davon begreifen, was in Ben, aber auch seinem Bruder Krümel und ihrem Vater wohl vorgehen mag und wie sich das anfühlen könnte. Tieftraurig und zugleich unendlich tröstlich sind die Bilder, welche die Autorin uns da schenkt. Für mich ein wunderbares Buch.

Lauren Wolk
Eine Insel zwischen Himmel und Meer
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann dtv Reihe Hanser
ISBN 978-3-423-64035-0
14,95 € (D), 15,40 € (A)
Ab 12

Mark:  Ja, eine Insel an der Ostküste der USA in den 1920ern, ein herzensguter Eigenbrötler, eine Jugendliche auf der Suche nach Ihren Wurzeln, eine lebenstüchtige Mutterfigur von der Nachbarinsel, Bedrohungen durch Natur und Mensch- was für eine liebevolle Meeresluft-Salzwasser-gewürzte Geschichte über Liebe, Familie, Wurzeln, Abgrenzung, Ängste, Mut, Ehrlichkeit und Heimat. Dass dabei ein wertvoller Schatz, ein fieser Bösewicht, sogar ein gekentertes Schiff auch noch miteingewoben ist, sei verziehen: diese Elemente erhöhen die Spannung gerade auch für Leser unter 14 - nötig hat es das Buch voller wunderbarer Bilder vom Leben von Crew und Osh eigentlich nicht. 4 von 5 Punkten. Lest und sprecht darüber!

Céline:  Das Buch ist mein bisheriger Favorit. Die Charaktere sind so liebenswert, die Geschichte so interessant und spannend, die Gefühle so nachempfindbar beschrieben und die Hoffnungen und Gedanken der verschiedenen Personen sehr gut nachvollziehbar. Man wünscht sich beim Lesen man könnte auch einziehen in diesem Dorf, indem sich die Menschen doch auch öffnen können für ihnen Unbekanntes, ihre Meinung ändern können und ihren Ängsten gegenübertreten. Ein wunderschönes Buch, das meiner Meinung nach dem Jugendliteraturpreis wirklich verdient hätte.

Heidi:  Eine Insel zwischen Himmel und Meer: Was für eine wunderschöne Geschichte! Lauren Wolk gelingt es mit einer klaren und wunderbar poetischen Sprache, die Beziehung zwischen der 12jährigen Crow, ihrem Zieh- und Herzensvater Osh und Maggie, der guten Mutter, Tante, Großmutter Freundin zu beschreiben. Besonders gefallen hat mir das Element von Oshs Liebe zu Crow. Ich mag den Gedanken der Wahlfamilie und dass Liebe, Nähe und Vertrauen keine Frage des Verwandtschaftsgrads sind.

Jette:  Als Fan von Laura Wolk hatte ich sehr hohe Ansprüche an dieses Buch und war einwenig traurig , dass mich die Geschichte nicht wirklich gepackt hat. Crow ist an dem Punk in ihrem Leben, in dem sie von der Naivität in den Realismus wechselt und von der Kindheit in die Jugend, dieser Prozess wird durch die Neugier über ihre Herkunft ausgelöst. Wie schon zuvor hat Lauren Wolk diesen Übergang sehr schön beschrieben jedoch war die Herkunftsgeschichte von Crow in diesem Buch sehr inszeniert und wirkte eher Piraten mäßig. Trotzdem habe ich mich an schönen Formulierungen freuen können und bin der Geschichte gerne gefolgt.

Marei: Mir hat die Geschichte sehr gute gefallen. Mit allen drei, Crow, Osh und Maggie würde ich sehr gerne einen Tag verbringen: Drei Charakterköpfe mit dem Herz am rechte Fleck-

Natalie C. Anderson
City of Thieves
Aus dem Englischen von Beate Schäfer dtv
ISBN 978-3-423-74033-3
14,95 € (D), 15,40 € (A)
Ab 13

Jette:  Diese Nominierung erfüllt meiner Meinung nach die wichtigen Themen eines Jugendbuches, die Geschichte ist packend und lädt dazu ein, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen Gleichzeitig beschäftigt es sich mit einem Thema welches auch in der echten Welt Bedeutung hat. Tina - die Hauptperson - verändert sich im laufe des Buches stetig aber der Leser ist immer an ihrer Seite und es fühlt sich nur natürlich an, dass sie je mehr sie erfährt andere Entscheidungen trifft. Auch die Prise Liebesgeschichte war gut in die gesamt Geschichte integriert, ohne sie zu überschatten.

Emma:  Ein Buch das zum Nachdenken anregt. Man ist in der Geschichte von Tina gefangen, fühlt mit ihr und hofft auf ein Happy End. Das Buch City of Thieves beinhaltet das volle Paket. Es ist spannend, traurig, lustig und die Liebe fehlt auch nicht.

