Gamelan Taman Indah 5.5. Trinitatiskirche ©Jörg Hejkal

Köln

Ton.Satz.Laut
28.4. – 7.5.2017

2017 findet ACHT BRÜCKEN vom 28. April bis 7. Mai unter dem Motto »Ton. Satz. Laut.« statt und widmet sich dem Verhältnis von Musik und Sprache. Nicht nur Wissenschaftler, auch Philosophen oder Künstler lassen sich von jeher vom Zusammenspiel von Musik und Sprache faszinieren und inspirieren. Die Gemeinsamkeit der Themenfelder liegt auf der Hand: Beide kombinieren einzelne Töne und Laute nach bestimmten Regeln. Man spricht von Sprachmelodie ebenso wie von musikalischer Grammatik und nicht zuletzt, über alle kulturellen Grenzen hinweg, von Musik als universeller Sprache der Menschheit. Im Fokus des Festivals steht 2017 die südkoreanische Komponistin Unsuk Chin. Eine ganz eigene Verbindung von Musik und Sprache werden Stars der internationalen HipHop-Szene präsentieren.

Das komplette Programm wird Ende Januar 2017 veröffentlicht. 
www.achtbruecken.de

Image: Ton. Satz. Laut. ©George Doyle | Getty Images/iStockphoto

Fotogruppe Puchwerke mit Gruppe Pool (Haber, Kriesche, Neubacher) Konzeption: Kriesche

Graz (A)

Der steirische herbst feiert Jubiläum!'
Das Festival findet zum fünfzigsten Mal statt.

Paradox (und etwas selbstironisch) kann man den steirischen herbst als Festival der Avantgarde mit Tradition bezeichnen: Seit fünfzig Jahren ist er eines der weltweit wenigen Festivals für zeitgenössische Künste, das seinem Wesen nach wahrhaft multidisziplinär ist. Immer wieder in seiner Geschichte hat er sich neu erfunden – eine amorphe Institution in progress, die sich von Jahr zu Jahr die Frage nach den eigenen Bedingungen und Notwendigkeiten als eigenwillige Plattform neuer Kunst stellt.

Mit rund 130 Produktionen an 24 Festivaltagen, zahlreichen Erst- und Uraufführungen sowie Kooperationen mit Institutionen international und lokal zieht der steirische herbst von Ende September bis Mitte Oktober weite Kreise in Graz und in der Steiermark – diesmal vor allem auch in der Obersteiermark:

Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat dem steirischen herbst den in ihrer Heimat angesiedelten Roman „Die Kinder der Toten“ freigegeben für eine filmischperformative Inszenierung durch das amerikanische Performance- Kollektiv Nature Theater of Oklahoma. Die Produktion wird 2017 an Originalschauplätzen des Buches rund um Neuberg an der Mürz in der Obersteiermark umgesetzt. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogramm – Lesungen, Konzerte, etc. Ergänzend zum Festivalprogramm wird im Jubiläumsjahr 2017 eine ganze Reihe an Projekten der Geschichte des steirischen herbst nachgehen – eine Sonderausstellung im GrazMuseum etwa oder Audiowalks zu historischen Festivalschauplätzen. Und auch das ORF-musikprotokoll lädt zu einer gemeinsamen Feier: Mit Tanzmusik für fortgeschrittene Hörer, komponiert von zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten für das RSO Wien.
22.9.–15.10.2017 I www.steirischerherbst.at

Musica Sacra Nova Consono @ Henning Rohm

Abtei Brauweiler

Musica Sacra Nova 2017

Europäisches Festival für zeitgenössische geistliche Musik Neue, zeitgenössische Chor- und Orgelmusik findet nicht häufig den Weg in Gottesdienst und Konzert. Ein Festival wie Musica Sacra Nova in Brauweiler trägt dazu bei, neue Impulse zu geben und mit verkrusteten Hörgewohnheiten zu brechen – für Zuhörer wie für Kantoren, Pfarrer und auch Künstler. Darüber hinaus werden in Verbindung mit dem internationalen Kompositionswettbewerb für Chor bzw. Orgel (Organisatoren sind das Erzbistum Köln, der Freundeskreis Abtei Brauweiler sowie der Gaude Mater Freundesverein und das Musica Sacra Institut in Polen) junge Komponisten gefördert, deren Preisträgerwerke im Abschlusskonzert aufgeführt werden. Für die Interpretation der Chorwerke konnte der Kölner Kammerchor Consono gewonnen werden, dessen besonderer Schwerpunkt u. a. in der Erarbeitung zeitgenössischer A-cappella-Literatur liegt. Michael Utz, der sich intensiv mit der Interpretation zeitgenössischer Orgelmusik auseinandersetzt, wird die prämierten Orgelwerke uraufführen. Eröffnet wird das Festival mit neuer Orgelmusik aus Wien und Paris, die der renommierte Künstler Wolfgang Kogert präsentiert. Kogert ist Organist an der Wiener Hofburgkapelle, wo er im Rahmen der sonntäglichen Hochämter mit der Wiener Hofmusikkapelle musiziert. Mit historischen Instrumenten und Gesang findet das Ensemble Candens Lilium im zweiten Konzert einen ganz eigenen Weg der künstlerischen Auseinandersetzung mit alten und neuen Klängen.
11. – 13.5.2017 | www.abtei-brauweiler.de

