HEIKOGRU – Warum wir gemeinsam lesen...

Geschichten begleiten uns durch das Leben. Eine frühe Erinnerung ist die Gute Nacht-Geschichte meines Vaters. Prinz Eisenherz war der Protagonist, Abend für Abend erfand er neue Geschichten, wir hingen an seinen Lippen. Manchmal waren die Geschichten so spannend, dass an Einschlafen nicht mehr zu denken war, manchmal vermischten sich auch Geschichten aus seiner Kindheit in den 40er-Jahren mit fiktiven Erzählungen, eine Möglichkeit, mehr von meinem Vater zu erfahren, seine Prägungen, seine Erlebnisse. Über die Geschichten entstand eine Verbindung, von unserem kindlichen Erleben zu seinen Gedanken und Werten. Das damalige Zuhören setzte sich in der eigenen Lust auf Geschichten, im Lesen von Büchern weiter fort, aber mit der Möglichkeit, selbst zu lesen, verschwanden leider auch die abendlichen Geschichtenstunden mit dem Vater und damit auch der Austausch.

Bei meinen eigenen Kindern war das Vorlesen von Anfang an sehr wichtig. Waren es in der frühen Kindheit oft die gleichen Bücher, zum Beispiel das Buch vom Karlchen von Rotraut Susanne Berner, was ein wichtiger Einschlafbegleiter war, so wurden die Bücher mit der Zeit immer dicker und die ganze Familie versammelte sich, um die Geschichte der Penderwicks (von Jeanne Birdsall) mitzuverfolgen. So lasen wir über die Zeit, bis die Kinder selbst zum Buch griffen, häufig gemeinsam, freuten uns an den Protagonisten und erwarteten alle mit Spannung, wie es weiterging. Im Entwi- ckeln des eigenen Lesen-Könnens, entwickelten sich auch die eigenen Vorlieben – somit wurde nicht mehr alles geteilt, nicht über alle Bücher gesprochen. Eine Entwicklung, die das Aufwachsen der Kinder widerspiegelt, sie entdecken die Welt, bilden sich eigene Meinungen, orientieren sich immer weniger an uns Erwachsenen, unterschiedliche Ansichten und Positionen werden verteidigt. Aber immer wieder gibt es Berührungspunkte, lesen die Kinder ein Buch aus unserer Kindheit, erinnern wir uns wieder, fragen nach, bleiben im Gespräch.

In Verbindung bleiben durch das gemeinsame Lesen, das ist uns nun mit unserem Heikogru-Leseprojekt in besonderer Weise gelungen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die nominierten Bücher des Jugendliteraturpreises von der Nominierung in Leipzig bis zur Preisverleihung in Frankfurt zu lesen. Entstanden ist eine wunderbare Erfahrung – wir teilen Geschichten, lachen und weinen an den gleichen Stellen, gelegentlich auch an unterschiedlichen Stellen. Die Geschichten lösen unterschiedliche Resonanzen aus – die Jugendlichen, vielleicht weniger oder gar nicht vertraut mit der Zeit, in der die Geschichte spielt, lesen mit einer Frische, las- sen die Sprache wirken, identifizieren und leiden mit den jugendlichen Protagonisten. Wir Erwachsenen lesen die Bücher mit dem Bewusstsein, gerade eine Geschichte zu tei- len, es schwingt der Gedanke mit, was wohl unsere Kinder bei dieser oder jener Thematik denken, fühlen. Haben sie alles verstanden? Hat sie etwas erschreckt? Erschreckt vielleicht uns etwas, was sie nur mit der Schulter zucken lässt? Kommunikation entsteht, wir teilen etwas und sind plötzlich alle „Mitwisser“. Unsere Unterschiedlichkeit darf sein, wir anerkennen, dass jeder die Geschichte mit den eigenen Augen liest und versteht.

Und schließlich schließt sich der Kreis in meine eigene Kindheit, zu meinem Vater. Unsere Challenge wird erweitert, mein Vater, Großvater meiner Kinder, wird einbezogen. „Der Junge auf dem Berg“ – was er wohl dazu meint? Er liest das Buch in einer Woche, gleich zweimal – Großvater und Enkelin im Dialog über ein zentrales Stück deutscher Geschichte. Großartig – das kann Literatur, wenn man sie gemeinsam liest.

Wenn wir dieses Jahr zur Buchmesse fahren, hat jeder von uns vier Umschläge dabei. In zweien ist unser Tipp, welches Buch wohl gewinnen wird, eines der nominierten von der Kritikerjury, eines von der Jugendbuchclub-Jury. Umschlag drei und vier ist unser wirklich persönlicher Favorit – unabhängig von „Wer hat die besten Chancen auf den Preis“ -Überlegungen. Eine Herz-Bauch-Entschei- dung. Und eins ist klar: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.

HEIDI SCHÄNZLE-GEIGER

Prof. Dr. Jan Standke © Matthias Knoch

Deutscher Jugendliteraturpreis 2020
Die Nominierungen sind so vielseitig wie die Welt,
in der wir leben

Vielfalt ist Trumpf: Von der Antarktis bis zum Mond, vom unbeschwerten Freibadsommer bis zum Identitätskonflikt im Kinderzimmer, von den einfachsten geometrischen Formen bis zum komplizierten Schriftsystem, vom Roman bis zum Gedicht: Die Nominierten für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 führen uns in entlegene Ecken der Welt, zeigen uns aber auch die Welt vor der eigenen Haustür und überraschen mit neuen Blickwinkeln“, so der Vorsitzende der Kritikerjury, Prof. Dr. Jan Standke. Die sechs Favoriten der Jugendjury gehen unter die Haut. Ob bedrohliche Wasserknappheit, fremde Fantasy-Welten, individuelle Flüchtlingsschicksale oder die Auseinandersetzung mit der Todesstrafe – immer geht es um eine Form der Grenzerfahrung. Die Sonderpreisjury würdigt in 2020 die Leistungen deutscher Autorinnen und Autoren. Insgesamt haben es 29 Titel und drei "Neue Talente" auf die Nominierungsliste geschafft. 

 

HEIKOGRU Kritiken
Nach und nach finden Sie hier die Kritiken der HEIKOGRU Lesegruppe zu den einzelnen Büchern.

SPARTE JUGENDBUCH

Elektrische Fische
Susan Kreller (Text)

Carlsen
ISBN: 978-3-551-58404-5
15,00 € (D) , 15,50 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 12 Jahren

Heidi: Susan Kreller erzählt in ruhigem, detaillierten Schreibfluss die Geschichte von Emma, die mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern von Irland in die Heimat der Mutter, nach Mecklenburg-Vorpommern umzieht. Ich tauche ein in die Landschaften Mecklenburgs, sehe die Farben des Sommers und fühle mit der 14jährigen Emma einen Sommerlang Heimweh, Sehnsucht, Freundschaft und auch manche Verzweiflung und Ratlosigkeit. Der herrlich spezielle Levin bereichert die Geschichte und die Auseinandersetzung mit dem Thema einer psychisch kranken Mutter, so scheinbar nebenher, hat mir als Kind einer depressiven Mutter – heute aus der Erwachsenensicht - sehr gut gefallen.

Mark: Bist Du schon einmal umgezogen? Ja? Als Teenager? Ja?  Aus Dublin nach Mecklenburg Vorpommern? Nein?  Ins Haus Deiner und zu Deinen Großeltern? Nein? Wenn auch nur zum Teil, aber dann kannst Du Emma verstehen- so wie sie auch dieser eine Mensch versteht, der so viel weiß über elektrische Fische. Großartige nachfühlbare Momente und Gedanken- deshalb so wertvoll und schwebend zu lesen. Das hilft , die Überkonstruktionen im Blot auszuhalten. 3 von 5 Sternchen!