Marei:  Die Geschichte ist sehr spannend erzählt, hat mich gleich nach Kenia zurückversetzt. Wir lernen den Konflikt kennen, der im Kongo herrscht und bis nach Kenia einwirkt. Dieser Krimi erzählt von Brutalitäten des Krieges, dass mich die Altersangabe ab 13 wundert. Die Autorin, die bei der UNO in der Flüchtlingshilfe tätig war, erzählt eine vielschichtige leider sehr glaubhafte Geschichte der Gegenwart im Kongo.

Céline:  Ich fand das Buch und die Geschichte sehr eindrucksvoll und spannend. Altersangabe ab 13 wundert mich. Das einzige was mich manchmal gestört hat war, das einzelne Handlungsstränge ein bisschen gezwungen zusammengefügt wirkten, beispielsweise dass die beiden Jungs sich plötzlich hinter dem Rücken absprachen und sie gemeinsam begleiten. Ansonsten aber wirklich eine tolle und spannende Geschichte, sodass ich das Buch bis zur Auflösung kaum weglegen konnte.

Steven Herrick
Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn Thienemann
ISBN 978-3-522-20246-6
15,00 € (D), 15,50 € (A)
Ab 14

Jette:  Herrik hat in diesem Buch erneut einen lyrischen Ansatz für das Erzählen einer Geschichte gewählt, der die Sprache in den Vordergrund rücken lässt. Die Geschichte ist sehr atmosphärisch und erzählt mit tollen sprachlichen Stellen. Leider ist die Geschichte des Buches lange sehr unklar und gerade, wenn man sich in ihr einfindet, ist das Buch auch schon wieder vorbei.

Mark:  Wunderbare Annäherungen an Momente, an Trauer, an Vertrauen, Freundschaft. Leicht und zerbrechlich geschrieben, wie die Geschichte- ein Fest der Sprache. Lyrik fürs jetzt. Ein großer Genuss, wer sich drauf einlassen kann. Für offene, neugierige das Richtige.

Céline: Dieses Buch zählt auf jeden Fall zu meinen Favoriten. Die Sprache ist wunderschön gestaltet und die Figuren gewinnt man sehr lieb im Verlauf des Buches. Die Sprache ist sehr bildlich und man kann sich in die Stadt wirklich hineinfühlen. Dabei werden einige ernste Themen angesprochen, insbesondere Armut und Verlust. Aber trotzdem ist so viel Lebensfreude und Liebe zu finden, dass das Lesen einem das Herz erwärmt. Sehr tolles Buch!

Marei:  Allein wegen der Sprache wollte ich nicht, dass das Buch endet. Aber auch die beiden Jungs und ihr Vater sind mir ans Herz gewachsen. Mir gefallen ja einige der Nominierungen sehr gut, aber dieses Buch zählt zu meinen Favoriten.

Dirk Pope
Abgefahren
Hanser
ISBN 978-3-446-25875-4 15,00 € (D), 15,50 € (A)
Ab 15

Marei:  Ein verrückter Roadmovie, an Absurdität kaum zu überbieten und trotzdem hat mich das Buch irgendwie gefesselt. Gleichzeitig war ich froh, als es durchgelesen war. Zurück bleibt eine diffuse …. Mischung aus Ekel und Liebe und Sympathie und Mitleid.

Mark:  Endlich ein Buch mit Mut zum Neuen, Verrückten, Abstrusen! Roadmovie Buch vom Feinsten. Von Anfang an bekommt man keinen ruhigen Atemzug mehr hin - so schnell folgen die Absurditäten aufeinander, wenn Viorel mit seiner toten Mutter im Kofferraum durch Europa mit dem Auto - ohne Führerschein- kutschiert. Gleichzeitig wunderbare Beobachtungen der Welt und Gedankenwelten unserer Zeit eingeflochten! 
Ein Lob auf Dirk Pope und was immer er beim Schreiben dieses Buches konsumiert hat. Erhält allemal den Preis für den passendsten Titel! Dieses Buch ist einfach voll: Abgefahren! 
Ein Lieblingsbuch!

Jette:  Durch dieses Buch musste ich mich regelrecht durch zwingen, die Geschichte wird immer und immer skurriler, weshalb der Titel es auch gut auf den Punkt bringt. Neben schönen Sprachlichen Momenten des Assoziativen Denkens konnte ich diesem Buch nichts abgewinnen. Es war für mich keine tiefere Thematik zu erkennen und die Erzählung hat sich so in ihrer Verrücktheit verloren, dass sich für mich auch kein Spannungsbogen aufgebaut hat. Die Nominierung ist mir leider unverständlich.

Neal Shusterman (Text)
Brendan Shusterman (Ill.)
Kompass ohne Norden
Aus dem Englischen von Ingo Herzke Hanser
ISBN 978-3-446-26046-7 19,00 € (D), 19,60 € (A)
Ab 15

Heidi: Kompass ohne Norden verlangt schonungsloses Eintauchen in die Welt von Caden, den es mitten in der Pubertät durch eine Schizophrenie schwer neben die Spur bringt. Neal Schusterman schafft es mit den zwei parallelgeschichten die Zerrissenheit und damit den Wechsel der Welten und Gefühle so nah zu bringen, wie es mir als Psychologin ein Fachbuch noch nie vermitteln konnte. Sehr wertvoll.