Clean City © Christina Georgiadou

Basel (CH)

CULTURESCAPES
Griechenland

CULTURESCAPES macht sich seit 2003 immer wieder auf, unbekanntes Gebiet – ein Land, eine Stadt oder eine Region – mit Fokus auf die Kulturszene zu erforschen. Als multidisziplinäres Kulturfestival hat sich CULTURESCAPES der Förderung des interkulturellen Dialogs, der Zusammenarbeit und der Vernetzung zwischen verschiedenen Kulturen verschrieben und stößt damit Türen zu neuen „ culture-scapes“, also kulturellen Landschaften auf. Die vierzehnte Festivalausgabe 2017 legt den Fokus auf Griechenland. Mit Lesungen, Theaterabenden, Konzerten, Filmvorführungen, Ausstellungen, Vorträgen und vielem mehr widmet sich das Festival vom 5. Oktober bis 3. Dezember 2017 mit über 50 Projekten dem zeitgenössischen griechischen Kunstschaffen. Die eingeladenen Produktionen beschäftigen sich mit drei Spannungsfeldern der griechischen Gesellschaft: Krise, Identität und das Spannungsfeld zwischen zivilisationsbegründender Kulturgeschichte und Gegenwart. Die vielfältigen Produktionen werde im Festivalzentrum Basel und in über 40 Partnerinstitutionen schweizweit zu sehen sein.
5.10. – 3.12.2017 l www.culturescapes.ch

Berlin

Internationales Klangkunstfest Berlin 2017
Festival aktueller klingender Kunst Kulturaustausch :: Cultural Exchange

- eine interkulturelle Spurensuche Das Avantgarde-Festival wurde 2004 von der Künstlerinitiative inter art project in Berlin gegründet. Es bespielt und untersucht seitdem jährlich mit Konzerten, Ausstellungen, Soundwalks und Symposien thematisch ausgewählte Areale zwischen den etablierten Kunstformen und Gattungen. Der besondere Fokus liegt dabei auf den klingenden Künsten wie zeitgenössischer, experimenteller Musik und Klangkunst sowie allen Disziplinen, die avanciert Klang einsetzen oder sich im künstlerischen Ausdruck auf Klang beziehen. Im Lauf der letzten 12 Jahre sind dort mehr als 200 Kunstschaffende aus Berlin und über 30 Ländern aufgetreten, etwa zu gleichen Teilen Künstlerinnen und Künstler.

Im kommenden Jahr bewegt sich das Klangkunstfest nicht nur zwischen den bekannten Sparten und Genres, sondern auch zwischen verschiedenen Kulturen. 2017 wird das Festival Formen, Strategien und ästhetischen Ausprägungen zeitgenössischen klingenden Kunstschaffens in Berlin nachspüren. Dabei soll es um aktuelle interkulturelle Berührungspunkte, um Unterschiede und um Gemeinsamkeiten gehen, besonders aber um die kulturellen Wurzeln ausgewählter in Berlin aktiver Künstler*innen und deren Einfluss auf die klingenden Werke. Der Begriff „Kulturaustausch“ wird hier in mehrfacher Weise betrachtet.