Emma: Ich sage, gutes Buch, hat mich aber nicht gepackt.Elektrische Fische handelt von einem Mädchen, das mit ihrer Familie nach Deutschland umzieht und erstmal alles was anders ist, bemerkt und einfach zurück will. An sich ein gutes Buch, gut geschrieben, aber mich hat es beim Lesen runtergezogen. Mich hat das Buch sehr gefesselt in dem Moment, als ich es gelesen habe, aber nochmal lesen würde ich es vermutlich nicht. Das Buch hatte irgendwie einen düsteren Touch, der mich gestört hat und ich persönlich, die noch nie umgezogen ist, konnte mich schlecht mit Emmas Gefühlen identifizieren.  

Céline: In dem Jugendbuch „Elektrische Fische“ geht es um Heimat und Familie. Ein sehr berührendes und auch ernstes Buch, das einen an vielen Punkten zum Nachdenken darüber bringt, was für einen selbst Heimat bedeutet und Heimat ausmacht. Die Charaktere sind jeweils für sich sehr komplex und es ist sehr spannend, die individuellen Entwicklungen nachzuvollziehen.

Kai: Die Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat, wo ist sie, wo ist sie geblieben. Nicht noch dort, noch nicht hier. Ein wunderbar geschriebenes Buch über die Verpflanzung des Mädchen Emma, über das herausgerissen werden, das loslassen und das ankommen, in einem Umfeld von Fremde (Großeltern, Nachbarn, Mitschüler und dem Ort Velgow), Widerstand (die kleine Schwester) und einem Gefühl von notwendiger Niederlage (Mutter, die aus- und weit weggezogen ist, in ihrer Ehe scheitert und wieder zurückkommen musste). Durch die aufkommende Freundschaft und erste Liebe zu dem sich verlierenden und „heimatlosen“ Levin gewinnt Sie in der Fremde Nähe und beide Halt und entscheiden sich für das Bleiben. Im Sommer war ich in Mecklenburg am Meer und konnte das Buch und deren Beschreibung über den Ort, die Landschaft, die Küste und Emmas Gefühle nachspüren. Einer meiner Favoriten.

Nele: Susan Kreller ist zweifelsohne eine Poetin. Perle um Perle, Sätze reich an ausdrucksstarken Bildern. Neuanfang und die mit ihm oft zwangsläufig verbundene Sehnsucht nach Altvertrautem sind sicherlich für viele jugendliche Lesende wichtige Themen, an die sie gut anknüpfen können. Von der Handlung hätte ich mir etwas mehr Bewegung gewünscht und etwas weniger Themenflut.

 

Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte
Dita Zipfel (Text),
Rán Flygenring (Illustration)

Hanser
ISBN: 978-3-446-26444-1
15,00 € (D) , 15,50 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 12 Jahren

Marei: Ein wunderbares Buch mit sehr viel Sprachwitz und Phantasie, mit Pubertät und Elternstreß, mit Freischwimmen und neuen Erkenntnissen. Vor allem die Erkenntnisse der Hauptfigur auf der Zugfahrt am Ende haben mich begeistert. Gemüse auch mal anders zu betrachten hat meine Kreativität und meine Phantasie beflügelt. Die Illustrationen sind wunderbar.

Céline: Dieses Jugendbuch war eines meiner absoluten Favoriten unter den Nominierungen dieses Jahr. Dieses Buch erzählt mit so viel Witz und zeigt einem einen ganz neuen Blick auf Realität und das Leben. Als Zusatz hält das Buch Rezeptideen bereit. Das Buch besitzt einen sehr besonderen Charme und es hat mir sehr viel Freude bereitet dieses Buch zu lesen. Ich würde es jedem weiterempfehlen.

Mark: Etwas mehr Geld zu haben, findet Lucie attraktiv. Doch dass Sie dabei einem skurrilen, genialen, ängstlichen und zugleich etwas durchgeknallten Menschen begegnet,  reißt uns mit in die eigene Welt besonderer Koch- und Esszutaten und Lebensstrukturen . Am Ende steht man vergnügt da, etwas ratlos und auf alle Fälle reicher: die Welt ist vielfältiger! Kurzweilig und mit Beat und Humor lesbar für alle über 12! 4 von 5 Sternchen!

Heidi: Ein herrlicher Spaß mit Tiefgang ist dieses Buch. Von Anfang an bin ich gefesselt vom wunderbar humorvollen Erzählstil von Dita Zipel, das gespickt mit allerlei kuriosen Gestalten und einer flotten Geschichte, viel Freude macht. Eine besondere „Coming of Age“ Geschichte über Lucie, ihre skurrile Mutter und deren Liebhaber und Herrn Klinge, der auf seine ganz eigene Art, Lucie die Welt erklärt. Sehr gelungene Illustrationen von Ran Lgygenring bereichern die Geschichte. Mein Lieblingsbuch in diesem Jahr.

Nele: Lucie lebt mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Janni zusammen. Ihre Mutter ist seit Jahren auf der Suche nach einem Lebenspartner. Derzeit geht Michi in der Wohnung ein und aus. Lucie soll ihr Zimmer aufgeben, damit Michi, der ihr unsäglich auf die Nerven geht, ein eigenes Reich hat. Lucie beshließt, der Situation ein Ende zu setzen und so viel Geld zu verdienen, dass sie nach Berlin umziehen kann: zu Bernhardine, der Nr. 1 in der Sammlung verflossener Lieben ihrer Mutter. Um ihr Taschengeld aufzubessern, nimmt Lucie eine Job an und trifft Klinge, einen älteren Herrn, dessen Welt „verrückt“ ist. Lucies Not ist so groß, dass sie hartnäckig an Klinge Seite bleibt. Die Bezahlung ist gut und so stellt sich Lucie dem Wahnsinn mit all’ seinen Facetten. Und dann ist da noch eine Prise erste Liebe. Lucie erlebt am eigenen Leib, dass ihr Herz nicht gleich für den Richtigen schlägt. Ein Buch zum Lieblingsstellen-Sammeln, sprachkreativ und tiefgründig. Aus Lucies Überlegungen zu Themen wie „Liebe to go“ oder „warum haben Erwachsene das Recht, alles zu kommentieren?“ spricht Dita Zipfels Einfühlungsvermögen in die Lebenswelt der Jugendlichen. Es gelingt ihr auf eine poetisch ungewöhnliche Art, Atmosphäre einzufangen. Sei es Friedhofsstimmung oder das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch. Die Illustrationen von Rán Flygenring stehen in so engem Wechselspiel zum Text, dass ich beim Lesen neugierig geworden bin. Ich habe mich gefragt, ob dieser besonderen Harmonie eine herausragende Intensität des Austauschs voranging. Schwarz, weiß und ein leuchtendes Rot, abwechselnd flächig, mit kreideartigem oder feinen schwarzen Strichen fügt sich Bild und Grafik zum Text. Besonders stimmig fand ich, dass die Buchdeckel-Innenseiten so wunderbar illustriert sind.

Mein Verhältnis zu Gemüse hat schon langes etwas Magisches. Vielleicht ist dieses Buch der Beginn einer neuen Dimension, denn eine formschöne Tomate ist zweifelsohne ein Drachenherz.

Keine halben Sachen
Antje Herden (Text)

Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-81248-3
12,95 € (D) , 13,40 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 14 Jahren

Nele: Antje Herden nimmt die Lesenden mit, lässt sie eintauchen in eine Geschichte, die jetzt und hier einfach passieren kann: in der Nachbarschaft, im Familienkreis. „Keine halben Sachen“ ist eine Geschichte des Mitgerissen-Werdens, eine Geschichte von Wagnissen, deren Risiken schwer absehbar sind. Robin rutscht und fällt und die Lesenden denken: „Das hätte mir auch passieren können“. Auch eine schlechte Erfahrung ist eine Wachstumschance. Lesenswert. Nah. Unaufgeregt bewegend. Nicht wertend.