Jette: Psychologische Krankheiten durch eine Geschichte darzustellen, ist immer eine Herausforderung die Shustermann meiner Meinung nach sehr gut gemeistert hat. Es ist sehr schön, mit anzusehen, wie sich in der Sprache als auch in der Geschichte die reale und die fiktive, in seinem Kopf herrschende Welt nach und nach vermischen bis die Linien nicht mehr vorhanden sind. Das Buch war nicht einfach zu lesen, da man als Leser immer wieder das Gefühl hat, jetzt müsste es ihm doch besser gehen, nur um dann in das nächste Loch zu fallen. Gerade dieses mit fühlen und die Frustration mit dem, was passiert, ist es, was dieses Buch realistisch und damit großartig macht.

Marei: Dieses Buch wurde zweifach nominiert, auch die Jugendjury hat es auf ihre Liste gesetzt. Deswegen war ich doppelt gespannt; auch fand ich das Thema interessant. Leider bin ich mit dem Buch gar nicht warm geworden.

Céline:  Ich fand das Buch sehr sehr interessant, auch aufgrund des biographischen Bezugs zum Autor und dessen Sohn. Es ist ein wichtiges Thema und man erhält sehr bewegende Einblicke in das Denken des Hauptcharkaters. Jedoch macht es auch sehr betroffen. Die umfassende Gedankenwelt fordert das eigene Mitdenken sehr heraus und die Abgründe des Denkens treffen einen sehr. Trotzdem meiner Meinung nach ein wichtiges und interessantes Buch, das besonders auch durch die beigefügten Zeichnungen sehr viel Wirkungsmacht besitzt.

NOMINIERUNGEN DER JUGENDJURY 
Die Nominierungsbegründungen der Jurys finden Sie unter www.jugendliteratur.org

Monica Hesse
Das Mädchen im blauen Mantel
Aus dem Englischen von Cornelia Stoll cbj
ISBN 978-3-570-16532-4
16,00 € (D), € 16,50 (A)
Ab 12

Berit: Frau Hesse erzählt in ihrem  Roman „Das Mädchen im Blauen Mantel“ ein Thema, das der deutschen Jugendliteratur zu gut bekannt ist und sie erläutert dieses Thema aus einem neuen Winkel, der mir gut gefallen hat  - und sie hat das so gut gemacht,s das ich das Buch fast nicht aus der Hand legen konnte. Ich fand  die Story gut recherchiert und gut nachgeforscht, was da so in Amsterdam passiert ist. Handke, die Hauptperson des Romans, verkauft auf dem Schwarzmarkt Waren. Während des Romans wird sie immer mutiger und traut sich mehr zu. Ich finde das Buch beschreibt das Thema der Judenverfolgung in Amsterdam gut.

Nele:  Ein wichtiger Mosaikstein in der bereits sehr vielfältigen Jugendliteratur über die NS-Zeit. Mosaikstein war für mich die innere Auseinandersetzung mit der Frage der persönlichen Schuld. Hat Hanneke Schuld auf sich geladen, als sie ihrem Freund ermutigt hat, sich freiwillig für den Waffendienst zu melden? Hat Amalie Schuld auf sich geladen, als sie im Fluss ihrer Gefühle ihrem Onkel vom Versteck ihrer jüdischen Freundin Mirjam erzählt hat? Mosaikstein war für mich die Fotographie als Facette des politischen Widerstands. Fotographieren, um sicherzustellen, dass Gräueltaten nicht geleugnet werden können.

Jette:  Monica Hesse hat es geschafft, ein Thema, das in der deutschen Jugendliteratur gut bekannt ist, aus einem neuen Winkel darzustellen. Haneke ist hierbei als Hauptfigur zunächst eine eindeutige Antiheldin und findet erst im Verlauf des Buchs die für den Leser bereits offensichtliche mutige Seite ihrer selbst. Das Thema des Holocausts außerhalb Deutschlands zu thematisieren, ist aus historischer Sicht auch schon längst überfällig. Auch andere wenig bekannte Umstände hat Hesse sehr gut aufgegriffen, wie das Thema der Dokumentation durch Fotographie und die dadurch entstehenden Gefahr. Rundum ist dies ein großartiges Buch mit einer erzählenswerten Geschichte.

Heidi:  „Das Mädchen im blauen Mantel“ zeigt uns das Leben im von den Natiinalsozialisten besetzten Amsterdam aus der Sicht der Heranwachsenden Hanneke näher. Scheinbar übersprungen hat sie das Jugendlich-sein, Sie geht grösste Risiken ein -zunächst nur für sich aber bald auch für andere, existentielle Herausforderungen und kaum eine Spur jugendlichen Leichtsinns. Sehr packend, spannend und berührend nimmt uns Monica Hesse mit und schafft es ganz nebenbei ein wichtiges Stück deutscher und holländische Geschichte näherzubringen. Hat mir gefallen!

Marei: Eine gute andere Perspektive als die gewohnte, eine spannende und rührende Geschichte von Schuld oder Unschuld, von Verstrickungen und Gewissenqualen.