Das Internationale Klangkunstfest wendet sich an alle Kunstinteressierten oder für klingende Kunst zu interessierenden BürgerInnen – auch, aber nicht nur, an das verehrte Fachpublikum. Es findet statt im „tiefsten Wedding“ mit einer Vielzahl bildungsferner Bewohner unterschiedlichster Herkunft. Deshalb wird die Werbung breit und offen angelegt und der
14. - 17.9.2017 l www.inter-art-project.de

 

Berlin

Infektion! Festival für Neues Musiktheater 2017

Im Zentrum der siebten Ausgabe von INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater vom 25. Juni bis 14. Juli 2017 an der Berliner Staatsoper stehen die Premieren von zwei Kammeropern aus den späten 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren. In der Regie von Andrea Breth feiert Wolfgang Rihms Kammeroper in einem Akt, „ Jakob Lenz“, am 5. Juli, auf der großen Bühne Premiere. Eröffnet wird das Festival am 25. Juni auf der Werkstattbühne mit Aribert Reimanns „Die Gespenstersonate“, inszeniert von Otto Katzameier. Beide Werke beruhen auf berühmten literarischen Vorlagen und behandeln – jedes auf seine eigene Weise – menschliche Abgründe, Urängste und Realitätsfluchten. Mit der Premiere von„Eine kleine Sehnsucht“ am 28. Juni begibt sich die Staatsoper auf neues Terrain: Erstmals dient das neben dem Schiller Theater gelegene legendäre Café Keese als Spielstätte. Auf dem Programm steht eine literarisch-musikalische Collage mit Unterhaltungs- und Tanzmusik aus den 1930er-Jahren. Darüber hinaus gibt es im Saal des Schiller Theaters und im Gläsernen Foyer eine Reihe von Kammerkonzerten, die jeweils einen Komponisten (bzw. eine musikalische Kultur) ins Zentrum stellen. Am 6. Juli lädt das Minguet Quartett, das zu den international gefragtesten Streichquartetten zählt, zu einem Kammerkonzert-Quartettabend mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf Wolfgang Rihm. Abgerundet wird das Festival durch die Premiere von „Ouropera“ am 13. Juli, dem neuen Projekt des Jugendklubs der Staatsoper.
25.6. – 14.7.2017 l www.staatsoper-berlin.de

hr-Sinfonieorchester | Licht und Schatten © hr Benjamin Knabe

 

Frankfurt

cresc...2O17

Unter dem Motto TRANSIT präsentiert die vierte Ausgabe der Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main „cresc...“ vom 22. bis 26. November 2017, Ensemble- und Orchestermusik, Jazz, Tanz- und Musik-Performances in der Region Frankfurt Rhein Main. Der Begriff des TRANSITS, der mit Musik und Klangkunst geradezu wesenhaft verbunden ist, bildet dabei ein Spannungsfeld, dem im Festival ein besonderer Raum gegeben wird: mit Künstlern, die Brücken schlagen, Grenzen überschreiten, sich stets neu verorten, sich zwischen Ländern, Kulturen und Genres bewegen. So etwa der Komponist Isang Yun, dessen Geburtstag sich 2017 zum 100. Mal jährt. Zeitlebens vermittelte er zwischen Süd- und Nordkorea, Europa und Asien, aber auch zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Kunst und Politik. Auch die Uraufführungen junger Komponisten des Internationalen Kompositionsseminars zeigen zahlreiche Verknüpfungspunkte zu aktuellen Diskursen auf. cresc...2017 setzt sich mit den gesellschaftlichen und politischen Kristallisationsformen der Themen Flucht, Verfolgung, Migration, Identität und Freiheit künstlerisch und diskursiv auseinander. Freuen Sie sich mit uns auf ein spannendes Festival! „cresc...Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main“ ist ein Festival von Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester in Kooperation mit Alte Oper Frankfurt, Institut für zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Internationale Ensemble Modern Akademie, Staatstheater Wiesbaden und weiteren Partnern.
22. – 26.11.2017 l www.cresc-biennale.de

Wallis (CH)

Forum Wallis

Das Forum Wallis ist eines der wichtigsten Festivals für Neue Musik der Schweiz und findet jährlich an Pfingsten auf Schloss Leuk statt. Es steht unter der Leitung der IGNM-VS, der Ortssektion der Int. Gesellschaft für Neue Musik ISCM und hat seit 2006 sage und schreibe über 300 Uraufführungen mitproduziert. 2015 brachte es Stockhausens spektakuläres Helikopter-Streichquartett zusammen mit dem Arditti Quartet, André Richard und Air Glaciers erstmals über den Alpen zur Aufführung. 2017 finden Experimental-Jazz- Konzerte, Klangspaziergänge und Konzerte mit Neuer Elektronischer Musik statt, außerdem sind mit dem Ensemble Recherche, Taller Sonoro, UMS 'n JIP, dissonArt und dem Ensemble für Neue Musk Zürich eine Vielzahl bedeutender europäischer Ensembles vom 1.–5. Juni im mittelalterlichen Städtchen Leuk zu Gast und vermitteln einen spannenden Einblick in das Schaffen der aktuellen Musikavantgarde.
1. – 5.6.2017 | www.forumwallis.ch