Céline: Dieses Buch widmet sich den Themen Drogen und Sucht. Dafür bietet das Buch eine spannende, und mir bisher unbekannte, Innenperspektive mit detaillierten Schilderungen der Drogenerfahrungen. Besonders ist auch die freundschaftliche Beziehung der Hauptcharaktere, mit einem überraschenden Ende, woraufhin man das Buch eigentlich nochmal lesen müsste.. Auf jeden Fall etwas anderes und ein wichtiges Buch in Bezug auf Drogenkonsum unter Jugendlichen.

Heidi: Hat Antje Herden schon einmal Drogen genommen? In diesem Buch hat man die Möglichkeit, in den Körper, die Seele und den Geist eines Jugendlichen einzutauchen, der verschiedene Drogen konsumiert und mit den Auswirkungen einer drogeninduzierten Psychose, die Welt erlebt. Ohne genau zu wissen, ob es sich wirklich so anfühlt (da ich selbst nie Drogen genommen habe), fesselt die Erzählung und man leidet teilweise sehr spürbar mit, so genau wird dieser Zustand beschrieben. Dass die Mutter, zumindest am Anfang, mehr mit sich selbst und ihrem eigenen Alltag beschäftigt, scheinbar nicht wirklich etwas mitbekommt, macht mich als Mutter von zwei Jugendlichen sehr nachdenklich, teilweise auch wütend. Für Jugendliche finde ich es eine wertvolle Möglichkeit, sich die fatalen Auswirkungen des Drogenkonsums hinein zu fühlen, ohne allzu sehr den moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern über das Mitgefühl mit Robin vielleicht ins Nachdenken zu kommen.

Mark:  Mittelstufen Leo kommt durch besonderen Freund und falsche Freunde an Substanzen, Stoffe, Einsichten und Ansichten, Ausreden und Eingeständnisse. Super recherchiert, einfühlsam wertfrei beschreibend geschrieben, echt und schmerzhaft real darin, wie Leo die Augen verschießt, wie lange auch seine Mutter. Wer dieses Buch liest : in einem Rutsch, fesselnd. Und am Ende... 4,5 von 5 Punkten- ein Muss unter den Nominierungen von 2020!

Marei: Robin ist 15, in der Pubertät und gerät aus Langeweile in die Drogenwelt, bis er total abstürzt. Ohne moralischen Zeigefinger wird seine Geschichte erzählt und damit die Wirkung von Drogen, Sucht, LSD und daraus resultierende Schizophrenie. Mir hat die klare kurze Sprache gefallen, schnörkellos und schonungslos, ohne unbarmherzig zu sein.

Kai: Von der ersten Zeile bis zum Schluss packend, auch wenn ich mir mein Ende anders ausgesucht hätte – und bei mir erst einmal ein großes „Hä“ im Raum stand. Es beschreibt einen Weg von jungen Menschen, vor dem wir Eltern Angst haben und alles versuchen zu tun, dass dieser Weg nicht eingeschlagen wird. Es ist ein Weckruf einmal mehr hinzuschauen und -hören, den Dialog mit den eigenen Kindern nie abreißen zu lassen, unsere Kinder empathisch zu begleiten, sie in ihrer eigenen Meinung und Sichtweise zu unterstützen, zu stärken und das Gespräch über Drogen, den um die Ecke wartenden Verführungen, die Grenzen, das dünnen Seil zwischen „es mal zu versuchen“ und Sucht suchen. Verdient nominiert.

Long way down
Jason Reynolds (Text),
Petra Bös (Übersetzung)

dtv Reihe Hanser
ISBN: 978-3-423-65031-1
14,95 € (D) , 15,40 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 14 Jahren

Emma: Krasse Story so noch nie gelesen aber zu kurz.
Will ist auf dem Weg, den Mörder seines Bruders umzubringen und auf dem Weg mit dem Aufzug runter begegnet er vielen Menschen, die das gleiche Schicksal wie er und sein Bruder hatten. Es geht um Rache und die Frage, wann schließt sich der Kreislauf endlich. Ein fantastisches Buch, es geht einem sehr Nahe, man überlegt, was würde ich tun?  Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist die Länge des Buches, was wieder in Versen geschrieben ist - schlichtweg zu kurz, ich will noch mehr von diesem Buch. 

Nele: Rache. Gewalt fragt nach Gegengewalt. Lässt sich dieser teuflische Kreislauf durchbrechen?
In „Long Way Down“ durchlebt die Hauptperson Will eine Aufzugfahrt, die nur wenige Minuten dauert und von innerem Ringen durchdrungen ist. Will brennt darauf, das Erdgeschoss zu erreichen, doch der Aufzug hält in jedem Stockwerk. Gnadenlos. Bei jedem Halt stellt sich neu die Frage, ob Rache ein gangbarer Weg ist. Berührend, hautnah, aufwühlend und sehr packend geschrieben. Ich lese - wenn irgend möglich - gerne englische Werke im Original. So auch Jason Reynolds „Long Way Down“, das der Autor in Form eines Langgedichts verfasst hat. Dieses Genre besticht durch seine poetische Form. Reynolds geht dabei einen sehr gradlinigen und schlichten Weg, der einzelnen Worten und Sätzen Tragweite verleiht. Ob sich diese puristische Sprachschönheit ins Deutsche übertragen lässt? Fast bin ich versucht, auch die deutsche Übersetzung zu lesen. Wer sich der im Kinder- und Jugendbuchbereich immer noch raren literarischen Form des Langgedichts öffnet, erlebt ein überraschend luftiges Layout. Der Text kommt in Portionen, die wohl auch Leser ansprechen, die sich nicht den Herausforderungen von dicken Schmökern stellen.  Schade, dass sich der deutsche Verlag gegen die Übernahme der Illustrationen von Chris Priestley entschlossen hat. Für mich haben die verstreuten Bilder im Buch die Geschichte stimmig ergänzt und abgerundet.

Céline: „Long Way Down“ ist auf jeden Fall ein wichtiges Buch, das auch schon durch seine Gestaltung besonders auffällt. Das Buch liest sich zwar schnell, enthält aber dabei eine sehr wichtige Geschichte, die einem zum Nachdenken anregt und Wichtiges anspricht. Ein ernstes Buch, das einen mit vielen Gedanken zurück lässt. Auf jeden Fall auch eine Empfehlung!

Bus 57
Dashka Slater (Text),
Ann Lecker (Übersetzung)

Loewe
ISBN: 978-3-7432-0363-1
18,95 € (D) , 19,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 14 Jahren

Marei: Die Begegnung im Bus der Linie 57 zwischen Richard und Sascha, die nur 8 Minuten dauert, aber nach der Sascha im Krankenhaus und Richard im Gefängnis landet, basiert auf einer wahren Begebenheit. Mir gefällt die dokumentarische Erzählweise sehr gut, auch wenn es stellenweise trocken zu lesen ist. Aber so bleibt mir beim Lesen bewusst, dass das echt passiert ist und leider immer wieder passiert. Jemand fällt besonders auf (Sascha ist agender, trägt Anzug und Rock zugleich) und Richard lässt sich gedankenlosdarauf ein, Sascha den Rock anzuzünden… Wie gut, dass die Autorin den Prozess beobachtet hat und uns die Geschichte, die Hintergründe und Zusammenhänge erklärt.