Stefanie Höfler
Der große schwarze Vogel
Beltz & Gelberg
ISBN 978-3-407-75433-2 13,95 € (D), 14,40 € (A) '
Ab 12

Mark:  Sie ist tot. Die Mutter von Ben und Krümel. Ihr Vater ist nicht wirklich da für die beiden in dieser Situation.
Verarbeitung und wie jeder eigene Weg findet in der Trauer - ja vieles ist gut eingearbeitet, die kurzen Kapitel lesen sich gut. Zwar nicht glaubwürdig im Verhalten des Vaters, aber sei es drum - so werden die Welten von Krümel und Ben besser erlebbar. Das Buch liegt irgendwo zwischen treffend, überkonstruiert und sehr einfühlsam zum Thema. Gesamturteil: Gemischt zufrieden!

Marei:  Mir hat gut gefallen wie die an sich traurige Geschichte so viel vom Leben erzählt, von der Mutter, die den beiden Jungs so viel Lebensfreunde mitgegeben hat, von den Jungs, die, obwohl der Vater wie gelähmt kaum Trist anbieten kann, diese erste Woche tröstlich gestalten. Mir gefällt auch, dass die Geschichte nicht rührselig ist und auf die Tränendrüse drückt, sondern sehr lebensbejahend erzählt.

Jette:  Das Thema der Trauer ist ein schwieriges für ein Jugendbuch und gerade der plötzliche Tod eines Elternteil ist eine sehr beängstigende Vorstellung. Die Darstellung des erlebten Traumas war sehr realistisch mit einer langen Phases des nicht realisieren’s und der danach einsetzende Traurigkeit. Sehr schön waren auch die Unterbrechungen durch „Davor“ und „Nachher“ die einen an den richtigen Stellen aus der Schwere der Geschichte herausgehoben haben. Die Trauer von Ben’s Vater nimmt die Form der Abschottung an, die für seine Kinder unverständlich ist und die leider auch nicht weiter durch Gespräche oder Aktionen wirklich geklärt und gelöst wird, das hätte ich mir noch gewünscht.

Rindert Kromhout
Anders als wir
Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann Mixtvision
ISBN 978-3-95854-122-1
14,90 € (D), € 15,40 (A)
Ab 12

Mark: Was für eine Enttäuschung. Kromhut gelingt es tatsächlich bis Seite 169 von 264 ein elendig langes Epos zu schreiben ohne echte Spannung aufzubauen, Charaktere zu entwickeln oder sprachlich in auch nur irgendeiner Weise Besonderheiten vorzuweisen. Weiß der Himmel ob er sich hier an falschverstandener Virginia Woolff Verneigung verhoben hat oder betont zeigen wollte, wie gender- und Sex-liberal er ist, indem er all diese Freiheiten ins letzte Jahrhundert verlegt. Weder ein Jugendroman noch eine Schrift für verwöhnte Erwachsene- und dazu noch handwerklich unnötig kompliziert gestrickt - ein Buch darüber wie ein Buch entsteht in einer vergangenen Welt von Büchern, Kunst und freien Lebensstilen, die ihrer Zeit voraus waren. Wo ist das Jetzt und Hier? Wer über Patchwork Familien, sexuelle Orientierungen, Vielfalt von Lebenswelten und dem Weg eines jungen Menschen durch diese Labyrinthe erzählen will sei willkommen in der Welt - aber nicht so! 
Vielleicht waren ja Kromhuts andere 100 Bücher besser als dieses. Ich wünsche es ihm und der Welt.
... ich habe es doch noch fertiggelesen, hätte ja sein können, dass mich die letzten 80 Seiten noch eines Besseren belehren, sich literarische Wendungen zum Besseren einstellen - aber leider nicht. Thumb down!

Marei:  Ich habe sehr viel über dieses England der 30er Jahre erfahren, über die Künstlerszene, die Art zu leben, zu arbeiten und zu feiern, sich zu begegnen und die Welt zu sehen, Die Erzählpersektive hat mich eng in das Familienleben geführt und von dort aus der Sicht der Kinder in die freie Welt der Erwachsenen.

Kristina Aamand (Text)
Sune Ehlers (Ill.)
Wenn Worte meine Waffe wären
Aus dem Dänischen von Ulrike Brauns Dressler
ISBN 978-3-7915-0098-0
16,00 € (D), € 16,50 (A)
Ab 14

Jette:  In Zeiten der Diskussion um eine deutsche Leitkultur ist es interessant, sich mit Hilfe eines Buchs in die Perspektive eines Jugendlichen einer anderen Kultur zu versetzen. In dieser Hinsicht hatte „Wenn Worte meine Waffe wären“ eine tolle Chance den Leser in eine für ihn unbekannte Welt zu entführen  - diese Möglichkeit wurde meiner Meinung nach leider nicht zu ihrem vollen Potential ausgenutzt. Die Geschichte wirkte leider recht konstruiert obwohl sie natürlich auch ihre heraus ragenden Momente hatte. Für mich war die Fülle an Themen, die in diesem Buch versucht wurden zu bearbeiten leider etwas zu hoch. Eine tolle Idee waren die graphischen Aspekte in das Buch mit einzubringen, um dem Leser einen emotionaleren Zugang zu dem Thema zu geben.

