Bolero_Reilly © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett
Eine schwäbische Erfolgsgeschichte

Ballett in Stuttgart, das sind Tradition und Aufbruch, Repertoirepflege und Neuproduk- tionen, Ballettfans und Tanzlegenden. Dass das Stuttgarter Ballett heute zu den gefragtesten Ballettensembles weltweit gehört, ist nicht zuletzt John Cranko, Marcia Haydée und Reid Anderson zu verdanken.

 

Skinny_Ensemble © Stuttgarter Ballett

Ersterer, 1961 aus London kommend, krempelte in den folgenden zwölf Jahren, bis zu seinem überraschenden Tod, bestehende Strukturen um, emanzipierte das Ballett von der Oper, baute nach und nach ein umfangreiches Repertoire auf und förderte zahlreiche Tänzerpersönlichkeiten wie Egon Ma- dsen, Richard Cragun, Birgit Keil, Ray Barra und nicht zuletzt Marcia Haydée. Diese trat 1976 das Erbe Crankos an, erweiterte das Repertoire der Compagnie um Werke von Hans van Manen und Maurice Béjart und bemühte sich intensiv um die Förderung des choreographischen Nachwuchses wie zum Beispiel William Forsythe und Uwe Scholz. Ihr folgte Reid Anderson, der in den 22 Jahren seiner Intendanz die Erfolgs-geschichte der Compagnie weiterschrieb, Crankos Vermächtnis bewahrte, Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts ins Repertoire nahm und über 120 Uraufführungen in Auftrag gab. Seinem geschulten Auge sind Choreographenentdeckungen wie Christian Spuck, Marco Goecke, Demis Volpi und Louis Stiens zu verdanken. Die Vielfalt, die das Schaffen der Compagnie über die zurückliegenden Jahrzehnte prägte, wird heute unter Tamas Detrich fortgeführt: Nach rund 25 Jahren als Tänzer und Erster Solist in der Compagnie arbeitete er zunächst als Ballettmeister und Stellvertretender Künstlerischer Leiter unter Reid Anderson, ehe er mit der Spielzeit 2018/19 seine erste Saison als Ballettintendant des Stuttgarter Balletts begann.

Alicia Amatriain in A. Memory | © Stuttgarter Ballett

Über die Dekaden hinweg war es Cranko und seinen Nachfolgern eine Herzensangelegenheit, sowohl Choreographen als auch Tänzer zu fordern und zu fördern. Stuttgart hat eine Reihe renommierter Choreographen wie Ballettdirektoren hervorge- bracht und wurde so zum Ausgangsort für Karrieren mittlerwei- le international bekannter Namen wie John Neumeier und Jiˇrí Kylián, beide Tänzer unter Cranko. 1971 schließlich gründete Cranko die erste staatliche Ballettschule der Bundesrepublik – und erfüllte sich damit einen langgehegten Herzenswunsch. Mit der Eröffnung der 1974 in John Cranko Schule umbenannten Ballettschule legte er das Fundament für eine der heute hochwertigsten und anerkanntesten Ballettausbildungsstätten welt- weit.

Die tänzerische Vielfältigkeit hat sich das Stuttgarter Ballett auch heute, 46 Jahre nach Cranko, bewahrt und besticht unter der Intendanz von Tamas Detrich mit einem beeindruckend facettenreichen Repertoire: So startete die Compagnie zunächst mit einem klassischen Ballettabend in die laufende Spielzeit 2018/19, ehe sie sich in der zweiten Spielzeithälfte mit spannenden Ballettabenden sowie zwei großen abendfüllenden Balletten von ihrer zeitgenössischen Seite zeigt. Den Auftakt dazu macht kein Geringerer als Tanzvirtuose Jiˇrí Kylián, der im Februar ins Schwabenland zurückkehrt, wo seine Weltkarriere einst vor 50 Jahren begann. Dieses Jubiläum feiert das Stuttgarter Ballett mit der Stuttgarter Erstaufführung von One of a Kind – einem Stück, das das gesamte Spektrum seines Bewegungsvokabulars darbietet.

SchülerInnen der JohnCranko Schule in Etüden | © Stuttgarter Ballett

Ganz im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Weimarer Verfassung und des Bauhauses steht der Ballettabend AUFBRUCH! Im Auftrag von Ballettintendant Tamas Detrich werden sich drei ChoreographInnen – Nanine Linning, Katarzyna Kozielska so- wie Edward Clug – mit dem damaligen wie heutigen Verständnis von Demokratie und Kunst auseinandersetzen. In Kopro- duktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar werden am 28. März 2019 drei Uraufführungen auf die Bühne gebracht.

Ein Fest für die Augen erwartet das Publikum mit der größten Neuproduktion der Spielzeit: Kein Geringerer als Ausstattungs- legende Jürgen Rose zeichnet verantwortlich für eine komplett neue Ausstattung der Stuttgarter Erstaufführung von Kenneth MacMillans Mayerling. Das dramatische Handlungsballett um Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn und seine Geliebte Ba- roness Mary Vetsera wird in der unverkennbaren Rose-Signatur ab dem 18. Mai 2019 auf die Bühne kommen – mit eindrucksvoll eingerichteten Räumen, stilsicheren opulenten Kleidern und ei- ner pompösen Hofburg.

Die Spielzeit schließt mit dem Ballettabend ATEM-BERAUBEND, der das Publikum mit drei modernen Choreographien in den Bann schlägt. Neben der Rückkehr von Itzik Galilis Hikarizatto bringt er zwei Erstaufführungen nach Stuttgart, Out of Breath von Johan Inger und Kaash von Akram Khander für die Stuttgarter Erstaufführung seiner Choreographie erstmals mit einer deutschen Compagnie zusammenarbeitet.