Heidi: Ein dokumentarisch geschriebenes Buch, beruhend auf einer wahren Geschichte, geschrieben wie ein Fallbericht oder Gerichtsbericht. Durch diese Erzählweise bekommt der Leser eine gewisse Distanz, die aber immer wieder durch die vielen Details, Perspektiven aufgehoben wird, denn man beginnt sich intensiv mit den Charakteren auseinanderzusetzen. Ganz nebenbei klärt es auch über verschiedene Formen der Geschlechtsidentität, Geschlechtsrollen und den Einfluss der Sprache. Mir ist es schwergefallen, die geschlechtsneutrale Schreibweise zu lesen, aber der Effekt war klar auch da, überhaupt einmal darüber nachzudenken, was Sprache mit uns macht. Ein Buch über Vorurteile und Gerechtigkeit, über Recht und Unrecht, auf jeden Fall lesenswert.

Emma: Gutes Thema, in dieser Art habe ich noch nie über so etwas gelesen oder nachgedacht, teilweise gleicht es aber eher einem Sachbuch als einem Roman.
In dem Buch Bus 75 wird der Fall von Sasha, der sich selbst als Non-Binary (keinem Geschlecht zugeordnet) identifiziert und Richard, der dunkelhäutige Junge, der aus dem Getto kommt und eines Tages Sashas Rock im Bus 75 anzündet. Das Buch hat mir deswegen so gut gefallen, weil es beide Seiten ohne eigene Meinung darlegt, am Anfang des Buches, was in Sashas Perspektive spielt, war ich total überzeugt, dasd Richard gerecht bestraft wurde, desto weiter ich aber gelesen habe war ich mir nicht mehr ganz sicher und am Ende konnte ich mich für keine Seite entscheiden. Das Buch ist eine wahre Geschichte und für das hat Dashka Slater sich sehr gut informiert, denn man hat das Gefühl, die beiden zu kennen. Trotzdem muss ich mir aber auch selber widersprechen, denn teilweise hätte ich mir ein paar Lieblichkeiten gewünscht, wie sie in den typischen Romanen zu finden sind. Trotzdem ein sehr sehr gutes Buch, was ich definitiv auch als Schul - Lektüre empfehlen würde, weil es viel Stoff zum Nachdenken gibt.

Céline: „Bus 57“ ist mein absoluter Favorit unter den diesjährigen Nominierungen. Ein unglaublich wichtiges und interessantes Buch, vor allem da es auf tatsächlichen Gegebenheiten beruht. Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen es zu lesen, da es sich mit zwei wichtigen und aktuellen Themen beschäftigt. Dabei werden die realen Schwierigkeiten aufgezeigt, mit denen sich Minderheiten in Amerika konfrontiert sehen und wie sehr diese auch strukturell wirksam werden. In detaillierter Arbeit hat die Autorin den Verlauf der Geschehnisse aufgearbeitet und dargelegt. Unglaublich interessant, spannend, traurig, erschreckend, ergreifend und informierend gleichzeitig. Dieses Buch sollte jeder gelesen haben!

Kein Teil der Welt
Stefanie de Velasco (Text)

Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-05043-1
22,00 € (D) , 22,70 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Jugendbuch
Ab 16 Jahren

Céline: „Kein Teil der Welt“ hat mich auf seine ganz eigene Art beschäftigt. Dieses Buch thematisiert das Leben der Zeugen Jehovas nach der Wende. Dabei lernt man eine ganz andere Art des Lebens kennen und erfährt aus der Perspektive eines jungen Mädchens die Innensicht auf das Leben in einer solchen Gemeinschaft. Durch die parallele Erzählung zweier Zeitstränge wird die Geschichte sehr spannend und interessant. Die Diskrepanz zwischen der Welt der Protagonistin und der eigenen wird einem dabei sehr bewusst. Ich finde es jedoch sehr wichtig sich auch mit diesem anderen Lebensentwurf auseinanderzusetzen.

Nele: Esther wird in die Glaubensgemeinschaft der Jehovas Zeugen hineingeboren. Sie ist Teil einer Welt voller Regeln, mit wenig Spielraum für eigene Ideen. Diese Gemeinschaft gibt Halt, insbesondere auch in Notzeiten. So findet zum Beispiel Lidia, die Mutter von Esthers bester Freundin Sulamith dort nach ihrer Flucht nach Deutschland Halt und auch für Cola, ein verwahrlostes Mädchen aus der Nachbarschaft,  eröffnet sich durch die Aufnahme in die Gemeinschaft die Perspektive auf ein besseres Leben. Sulamith jedoch schert aus. Sie denkt freier, äußert Zweifel, widersetzt sich der von den Erwachsenen vorgegebenen Missionsverpflichtungen, verliebt sich in Daniel - in einen, der nicht dazugehört. Die Gemeinschaft reagiert mit Strenge, Sulamiths Ausschluss geht - so Esthers Vater, der die Glaubensgemeinschaft leitet - mit Verlust des ewigen Lebens einher. Dieser Ausschluss rüttelt Esther auf, alles spitzt sich zu und Sulamith kommt unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Auch Esther will „raus“. Aber wohin? Und wie? „Kein Teil der Welt“ macht deutlich, dass ein eigenverantwortlicher Beschluss zwar innere Freiheit mit sich bringt, aber keine alltagstaugliche Lebensperspektive für eine Jugendliche.

Der Roman wird aus mehreren Perspektiven erzählt: Esthers Ich-Perspektive im Jetzt und ihre Rückschau auf die Ereignisse, die zu Sulamiths Tod führen, werden ergänzt durch Eintragungen, die Sulamith in den intimen Heften gemacht hatte, die die beiden Freundinnen ausgetauscht hatten. Der innere Spannungsbogen des Romans wird durch die vielen Fragezeichen rund um Sulamiths Tod aufgebaut. Für mich unklar blieben die hier und da eingestreuten Erzählungen über die Situation auf Kara Gyson - sie stehen für mich in keinem erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang zur Handlung und tragen nichts zum Verständnis der Ereignisse bei.

„Kein Teil der Welt“ greift das wichtige Thema religiöser Enge auf und dies mitten in Deutschland: authentisch, autobiographisch, sprachlich stark. Sehr verdiente Nominierung.

Mark: Die enge Welt der Religionsgemeinschaft der Zeugen Johovas - hier ist diese Geschichte angesiedelt. Soziale Kontrolle, Doppelstandards, Geheimnisse und der Tod ihrer engsten Freundin - dies und mehr stellt die Welt der Jugendlichen Erzählerin in Frage - und sie reagiert - leider so spät im Buch, dass ich es schon 3x bis dahin zur Seite legen musste und auch nicht fertig gelesen bekommen habe. Wie sagt man so schön: Wichtiger Beitrag, sollte in keiner atheistischen Bibliothek fehlen! 2 von 5  Pünktchen- gute Fleißarbeit!

SPARTE JUGENDJURY

Die Spiegelreisende
Die Verlobten des Winters
Christelle Dabos (Text),
Amelie Thoma (Übersetzung)

Insel
ISBN: 978-3-458-17792-0
18,00 € (D) , 18,50 € (A)
Originalsprache: Französisch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 12 Jahren

Emma: Für mich als absoluter Harry Potter Fan war „Die Verlobten des Winters“ ein absoluter Traum. Christelle Dabos beschreibt die Welt in ihrem Buch so schön genau, dass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen will. Mich hat ihre Geschichte total gepackt und ich habe das Buch mit über 400 Seiten an zwei Tagen durchgelesen. Ich fand das Buch deswegen so toll, weil es erstens einmal eine weibliche Hauptperson, die -Achtung Spoiler- sich nicht gleich in ihren späteren Verlobten verliebt, sondern unabhängig und einfach normal ist, aber auch weil das Buch einen so aufnimmt und man gleich auch eine Spiegelreisende werden will. Auf jeden Fall ein Buch, das ich jedem, der mal in eine neue Welt reisen will, empfehle.