Marei:  Das Buch ist nicht in erster Linie eine Liebegeschichte mit komplizierten Voraussetzungen, sondern verschafft einen guten Einblick in die Identitätssuche in einer fremden Welt, die nicht fremd belieben soll. Mir hat es mein Bewusstsein neu geschärft für die Schwierigkeiten in der Fremde, mit dem Heimweh nach der Herkunft, auch ihrer Verklärung, mit Kriegssorgen, und das Schen nach neuer Integration in einer neuen Kultur. Alles mündet in der Erkenntnis: so fremd sind uns gar nicht.

Mark:  Sheherazade und Thea - authentische Jugendliche, beide mit krankem Elternteil, aber sonst könnte ihr Leben in Dänemark nicht unterschiedlicher sein. Die beiden Mädchen sind gut getroffen, beide schließt man schnell ins Herz. Und weil man wissen will, wie ihr Leben sich entwickelt, rast man als Leser durch das Buch. Das funktioniert und ist gut gestaltet. Allerdings packt dann Kristina Aamand dann doch zu viel in ein Buch - die Fülle der Themen reicht für 3 Bücher: Arm- reich, islamisch- aufgeklärt, Kriegstraumaerfahrungen - Großstadtspeckgürtelleben, Mobbing in der Schule, heterosexuelle Heiratserwartungen und Familie- lesbische Lebenswelten...
Wenn auch überkonstruiert und überladen - doch ein gut lesbares Buch , - und so schönes Ende mit Sheherazades Vater! Habe es fast richtig gern gelesen!

Karen M. McManus
One of us is lying
Aus dem Englischen von Anja Galić cbj
ISBN 978-3-570-16512-6
18,00 € (D), € 18,50 (A)
Ab 14

Céline: Ich fand das Buch sehr spannend. Ich konnte es kaum weglegen. Ich fand den Perspektivwechsel super. So konnte man die Innenwelt der Beteiligten und ihre Lebensumstände gut nachvollziehen.

Mark:  Endlich ein Buch ohne Vorglühzeit. In den ersten Zeiten zieht es die Leserin in die Geschichte, den Tod eines High School Schülers in der Nachsitzschulstunde.
Jeder der 4 Mitschüler im Raum gerät in den Verdacht. Jeder hat seine Geheimnisse. Ein Buch über die Auswirkung von WhatsApp, Instagram und Co an Schulen, Ausgrenzung, Verletzungen, Zuneigungen in der Gefahr, mutigen Teenagern und Kalten Medien. Vorverurteilungen und immer neue Informationen lassen das Buch, das immer mal wieder etwas Längen hat, am Ende furios abschließen. Könnte ein Gewinner sein 2019!

Berit:  Karen M.McManus erzählt in ihrem Debütroman „One of us Is lying"  die Story von 5 Schülern, Bronwny, Addy, Nate, Cooper und Simon, die alle zum Nachsitzen versammelt wurden, da sie am Handy erwischen wurden. Als Simon plötzlich zusammenbricht und später im Krankenhaus stirbt,  ermittelt die Polizei wegen Mordes und im Visier der Polizisten sind die vier anderen Jugendlichen. Jeder der vier hat etwas zu verbergen und somit ein Motiv. Karren M. McManus schreibt den Roman so gut, daß man erfahren will, wer Simon umgebracht  hat. Ich fand das Buch so gut dass ich es eigenlicht nicht aus der Hand legen konnte, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht.    

Marei: Es ist ein sehr spannendes Buch, das ich nicht weglegen konnte, ist es nicht durchgelesen war. So war es vor allem ein Krimi. Aber durch die  verschiedenen Erzählperspektiven war es möglich jede und jeden einzelnen gut kennenzulernen, einen Einblick in die verschiedenen Charaktere zu erhalten, in die Nöte und Abhängigkeiten, in Freundschaften und Bündnisse, enttäuschte Liebe, enttäuschte Erwartungen, gesellschaftlicher Druck, Identitäten, Einflussnahme.

Jette:  Die Nominierung von „One of us is lying“ war für mich sehr überraschend. Ich denke, dass das Buch ein sehr guter Einstieg in die Thematik der kriminal/ horror Bücher ist aber meiner Meinung nach nicht über dieses Level hinaus geht. Die Geschichte ist insofern gut konstruiert, dass wir  die Möglichkeit bekommen uns mit mehreren Jugendlichen gleichzeitig beschäftigen, welche alle nicht wirklich in ihre sozial Gruppe passen. Leider wurden diese Geschichten wegen des Spannungsbogen teils vernachlässigt und nicht tief genug erforscht.

