Nicole Johänntgen © Daniel Bernet                                    Sebastian Studnitzky © Joanna Wizmur

RESONANZEN
Neues Festival im Saarland ab 2020

Im März dieses Jahres entschied sich der zuständige Ministerrat im Saarland für die Idee, ein neues, junges, urbanes und grenzüberschreitendes Festival zu initiieren, das für einen Zeitraum von ca. 10 Tagen die kreativen Kräfte des Saarlands bündeln, die regionale und großregionale Szene stärken und den Kulturstandort Saarland bekannter machen soll. Neben bekannten und etablierten Künstlern soll dem künstlerischen Nachwuchs eine Plattform geschaffen werden und mit einem attraktiven Programm neue Besucherschichten für die Musik gewonnen werden.

Die Festivalleitung wurde ausgeschrieben und eine fünfköpfige Experten-Jury, bestehend aus Sylvie Hamard, Leiterin Festival Perspectives, Sebastian Nordmann, Intendant Konzerthaus Berlin, Patrice Hourbette, Leiter des Luxemburger Exportbüros music:LX , Hans-Peter Schneider, Geschäftsführer Messe Bremen, Stephanie Thiersch, Choreografin, hat sich die eingegangenen Konzepte angeschaut, diskutiert und sich für das Leitungsduo Nicole Johänntgen und Sebastian Studnitzky entschieden.

www.nicolejohaenntgen.com
www.studnitzky.de

INTERVIEW
Wir trafen Nicole Johänntgen und Sebastian Studnitzky.

Warum ein neues Festival für das Saarland? Wie entstand die Idee und was sind die Beweggründe für das neue Festival?

Nicole Johänntgen: Kultur ist wichtig. Begeg- nung und Inspiration ist wichtig. Wir arbeiten darauf zu, ein Musikfestival als ein Ort der Begegnung zu kreieren. Kinder, Jugendliche, Er- wachsene. Wir möchten auch Menschen an unserem Festival sehen, die nicht immer die Möglichkeit haben, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Alle sind willkommen und alle sind Teil des neuen Festivals.
Heute klingt Musik anders als vor 30 Jahren. Genre vermischen sich und manchmal kann man die Grenzen nicht mehr ausloten. Und da setzen wir an. Grenz- und stilüberschreitend wird es. Wir planen ab Oktober 2019 pro Monat eine Veranstaltung. Wir nennen diese Events Satelliten. Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig. Nicht nur elf Tage lang Musik, sondern wir starten bereits ein Jahr vorher und versenden die Satelliten mit der Botschaft: Es wird ein neues Festival geben und wir laden Euch ein! Erlebt mit uns Kulturgut. Erlebt mit uns ein herzliches Festival. Konzerte, Podiumsdiskussionen, Workshops und kleine verrückte und spontane Aktionen werden stattfinden bei unseren Satelliten-Events. Unser Credo: Kultur für alle! Inspi- ration und alle Sinne wecken.

Sie haben die Ausschreibung gewonnen. Was waren die Vorgaben und womit haben Sie die Jury von sich und Ihrem Konzept überzeugt?

Sebastian Studnitzky: Ich glaube, dass unser Team eine gute Ausgewogenheit hat. Wir haben eine Saarländerin, einen Franzosen und einen Auswärtigen (Wahl-Berliner) an Bord, ebenso haben wir alle drei spartenübergreifende Erfahrung mit jeweils verschiedenen Perspektiven. Ich denke, dass sich daher unsere Persönlichkeiten und Erfahrungen sehr gut ergänzen. Die Ausschreibung las sich schon so spannend, dass wir es gar nicht erwarten können, unsere Pläne umzusetzen. Ich denke, dass unser Ansatz, möglichst niederschwellige Zugänge zu schaffen, Anklang fand. Das neue Festival soll so nah wie möglich an die Einwohner ran und möglichst viele und ganz unterschiedliche Anknüpfungspunkte schaffen. Stilübergreifend ist die Zukunft. Vor allem zwischen den Stilen und in allen möglichen Verbindungen von Stilen und Genren entsteht zurzeit sehr viel Neues. Das steht bei uns im Fokus, und damit kann man auch viel neues Publikum gewinnen.

Wie laufen die Vorbereitungen, wie funktioniert die Achse Berlin – Saarland – Zürich?

Sebastian Studnitzky: Viel Arbeit passiert heutzutage natürlich per E-Mail und am Telefon, aber die gemeinsamen Ortstermine sind das Kernstück. Wir müssen erstmal den Vibe der Stadt und der Region spüren, mit allen Akteuren persönlich reden und die Locations erkunden. Wir haben einen großen Fokus darauf, bestehende Akteure und Netzwerke und Unternehmungen einzubinden. Wir wollen bestärken und unterstützen, was da ist und eine neue gemeinsame Verbindung schaffen. Die Arbeit geht jetzt erst richtig los, und im Rahmen unserer monatlichen „Satelliten-Events“ wollen wir Begegnungen schaffen, aus denen dann Kooperationen entstehen können.

Im Oktober präsentieren Sie erste Ideen und Pläne. Was können Sie schon verraten?

Nicole Johänntgen: Das neue Musikfestival heißt Resonanzen und wird vom 1. bis 11. Oktober 2020 an verschiedenen Spielorten in Saarbrücken stattfinden. Der Startschuss fällt am 6. Oktober 2019 mit dem ersten Satelliten. Alle Gäste werden mit Musik des schwedischen Tubisten Jörgen Welander und der polnischen Vibraphonistin Izabella Effenberg empfangen. Anschließend begegnen sich Cellist Stephan Braun und Perkussionist Bodek Janke, die sich zwischen Klassik, Jazz und indischer Musik bewegen. Am 21. November tigern wir durch Saarbrücken. Wir sind Perkussionist Pitti Hecht (Scorpions), Lisa Strautmann (Clownin) und ich am Saxophon. Zu Gast sind wir unter anderem beim Kinderhaus in Malstatt und machen Musik mit den Kids. Das Haus unterstützt Kinder, die in schwierigen Situationen leben. Da wäre mein persönliches Ziel, dass sie mit uns musizieren und dass alle zu unserem Festival kommen. Wir haben noch viel vor! Am Sonntag, 8. Dezember, spielt Sebastian Studnitzky mit seiner Band „MEMENTO“ im Pingusson-Bau. Der Pingusson-Bau ist unsere Zentrale. Durch seine Geschichte als französische Botschaft hat das Gebäude große Bedeutung. In der Zentrale finden Workshops und Konzerte statt. Es ist und bleibt spannend!

Das Gespräch führte Kai Geiger.