Berit: Christelle Dabos erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Ophelia, die in einer Fantasiewelt spielt, in der es verschiedene Archen gibt. Ophelia lebt auf der Arche Anima. Sie versteckt sich gerne hinter ihrer Brille und einem großen Schal, obwohl sie doch so besondere Talente hat. Sie kann Gestände lesen und durch Spiegel reisen. Als sie eines Tages erfährt, dass sie verheiratet werden muss, wird ihr auch gesagt, dass ihr zukünftiger Ehemann von einer anderen Arche kommt. Thorn kommt von der Arche Pol. Er reist nach Anima, um seine zukünftige Ehefrau kennen zu lernen. Als er schnell wieder zurück nach Hause muss, verabschiedet sich Ophelia schweren Herzens von Anima und ihrer Familie, denn Ophelia hat ein Jahr Zeit ihren Verlobten besser kennen zu lernen. Ihre Patentante reist mit ihr nach Pol. Als die Beiden in Pol ankommen, merkt Ophelia, dass es eindeutig viel kälter ist als zu Hause. Sie lernt die Tante von Thorn kennen. Die Leute auf Pol sehen anders aus als auf Anima. Sie haben überall Tatoos am Körper.

Eines Tages lernt Ophelia die Halbschwester von Thorn kennen, die alles dransetzen möchte, dass es nicht zur Hochzeit zwischen Ophelia und Thorn kommt . Sie verletzt Ophelia im Gesicht mit ihren Krallen.

Ich fand das Buch gut und spannend geschrieben. Es hat mir viel Spaß gemacht, Christelle Dabos Geschichte von Ophelia und Thorn zu lesen. Ich muss sagen, ich habe davor kaum Bücher gelesen, die in erdachten Welten spielen. Bisher hat mir keine Fantasygeschichte so gut gefallen wie diese. Ich als angehende Buchhänderin finde, dass der Insel Verlag eine gute Entscheidung mit der Veröffentlichung als Hardcover getroffen hat. Auch die Tatsache, dass das Buch ein Lesebändchen hat, hat mir gefallen. Das Kapitelinhaltsverzeichnis hat mir durchweg eine Orientierung gegeben, wo ich gerade im Buch war. Ich als angehende Buchhändlerin fand es entspannend, mal für ein paar Stunden in dieses Buch abzutauchen und mich nur auf die Geschichte von Ophelia und Thorn zu konzentrieren. Ich habe meinen buchhändlerischen Alltag einfach kurz angehalten, weil ich so viel Spaß an dem Buch hatte. Ich habe mich auch gefreut, dass am Ende Werbung für die folgende Bände gemacht wurde. Ich habe mir sofort den nächsten Band bestellt.

Céline: Dieses Werk ist der erste Teil der Spiegelreisenden-Saga und im Anschluss daran musste ich die ganze Reihe lesen. Die Geschichte ist sehr fantastisch und spannend und wird mit einer tollen Sprache erzählt. Die ausgedachte Welt und die Familien mit ihren Kräften sind so liebevoll überlegt und konzipiert, dass es sehr viel Spaß macht diese Geschichte zu lesen. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert und konnte die Bücher nicht aus der Hand legen bis ich alle vier Bände gelesen hatte, so sehr haben die Bücher und die Geschichten mich in ihren Bann gezogen. Jeder der gerne im Genre Fantasy liest, sollte dieses Buch unbedingt lesen. In der Reihe nimmt der erste Band auf jeden Fall eine besondere Stellung ein und ist mein Lieblingsbuch. Lange hat mich kein Buch so gefesselt wie dieses.

Marei: Obwohl ich gar kein Fan von Fantasy-Geschichten bin, habe ich die Geschichte der Spiegelreisenden Ophelia gerne gelesen. Sie lebt auf der Arche Anima. Die Menschen hier haben die Gabe mit den Fingern zu lesen. Sie erkennen, was die Personen gefühlt haben, die vorher den Gegenstand in der Hand hatten, den sie nun „betrachten“. Ophelia kann außerdem durch den Spiegel reisen. Das geht nur, wenn man sich ganz und gar erkennen mag. Sie wurde verlobt mit Thorn und muss dazu auf seine Arche ziehen, eine sehr unwirtliche Gegend. Sie erlebt dort allerlei seltsame Abenteuer. Spannende Geschichte – jetzt muss ich alle vier Bände lesen…

Nele: Was für eine Heldin! Ophelia ist tollpatschig, spricht immer zu leise und ist überhaupt zu klein für kraftvolle Abenteuer. Ophelia hat alle Eigenschaften einer typischen Antiheldin. Doch sie steht ihre Frau. Auf der von Frauen regierten Arche Anima aufgewachsen, lässt sie sich nicht so schnell von körperlicher Kraft und Hinterlist einschüchtern. Ihre besonderen Gaben hat Ophelia in ihrer Jugend mit unermüdlicher Willenskraft und Training selbst entwickelt. Sie kann durch Spiegel reisen und so ihren Kopf retten, wenn die Machenschaften ihrer Feinde zu bedrohlich werden.  Außerdem kann sie durch ihre Hände in die Geschichte von Gegenständen eintauchen und deren Geheimnisse lüften. Diese Gabe wollen sich Andere zu nutzen machen. Christelle Dabos gelingt es, eine Welt entstehen zu lassen, die Fantasie anregt, und gleichzeitig den Leser in eine packende Geschichte zu entführen. Wohltuend kreative Variante im Kreise der Superhelden-Stories.

Junge ohne Namen
Steve Tasane (Text),
Henning Ahrens (Übersetzung)

Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5643-5
16,00 € (D) , 16,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 12 Jahren

Emma: Ich hatte Tränen in den Augen.
Kinder ohne Namen, ohne Geschichte, ganz alleine im Flüchtlingsheim, mehr brauch ich glaube ich nicht zu sagen, um die schwere und Traurigkeit zu erläutern, die in dem Buch vorkommt. Es ist echt richtig gut und dass das Buch in Perspektive einen Kindes geschrieben ist, macht das ganze nochmal schrecklicher. Für mich eine  Glanzleistung.

Céline: Junge ohne Namen“ ist vor allem vor der aktuellen Situation ein wichtiges Buch. Er erzählt aus der Perspektive eines geflüchteten Minderjährigen ohne Begleitung in einem Flüchtlingslager. Das Buch ist schnell zu lesen und dabei sehr anschaulich. Das Buch und dessen Ende bringen einen sehr zum Nachdenken.

Kai: Ein sehr wichtiges Buch, in das ich erst reinkommen musste, das mich am Schluss aber emotional umarmt hat, mir das ganze Ausmaß der katastrophalen Verhältnisse in den Flüchtlingslagern, die Situation der unbegleiteten Kinder offenlegte, in jeder Zeile steckte. Wer hat Kind O gesehen, steht symbolisch für viele, viele Fragen und Schicksale, die jüngst beim Brand in Moria wieder so schmerzhaft deutlich wurden. Die unverbindliche, nicht alle Mitgliedsländer einschließende Flüchtlingspolitik der EU tut ihr übriges dazu. Lösungen, im Kleinen Großes bewirken - Fehlanzeige. Dabei zeigt uns der Junge ICH in Steve Tasanes Buch „Junge ohne Namen“ so viele kleine, schlaue und herzzerreisende Wege fürs Überleben. Aber es betrifft ja nicht uns, es ist weit weg. NEIN. Ein Buch, das jedem Politiker auf den Nachttisch gelegt gehört.