Neal Shusterman (Text)
Brendan Shusterman (Ill.)
Kompass ohne Norden
Aus dem Englischen von Ingo Herzke Hanser
ISBN 978-3-446-26046-7 19,00 € (D), € 19,60 € (A)
Ab 15

Céline:  Ich fand das Buch sehr sehr interessant, auch aufgrund des biographischen Bezugs zum Autor und dessen Sohn. Es ist ein wichtiges Thema und man erhält sehr bewegende Einblicke in das Denken des Hauptcharkaters. Jedoch macht es auch sehr betroffen. Die umfassende Gedankenwelt fordert das eigene Mitdenken sehr heraus und die Abgründe des Denkens treffen einen sehr. Trotzdem meiner Meinung nach ein wichtiges und interessantes Buch, das besonders auch durch die beigefügten Zeichnungen sehr viel Wirkungsmacht besitzt.

Heidi:  Kompass ohne Norden verlangt schonungsloses Eintauchen in die Welt von Caden, den es mitten in der Pubertät durch eine Schizophrenie schwer neben die Spur bringt. Neal Schusterman schafft es mit den zwei parallelgeschichten die Zerrissenheit und damit den Wechsel der Welten und Gefühle so nah zu bringen, wie es mir als Psychologin ein Fachbuch noch nie vermitteln konnte. Sehr wertvoll.

Jette:  Psychologische Krankheiten durch eine Geschichte darzustellen, ist immer eine Herausforderung die Shustermann meiner Meinung nach sehr gut gemeistert hat. Es ist sehr schön, mit anzusehen, wie sich in der Sprache als auch in der Geschichte die reale und die fiktive, in seinem Kopf herrschende Welt nach und nach vermischen bis die Linien nicht mehr vorhanden sind. Das Buch war nicht einfach zu lesen, da man als Leser immer wieder das Gefühl hat, jetzt müsste es ihm doch besser gehen, nur um dann in das nächste Loch zu fallen. Gerade dieses mit fühlen und die Frustration mit dem, was passiert, ist es, was dieses Buch realistisch und damit großartig macht.

Marei:  Dieses Buch wurde zweifach nominiert, auch die Jugendjury hat es auf ihre Liste gesetzt. Deswegen war ich doppelt gespannt; auch fand ich das Thema interessant. Leider bin ich mit dem Buch gar nicht warm geworden.

SPARTE Kinderbuch
D
ie Nominierungsbegründungen der Jurys finden Sie unter www.jugendliteratur.org

Franziska Biermann
Jacky Marrone jagt die Goldpfote
dtv junior
ISBN 978-3-423-76230-4 12,95 € (D), 13,40 € (A)
Ab 7

Silke Lambeck (Text)
Barbara Jung (Ill.)
Mein Freund Otto, das wilde Leben und ichGerstenberg
ISBN 978-3-8369-5625-3
12,95 € (D), 13,40 € (A)
Ab 9

Nele: Silke Lambeck vom feinsten! Spritzig, witzig und authentisch, erzählt Silke Lambeck über die Zufälle des Lebens, die Zivilcourage von uns fordern. Der Text wirkt wie O-Ton eines Zehnjährigen. Humorvoll und spannend! Sehr empfehlenswert.

Sabine Lemire (Text)
Rasmus Bregnhøi (Ill.)
Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens
Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Klett Kinderbuch
ISBN 978-3-95470-189-6
15,00 € (D), 15,50 € (A)
Ab 9

Nele:  Wann ist es Zeit, das Playmobil aus dem Kinderzimmer zu verdammen? Darf ich noch mit Kuscheltier im Bett schlafen? Ist Spielen ab sofort uncool? Mira steht zwischen Kindheit und Pubertät und fühlt sich alles andere als pudelwohl… Mit der besten Freundin läuft es nicht, der erste Kuss ist in weiter Ferne, das Mädchen-Geplauder über die schnuckeligsten Kerle ist furchtbar langweilig und am liebsten würde sie einfach nur spielen? Aber darf sie das noch. In diesem Kinderbuch im Comic Stil steckt viel drin. Ob die Dichte der Themen gerade treffend für den schwierigen Übergang zwischen Kindheit und Pubertät ist oder doch etwas zu viel? Wohl ganz nach Stimmung.

Erin Entrada Kelly
Vier Wünsche ans Universum
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann dtv Reihe Hanser
ISBN 978-3-423-64044-2
14,95 € (D), 15,40 € (A)
Ab 10

Kieran Larwood
Podkin Einohr. Der magische Dolch
Aus dem Englischen von Katharina Orgaß Ravensburger
ISBN 978-3-473-40819-1
14,99 € (D), 15,50 € (A)
Ab 10

Nele: Mitten in die unbeschwerte Kindheit des Kaninchen-Jungen Podkin platzt der Überfall der gefährlichen Gorm. Von ihren Eltern getrennt, kämpfen er und seine Geschwister ums Überleben, meistern Gefahren, gewinnen Verbündete und lernen füreinander einzustehen. Kieran Larwood erzählt eine packende Abenteuergeschichte. Ihren Charme entwickelt sie durch die Rahmenhandlung: während Frostnachten, einem traditionellen Familienfest in der Kaninchen-Welt, erzählt ein reisender Barde aus der Rückschau Podkins Geschichte, geht immer wieder auf Fragen der Kinder ein. Eingestreut, oft als retardierendes Moment, entsteht dadurch ein atmosphärisches Element, das die Kunst des freien Erzählen würdigt und der Spannung einen gemütlichen Gegenpol verleiht.

Anna Woltz
Für immer Alaska
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann Carlsen
ISBN 978-3-551-55378-2
12,00 € (D), 12,40 € (A)
Ab 11

Nele: Alaska, die wunderbarste Hündin der Welt, muss ihren Besitzer wechseln, nur weil Parkers jüngerer Bruder gegen Hunde-Haare allergisch ist. Während Parker trauert, kann Sven der Hündin sein Herz nicht öffnen. Alaska soll ihn begleiten, weil er an Epilepsie leidet und seine Anfälle medikamentös nicht kontrolliert werden können. Sven ist voller Wut - er will einfach nur so sein, wie alle anderen. Parker kann ihm Alaska nicht gönnen und lässt kein gutes Haar an ihm. Dennoch nähern die beiden Siebtklässler sich an. Wunderbar berührend, ermutigend und nah am Leben.

 

SPARTE Bilderbuch
D
ie Nominierungsbegründungen der Jurys finden Sie unter www.jugendliteratur.org

Jörg Mühle
Zwei für mich, einer für dich
Moritz
ISBN 978-3-89565-357-5 12,95 € (D), 13,40 € (A)
Ab 3

Nele:  Direkt aus dem Leben gegriffen. Joerg Mühles Ilustrationen bestechen durch die Kombination von Realitätsnähe und humorvoller Fantasie. Allein durch das Betrachten der Bilder spüren die Kinder, dass zwischen dem Bären und dem Wiesel ein Streit entsteht. Wie schön, dass der Autor selbst keine Lösung anbietet. Das Buch wird zum Gesprächsanlass für alle, die die Herausforderung des Teilens kennen. Für den Vorleser herausfordernd ist, dass nicht durchgängig explizit genannt wird, wer gerade spricht.

Mac Barnett (Text)
Jon Klassen (Ill.)
Der Wolf, die Ente & die Maus
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer NordSüd
ISBN 978-3-314-10440-4
15,00 € (D), 15,50 € (A)
Ab 4

Nele:  Witzig, bestechend absurd und in Wort und Bild sehr gelungen.

Iris Anemone Paul
Polka für Igor
kunstanstifter
ISBN 978-3-942795-70-8 24,00 € (D), 24,70 € (A)
Ab 5

Nele: Sprache soll Kinder herausfordern - gerade herausragende Bilderbücher dürfen seltene, ausgewählte Begriffe verwenden, um den Sprachschatz ihrer Leser zu erweitern. Text sollte aber nicht zur Barriere werden und Zugang verwehren. Gewiss ist es wünschenswert, dass Erwachsene und Kinder gemeinsam lesen, aber Aufzählungen von seltenen Gerichten stellen Hürden dar, die schlicht und ergreifend unnötig sind. 

Dave Eggers (Text)
Tucker Nichols (Ill.)
Wer hat die Brücke angemalt?
Aus dem Englischen von Peter und Sophie Torberg Diogenes
ISBN 978-3-257-01227-9
20,00 € (D), 20,70 € (A)
Ab 6

Nele:  Die Nominierung dieses Sachbuchs in der Rubrik Bilderbuch überrascht. Trotz des gewichtigen Autors und der zweifelsohne sehr ausdrucksstarken Illustrationen fragt sich, inwieweit ein Buch über die Erbauung der Golden Gate Bridge für in Deutschland lebende Kinder von überdurchschnittlichem Wert und daher preiswürdig sein kann.

Joanne Schwartz (Text)
Sydney Smith (Ill.)
Stadt am Meer
Aus dem Englischen von Bernadette Ott Aladin
ISBN 978-3-8489-0144-9 18,00 € (D), 18,50 € (A)
Ab 6

Nele:  „Stadt am Meer“ erschließt sich Kindern im letzten Kindergartenjahr leider nur durch Begleitung eines Erwachsenen. Bergbau ist fern ihrer Lebenswelt, die Gefahr, die mit diesem Wirtschaftszweig einhergeht, nicht Teil ihrer Vorstellungskraft. So wichtig es ist, Armut und Monotonie solcher Berufswelten Kindern zugänglich zu machen, von sich aus würden Kinder nicht nach diesem Buch greifen.

Blexbolex
Unsere Ferien
Jacoby & Stuart
ISBN 978-3-946593-52-2 22,00 € (D), 22,70 € (A)
Ab 8

Nele:  Ohne Worte erzählt „Unsere Ferien“ eine komplexe Geschichte, wechselt zwischen Traum und Realität hin und her und fordert den Betrachter durch Kombinationen von Perspektiven. So tragen Detailansichten zum Verständnis von großen Überblicksbildern bei. Junge Kinder brauchen Nachdenken und Begleitung, um die Handlung zu verfolgen. Die Altersempfehlung ab 8 Jahren erscheint mir trotzdem zu hoch gegriffen. Der hohe Preis des Buchs ist nicht gerechtfertigt. Nach nur wenigem Benutzen hat sich die Bindung gelöst.