Heidi: In der Erzählperspektive eines Kindes in einem Flüchtlingslager erfahren wir über den Alltag in einem Lager und man kann sich den entstehenden Bildern von Anfang an nicht entziehen. Ich ertappe mich, dass ich mich ständig frage „ist das da wirklich so schlimm“, ein Versuch, das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen, um dann klar zu wissen „ja, es ist so“. Traurig, schockierend und doch voller Liebe und Würde begleitet Steve Tasane die Kinder und wir hoffen am Ende einfach alle, dass sie es schaffen werden.

Nele: Ohne dass Steve Tansane dem Lager, in dem der Junge ohne Namen auf seiner Flucht strandet, einen Namen gibt, musste ich beim Lesen an aktuellen Zustände auf Lesbos denken. Im Buch kommen die Bulldozer und vernichten die spärliche Lebensgrundlage, die Menschen dort noch haben, in der Echtzeit wütet ein Feuer. Bei aller Betroffenheit hat mich das Buch vor allem dadurch berührt, dass die Resilienzkräfte, die Kinder so oft in widrigen Lebenslagen mobilisieren, in eine poetische Form gegossen wurden. Im englischen Original vielleicht noch etwas bestechender als in der deutschen Übersetzung. Die ästhetisch ungewöhnliche, aus meiner Sicht sehr ansprechende Gestaltung des Buches wird vermutlich hauptsächlich erwachsene Herzen erobern. Wichtiges Buch! Tolle Nominierung!

 

Über die Berge und über das Meer
Dirk Reinhardt (Text)

Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5676-5
14,95 € (D) , 15,40 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 13 Jahren

Emma: Das beste Buch über Flucht, das ich bis jetzt gelesen habe.
Soraya und Tarek, beide flüchten sie aus Afghanistan nach Deutschland, beide eine andere Geschichte, beide das gleiche Schicksal. Dirk Reinhard beschreibt die Flucht sehr genau und sehr glaubwürdig man fühlt sehr mit den beiden mit. Ein sehr gutes Buch, das sich lohnt zu lesen.

Nele: Die Fluchtgeschichten von Soraya und Tarek sind abenteuerlich, ihr Mut und ihre Beständigkeit bewundernswert. Dirk Reinhard erzählt spannungsreich und packend und ermöglicht Jugendlichen wichtige Inneneinsichten in heutige Fluchtschicksale Gleichaltriger. Zugänglich geschrieben, was auf viele Lesende hoffen lässt.

Céline: Junge ohne Namen“ ist vor allem vor der aktuellen Situation ein wichtiges Buch. Er erzählt aus der Perspektive eines geflüchteten Minderjährigen ohne Begleitung in einem Flüchtlingslager. Das Buch ist schnell zu lesen und dabei sehr anschaulich. Das Buch und dessen Ende bringen einen sehr zum Nachdenken.

Wer ist Edward Moon?
Sarah Crossan (Text),
Cordula Setsman (Übersetzung)

Mixtvision
ISBN: 978-3-95854-140-5
17,00 € (D) , 17,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 14 Jahren

Nele: Sarah Crosson hat mit diesem Buch ein sperriges Thema gewählt: unbequem ist diese Wahrheit. Jugendliche Straftäter, die für Jahre in Gefängnissen verschwinden und dies auf der Grundlage eines Geständnisses, das als einziger Ausweg aus purer Erschöpfung nach langen Verhören gesehen wurde. Ein Erschöpfungsmoment, der der Beginn einer Einbahnstraße ist, die auf dem elektrischen Stuhl endet. Dieses Mal kein schwarzer Straftäter: ein weißer Jugendlicher, der in den USA in einem sozioökonomischen Setting aufwächst, das die Übernahme der Kosten für einen guten Anwalt nicht ermöglicht. Ein Jugendlicher, der als Familienmitglied, als Bruder, als Sohn verloren geht. Nicht der Täter selbst sondern seine Angehörigen stehen hier im Fokus. Sarah Crossan wählt das Langgedicht als Form und setzt so auf Schlichtheit und Begrenzung um zu berühren. Sehr verdiente Nominierung.

Emma: Gutes Buch, aber das Ende habe ich schon wieder vergessen.
Die Story ist echt gut. Ich persönlich hätte es aber nicht in der Gedichtform, wenn man das so nennt, geschrieben. So liest man es einfach viel zu schnell und viel der Geschichte, die eigentlich so wichtig ist, geht verloren. Trotzdem gebe ich dem Buch 5 Sterne, weil es viel über das gesamte System auch in Deutschland zum Nachdenken gibt und es einfach ein Thema ist über das auch geschrieben werden muss.

Céline: Dieses Jugendbuch hat mich sehr berührt. Es erzählt die Geschichte aus der Perspektive eines Jungen, dessen Bruder zur Todesstrafe verurteilt wurde. Das Buch hat mich emotional sehr mitgerissen und aufgezeigt, wie wichtig es ist sich mit dem System der Todesstrafe in Amerika zu beschäftigen. Die Geschichte wird außerordentlich emotional erzählt und hat auch mich im Verlauf durchaus zum Weinen gebracht. Auch dieses Buch würde ich weiter empfehlen!

Dry
Jarrod Shusterman (Text),
Neal Shusterman (Text),
Kristian Lutze (Übersetzung),
Pauline Kurbasik (Übersetzung)

Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5638-1
15,00 € (D) , 15,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 14 Jahren

Emma: Spannend, traurig, Brutal, Liebe  - dieses Buch hat alles.
Ich will mich nicht festlegen aber eines meiner Favoriten für den Jugendliteratur Preis. Dry hat einfach alles, was ein gutes Buch braucht. Ich persönlich bin ein großer Fan von Büchern, die aus mehreren Perspektiven erzählt werden und da hat Dry genau ins Schwarze getroffen. Einen sehr schönen Part des Buches finde ich die Einwürfe von verschiedenen Menschen und wie es diesen mit der Situation geht. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich will Dry nicht auf Grund der aktuellen Lage nicht besser zusprechen, trotzdem bemerkt man natürlich Teile des Buches, wie zum Beispiel eine Szene, in der das Wasser im Supermarkt ausverkauft ist,  die mich an den Klopapier Wahn in Corona Zeiten erinnern. Abschließend kann ich nur sagen, Dry werde ich noch sehr oft lesen.

Céline: „Dry“ ist besonders spannend und besonders momentan vor dem Hintergrund der weltweiten Pandemie von außerordentlicher Aktivität. Es zeigt die verschiedenen Facetten des Umgangs von Menschen mit Krisen und zeichnet dabei das Handeln der Menschen aus einer sehr düsteren Perspektive, die jedoch sehr spannend nachzuvollziehen ist. Das Buch musste ich in einem lesen und es blieb bis zum Ende spannend.

Nele: Als ich im Herbst 2019 „Dry“ gelesen habe, hat mir beim Lesen dieser doch so denkbaren Dystopie der Atem gestockt. Wie muss es Lesern im Frühjahr 2020 gehen, mitten während der Corona Pandemie, in der völlig unerwartet in deutschen Supermärkten die Regale leer gekauft werden? Bei Mehl und Toilettenpapier lässt sich leicht ausweichen, aber ein Mangel an Wasser zu kompensieren, ist herausfordernd. Wie würde ich selbst reagieren, wenn das überlebenswichtige Gut „Wasser“ plötzlich umkämpft wäre? Könnte ich mir selbst meine Menschlichkeit bewahren und Solidarität leben? Es fällt schwer, beherzt „Ja!“ zu sagen. „Dry“ geht unter die Haut. Aufrüttelnd. Bedrohlich. Hoffentlich dystopisch.