SPARTE Sachbuch
D
ie Nominierungsbegründungen der Jurys finden Sie unter www.jugendliteratur.org

Antje Damm
Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur
Moritz
ISBN 978-3-89565-356-8 18,00 € (D), 18,50 € (A)
Ab 5

Nele:  Was wäre die deutsche Kinder- und Jugendliteratur ohne Antje Damms Fragebücher? Bewährt gut und willkommener Einstieg für philosophische Gespräche mit unseren Kindern.

Mike Unwin (Text)
Jenni Desmond (Ill.)
Wanderungen. Die unglaublichen Reisen der TiereAus dem Englischen von Stephanie Menge
Fischer Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5599-5
16,99 € (D), 17,50 € (A)
Ab 5

Nele:  Mike Unwin legt ein sorgfältig recherchiertes Tiersachbuch vor, das die Wanderungen verschiedener Tiere jeweils auf einer Doppelseite in den Mittelpunkt stellt. Obwohl er selbst als Fotograf tätig ist, wurden für die Veröffentlichung realitätsnahe, ästhetisch ansprechende Illustrationen von Jenni Desmond gewählt. Diese verleihen dem Buch eine edle Schlichtheit. Die Struktur und das Layout bleiben eher klassisch.

Heike Faller (Text)
Valerio Vidali (Ill.)
Hundert. Was du im Leben lernen wirst
Kein & Aber
ISBN 978-3-0369-5781-4
20,00 € (D), 20,60 € (A)
Ab 7

Mark:  Wie ehrlich, wie einmalig passend zu jedem Lebensjahr ein Satz dasteht. Woher weiß Heike Faller all das? Und wie verstärkend die Bilder von Valerio Vidali dazu. 
Aus meiner Sicht: Pflichtlektüre! Kein Herz bleibt hier ruhig, kein Auge trocken. 
Der absolut sichere Sieger die Bilderbücher in diesem Jahr: für Erwachsene aber!

Nele:  Ein Jahrhundert Leben in Bildern, wenigen Sätzen. Das Buch lädt zum Blättern ein. Alt und Jung finden sich wieder und knüpfen leicht an. Gerade mit Kindern bietet dieses Buch einen gelungenen Anlass, über Persönliches zu sprechen. „Ja, mein Vater hat auch eine Lesebrille…“ „Ich kann auch schon schwimmen..“ Durch seinen beispielhaften Zugang lohnt auch für Erwachsene die Lektüre. Das Buch löst Assoziationen und Reflexionen über das eigene Leben aus. Sehr empfehlenswert!

Susanna Partsch
Schau mir in die Augen, Dürer! Die Kunst der Alten Meister
C. H. Beck
ISBN 978-3-406-71206-7 28,00 € (D), 28,80 € (A) Ab 12)

Kai: Schau mir in die Augen, Dürer! Ist ein wunderbares, intelligent und gut gemachtes Buch über die Kunst, Ihre Begrifflichkeiten, ihre Geschichte, Ihre Bedeutung und das Verstehen von Kunst. So werden Kunst und Ihre Zusammenhänge klar und unterhaltsam auf dem Punkt gebracht. Eine sehr gute Ergänzung und Erweiterung des Kunstverständnisses zu dem, was man ich der Schule nie in Kunst lernt. Für Jugendliche, die sich für Kunst interessieren ein Muss.

Anja Reumschüssel
Extremismus
Carlsen
ISBN 978-3-551-31734-6 6,99 € (D), 7,20 € (A)
Ab 13

Nora Krug
Heimat. Ein deutsches Familienalbum
Penguin
ISBN 978-3-328-60005-3 28,00 € (D), 28,80 € (A)
Ab 14

Nele:  Welch ein Schatz! Diese sehr persönliche Sicht auf Deutschland aus der Sicht einer Deutschen, die seit vielen Jahren in den USA lebt, ist bestechend. Impressionen aus dem Alltag werden gemischt mit Erinnerungen und der gedanklichen Auseinandersetzungen mit Begrifflichkeiten. Hier wird sehr anschaulich, dass kulturelle Prägung sehr viele Facetten hat.

Kai:  Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich im Buch zurecht und mit dem Wechsel an Schriften, Bildern, Zeichnungen und Fotos – in dem literarisch-grafischen Familienalbum - zurechtgefunden habe, ohne mich in der Geschichte zu verlieren und das Buch womöglich weg zu legen.  Dabei darf man das auf keinen Fall, da es eine sehr persönliche, private Suche nach und in der Familiengeschichte der 1977 in Karlsruhe geborenen Nora Krug erzählt. Es ist wie eine große Kiste, die man auf dem Speicher findet, Sie öffnet und sich in die Zettel, Fotos, Erinnerungen fallen lässt – jedes ein Stück zum Puzzle des Verstehens und dem Warum alles so ist wie es ist.