Heidi: Puuh – harte Kost. Ein Umwelt Thriller und Road Movie der besonderen Art. In verschiedenen Erzählperspektiven geschrieben bekommen wir Einblick in ein paar Tage der verzweifelten Suche nach Eltern und, und das vor allem, nach Wasser. Dem Autor gelingt es großartig, das Gefühl der Wasserknappheit zu vermitteln, die steigende Spannung und Anspannung unter dem unfreiwillig zusammengewürfelten Team und die Rivalität, wenn es ums nackte Überleben geht. Mir selbst fast ein wenig zu blutig und mit Gewalt gespickt, auch wenn dies ziemlich sicher der Realität entsprechen würde. Das Ende fällt mir ein wenig zu knapp aus, man braucht am Ende eine Zeit, um die Bilder wieder loszuwerden.

Marei: Nach langer Trockenheit kommt nun auch kein Wasser mehr durch die Leitungen, kein Klo, keine Dusche, kein Händewaschen… Kein Wasser mehr im Supermarkt. Menschen werden zu Tieren. Ein spannendes Buch, in Corona-Zeiten bedrückend und fast nicht zu ertragen…

Bus 57
Dashka Slater (Text),
Ann Lecker (Übersetzung)

Loewe
ISBN: 978-3-7432-0363-1
18,95 € (D) , 19,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Preis der Jugendjury
Ab 14 Jahren

siehe oben

KATEGORIE SACHBUCH

Mit Kindern durchs Museum. Farben
Eva Martens (Redakteur)

Carlsen
ISBN: 978-3-551-17014-9
9,99 € (D) , 10,30 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 2 Jahren

 

Darwins Entstehung der Arten
Sabina Radeva (Text),
Sabina Radeva (Illustration),
Stefanie Ochel (Übersetzung)

Hanser
ISBN: 978-3-446-26231-7
16,00 € (D) , 16,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 6 Jahren

Kai: Ein wunderbares Sachbuch, das ich gerne als Kind gehabt hätte. Toll gemalt, einfach verständlich geschrieben und ein Füllhorn an Informationen über die Entstehung der Arten. Charles Darwin wäre heut zweifelsohne ein Superstar. Mit Entstehung der Arten verfasste Darwin 1859 nach 20 Jahren unermüdlicher Forschung ein wegweisendes Buch, das bis heute Grundlage der Forschung ist. Mit Sabina Radewas „Darwins Entstehung der Arten“ findet es eine „Neuauflage“, wo von der Frage „Wer erforscht hier wen“, der Mensch den Affe oder der Affe den Mensch, über die Vollkommenheit und das Unvollständige, die Schwierigkeiten mit Theorien bis hin zum Aufräumen von Missverständnissen einem vieles anschaulich klarer wird. Die Bibel für angehende kleine Forscher, die vielleicht in eine paar Jahren als Wissenschaftler für Furore sorgen. Genial!

A wie Antarktis
Ansichten vom anderen Ende der Welt
David Böhm (Text),
David Böhm (Illustration),
Lena Dorn (Übersetzung)

Karl Rauch
ISBN: 978-3-7920-0371-8
22,00 € (D) , 22,70 € (A)
Originalsprache: Tschechisch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 8 Jahren

Kai: Ein wichtiges Buch, ein Thema, das jeden Tag noch ein Stück aktueller wird, wo dieser wunderbare antarktischer Kontinent, dem Menschen gemachten Klimawandel ungebremst und ungeschützt ausgesetzt ist. Gerade ist wieder ein ist ein riesiges Stück Eis in der Nähe der grönländischen Stadt Tasiilaq an der Nordostküste Grönlands abgebrochen. Leider hat mich die Umsetzung enttäuscht. Das Buch ist mir zu unruhig, zu viele wechselnde Stilelemente, die handgeschriebenen Texte zum Teil zu klein, in der Farbgestaltung der Seiten untergehend, und mir fehlt ein erkennbarer roter Faden. Ob es sein Ziel und die Zielgruppe der ab 8jährigen erreicht bleibt für mich offen. Ich liebe Grafik und Gestaltung, aber man kann es auch verhauen.

Die Natur
Entdecke die Wildnis vor deiner Haustür
Inês Teixeira do Rosário (Text),
Maria Ana Peixe Dias (Text),
Bernardo P. Carvalho (Illustration),
Claudia Stein (Übersetzung)

Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-81214-8
22,95 € (D) , 23,60 € (A)
Originalsprache: Portugiesisch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 8 Jahren

Kai: Mein Favorit. Ein toll gemachtes Buch, wo aus meiner Sicht alles stimmt. Bilder, Schrift, Grafik, Übersichtlichkeit, ein roter Faden und eine leicht verständlichen Texte, die viele Fragen zur Natur vor unserer Haustüre umfassen beantworten, die mir als Kind verschlossen blieben, und die ich mir jetzt, dank dieses Buchs schließen werde. Ein Buch für die ganze Familie, wo man immer wieder gerne Entdeckungen der Spaziergänge nachschlagen kann, man sich über Gesehenes vergewissern und weiterdenken kann. Sehr preiswürdig.

Es steht geschrieben
Von der Keilschrift zum Emoji
Vitali Konstantinov (Text),
Vitali Konstantinov (Illustration)

Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5943-8
25,00 € (D) , 25,70 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 10 Jahren

Kai: Buchstaben, Schrift, Gestaltung sind als Zeitungsmacher meine große Leidenschaft. Um so mehr war ich gespannt, habe ich mich auf das Buch gefreut und wurde enttäuscht. Wahrscheinlich ist es meine Sicht eines Erwachsenen, der durch ein „Kind“ der HfG Ulm zu gradlinig, strukturiert und klar geprägt ist, und meine Phantasie für diese Buchgestaltung nicht ausreicht. Es ist ein fürchterliches Durcheinander auf den Seiten, wodurch die beeindruckende Vielfalt an Schriften, die Zugehörigkeit und Verbindung zueinander unübersichtlich wird. Die Erläuterungen handgeschrieben und in kurzen Comics ist sicher wohl überlegt, meinem Sohn gefällt es (für ihn ist es ja auch gemacht), aber für mich unglücklich gelöst. Dabei ist die Idee und das Ansinnen die verschiedenen Sprachen durch Laute, deren Phonetik und deren völkerverschiedenen Aussprache zu erklären, wie die Entstehung des Schreibens von ersten figurativen Zeichnungen, kleinen Skulpturen und Ritzmuster in Steinen und Knochen, über Sand und Höhlenmalereien über die Entstehung der Alphabete bis zu den verschiedene Kunstformen fantastisch. Vermisst habe ich die Schrift der Emojis, die im Buchuntertitel suggeriert werden, die die Sprache der Schrift von heute ist. Kann man anders machen.

Wie das klingt!
Neue Töne aus aller Welt
Michał Libera (Text),
Michał Mendyk (Text),
Aleksandra Mizielińska (Illustration),
Daniel Mizieliński (Illustration),
Thomas Weiler (Übersetzung)

Moritz
ISBN: 978-3-89565-384-1
25,00 € (D) , 25,70 € (A)
Originalsprache: Polnisch
Nominierung 2020, Kategorie: Sachbuch
Ab 12 Jahren

Kai: Habe ich mich schon oft gefragt. Wie schräg, wie toll, wie außergewöhnlich, wie harmonisch, wie einzigartig, speziell, wie der oder der Künstler... um das Gehörte dann mit meinen Kindern oder Freunden zu besprechen, darüber zu diskutieren, zu streiten oder gemeinsam zu schwärmen, andere Meinungen zu haben, eine ganz eigenen Musikstil, eine Leidenschaft zu formen, zu haben und zu leben. Da kann es in einem, unserem Haushalt schon manchmal ganz schön wild durcheinander gehen. Da stellen wir Eltern den Kindern durchaus mal die Frage. Ist das noch Musik? „Wie das klingt“  von Michal Liberg und Michal Mendyk ist ein toll gemachtes Buch, das einem auf eine Tonreise durch die Welt nimmt. Und zwar auf eine Reise durch die neuen Töne, beginnend dabei mit der zeitgenössischen Musik der John Cages, Karlheinz Stockhausens, Glen Goulds, auf die vieles von heute aufbaut, wenn man hinter die Töne schaut. Ob Rock, Pop, Jazz, Country oder Elektronische Musik von Kraftwerk und deren Jünger. Top Platzierung!       

KATEGORIE KINDERBUCH

Lyrik-Comics
Gedichte Bilder Klänge für Kinder in den besten Jahren
Stefanie Schweizer (Herausgeber)

Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75461-5
16,95 € (D) , 17,50 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 6 Jahren
KINDERBUCH

 

Freibad
Ein ganzer Sommer unter dem Himmel
Will Gmehling (Text)

Peter Hammer
ISBN: 978-3-7795-0608-9
14,00 € (D) , 14,40 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 9 Jahren

Marei: Weil die 3 Bukowski-Geschwister ein Kleinkind vor dem Ertrinken gerettet haben, dürfen sie eine ganze Saison lang kostenlos ins Freibad. Alf, 10, schwärmt für die Tochter des Bademeisters, möchte vom 10m Turm springen. Katinka, 8, ist frankophil und möchte 20 Bahnen kraulen können. Robbie, 6, ist anders, redet wenig, träumt viel und soll schwimmen lernen. Eine sehr schöne Sommergeschichte, in der drei Kinder sich einzeln und gemeinsam weiterentwickeln, Spaß haben und voneinander lernen. Schön, nicht aufregend, ein langer Sommer!

Ein Bruder zu viel
Linde Hagerup (Text),
Felicitas Horstschäfer (Illustration),
Gabriele Haefs (Übersetzung)

Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5678-9
14,95 € (D) , 15,40 € (A)
Originalsprache: Norwegisch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 9 Jahren

 

Frossja Furchtlos
oder von sprechenden Hühnern und verschwindenden Häusern
Stanislaw Wostokow (Text),
Marija Woronzowa (Illustration),
Thomas Weiler (Übersetzung)

Knesebeck Verlag
ISBN: 978-3-95728-259-0
14,00 € (D) , 14,40 € (A)
Originalsprache: Russisch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 9 Jahren

Marei: Eine wundervolle Geschichte von Frossja und ihrer Großmutter, vom sprechenden Huhn und zahmen Bären, wie ein Haus verschwindet und doch am Ende alles gut wird. Neben der humorvoll geschriebenen Geschichte mit lauter sympathischen Figuren haben mir auch die Zeichnungen sehr gefallen. Ein Gute-Laune-Buch!

Die beste Bahn meines Lebens
Anne Becker (Text)

Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75457-8
12,95 € (D) , 13,40 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 10 Jahren

Nele:  Jan ist ein begnadeter Schwimmer. Gerne würde er seiner Passion noch intensiver folgen, doch seine Mutter besteht auf mehr Zeit für die Schule. Jan hat LRS und kann, obwohl er schon in der Mittelstufe ist, nicht zuverlässig lesen. Schon gar nicht, wenn er aufgeregt ist. Diesen Makel möchte er in seiner neuen Klasse um jeden Preis verstecken. Ob das wohl gelingt? Besonders wichtig ist es Jan, Flo für sich zu gewinnen. Flo, seine Klassenkameradin und Nachbarin ist so wunderbar unabhängig und ungewöhnlich. Sie liebt Zahlen. So sehr, dass sie freiwillig in Matheferien geht.

Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Flo beschränkt sich auf Schaubilder im Sinne von „Gefühlter Wahrheit“, Jan öffnet sein Herz in einer packenden Ich-Erzählung. Mich haben die graphischen Seiten von Flo beeindruckt. Ein Buchseite, auf der jeweils so unendlich viel mitschwingt. Innenansichten gewürzt mit schmunzelnder Selbstreflexion. Das Leben in Tortendiagrammen, Tabellen und Mindmaps mit gerade der richtigen Portion Text für Jan. Das Buch ist eine Ermutigung zur Stärkeorientierung. Wichtiges Thema.

 

Ich bin Vincent und ich habe keine Angst
Enne Koens (Text),
Maartje Kuiper (Illustration),
Andrea Kluitmann (Übersetzung)

Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5679-6
15,00 € (D) , 15,50 € (A)
Originalsprache: Niederländisch
Nominierung 2020, Kategorie: Kinderbuch
Ab 10 Jahren

Nele: Vincent steckt in einem herausfordernden Opfer Alltag fest. Die Angst vor Mobbing, die eigene Wehrlosigkeit, die Suche nach Auswegen und die wunderbar beflügelnde Wirkung von Freundschaft: diese wichtigen Themen lässt Eine Koons auf humorvolle und zugleich spannende Weise in Vincents Sorge vor der bevorstehenden Klassenfahrt lebendig werden. Was wäre dieses Buch ohne die Vincent begleitenden Phantasiegefährten Wurm, Käfer, Eichhörnchen und Fohlen, die in den unpassendsten Situationen erst einmal einen Witz erzählen und die wunderbaren Illustrationen von Maartje Kuiper, die stets das Leben im Wald als möglichen Ausweg im Bewusstsein halten. Sehr verdiente Nominierung.

 

KATEGORIE BILDERBUCH

Sabber Schlabber Kussi Bussi
Anita Lehmann (Text),
Kasia Fryza (Illustration),
Stefanie Kuballa-Cottone (Übersetzung)

Helvetiq
ISBN: 978-2-940481-75-0
14,00 € (D) , 14,40 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Bilderbuch
Ab 3 Jahren

 

Ausflug zum Mond
John Hare (Text),
John Hare (Illustration)

Moritz
ISBN: 978-3-89565-381-0
14,00 € (D) , 14,40 € (A)
Nominierung 2020, Kategorie: Bilderbuch
Ab 4 Jahren

Mark:  Rundum gelungen , wie Hare Schulausflug, Monderkundung, Glaubwürdigkeit von Kindern und Freundschaft in dieses Buch , das ohne Text und Geschlechterrollen auskommt! Preisverdächtig und wirklich eine Freude 2020! 5 von 5 möglichen Sternen!  Mein Favorit der Bilderbücher

Das Haus, das ein Zuhause war
Julie Fogliano (Text),
Lane Smith (Illustration),
Uwe-Michael Gutzschhahn (Übersetzung)

Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5623-7
16,00 € (D) , 16,50 € (A)
Originalsprache: Englisch
Nominierung 2020, Kategorie: Bilderbuch
Ab 5 Jahren

Mark: 2 Kinder entdecken und erkunden ein verlassenes Haus. Jeder von uns kennt so etwas aus seiner Kindheit. Das Spiel der Ebenen, der Zeiten, der spürbaren Welten gelingt dem Autorenduo unaufgeregt, liebevoll, detailverliebt. Man wird zart hineingeflogen in die verschiedenen Ebenen. Was ist wo zu Hause? Unbedingt 3mal durchschauen! Funktioniert immer besser ! 4 von 5 möglichen Jurypunkten von mir!

Das ausgelassene ABC
Ina Hattenhauer (Text),
Ina Hattenhauer (Illustration)

Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-5623-9
13,00 € (D) , 13,40 € (A)
Originalsprache: Deutsch
Nominierung 2020, Kategorie: Bilderbuch
Ab 5 Jahren

 

Meer!
Das Wissens- und Mitmachbuch
Piotr Karski (Text),
Marlena Breuer (Übersetzung)

Moritz
ISBN: 978-3-89565-377-3
20,00 € (D) , 20,60 € (A)
Originalsprache: Polnisch
Nominierung 2020, Kategorie: Bilderbuch
Ab 7 Jahren