Klangspuren Feature © Gerhard Berger

Schwaz (A)

KLANGSPUREN SCHWAZ

Tiroler Festival für Neue Musik NOCH FRAGEN? ANY QUESTIONS? NOCH FRAGEN? ANY QUESTIONS? – die 24. Ausgabe des Tiroler Festivals für Neue Musik KLANGSPUREN verschiebt die üblichen Koordinaten der Geschlechterverteilung auf den Spielzetteln der Gegenwartsmusik. Wie selbstverständlich rückt das musikalische Schaffen von Frauen in den Vordergrund. Werke und Performances von Komponistinnen und Musikerinnen werden in ihrer Originalität, Qualität und Eigenwilligkeit als bedeutende und reichhaltige Beiträge zur Entwicklung in der Neuen Musik erlebbar, ohne dass damit Musik von Künstlern männlichen Geschlechts ausgeschlossen würde – eine Frage der Gewichtung. Die russisch-tatarische Komponistin SOFIA GUBAIDULINA, die große alte Dame der Neuen Musik, ist Composer in Residence des diesjährigen FESTIVALS und der KLANGSPUREN INTERNATIONAL ENSEMBLE MODERN ACADEMY, und Werke aus ihren verschiedenen Schaffensperioden werden im Festivalprogramm zu hören sein. Die beliebte musikalische Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg führt 2017 ins Tiroler Unterland. Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck gibt mit dem Eröffnungskonzert den Auftakt des Festivals am 7. September. Viele weitere experimentierfreudige Kostbarkeiten und Abenteuer des Hörens und Sehens erwarten die Besucher bei KLANGSPUREN 2017.
7. – 23.9.2017 | www.klangspuren.at

Donaueschingen

Das waren die Donaueschinger Musiktage 2016.

"Enorme stilistische Vielfalt"

Höhepunkte des Festivals waren u. a. umjubelte Uraufführungen von Bernhard Gander ("Cold cadaver with thirteen scary scars"), Rebecca Saunders ("Skin") und Michael Wertmüller ("discorde"). Einen weiteren Höhepunkt bildete das Abschlusskonzert mit dem SWR Symphonieorchester, das unter der Leitung von Alejo Pérez ein neues Werk von Franck Bedrossian ("Twist") und ein Konzert für Posaune und Orchester von Georg Friedrich Haas interpretierte. Solist war Mike Svoboda. Das SWR Vokalensemble und das Améi Quartett brachten Joanna Bailies "Music from Public Places" zur Uraufführung. Der künstlerische Leiter Björn Gottstein: "Angesichts der enormen stilistischen Vielfalt, die wir erleben konnten – vom raffinierten Streichquartett bis zur bruitistischen Klangkunst – stelle ich am Ende dieser Musiktage erfreut fest, dass sich die Neue Musik im 21. Jahrhundert in einem offenen Wandlungsprozess befindet. Das lässt mich hoffnungsvoll auf die Entwicklung der kommenden Festivaljahre blicken."

"Außergewöhnlich viele internationale Gäste"

"Die Donaueschinger Musiktage sind für die Stadt Donaueschingen und ihre internationale Ausstrahlung von unschätzbarem Wert", so Oberbürgermeister Erik Pauly. "Seit 1921 ist Donaueschingen in der Musikwelt der Inbegriff für das im wahrsten Sinne des Wortes Unerhörte – das Inbild für alle neuen experimentellen Formen auf dem Gebiet aktueller Musik und Klangkunst. Wir freuen uns ganz besonders darüber, dass wir dieses Jahr außergewöhnlich viele internationale Gäste in Donaueschingen begrüßen konnten, die den Namen unserer schönen Stadt an der Donauquelle in die Welt hinaus tragen: Tausende Besucher aus dem In- und Ausland – von Großbritannien bis Italien und von den USA bis Korea – sind angereist um das Festival mitzuerleben – das ist phantastisch. Denn von dieser Internationalität profitiert letztendlich die gesamte Donaueschinger Kunst- und Kulturszene, vor allem auch unsere zeitgenössischen Sammlungen wie das Museum Art.Plus oder die Ausstellung 'Fürstenberg Zeitgenössisch'."

Ausblick auf die Musiktage 2017

Förderer des Festivals sind die Kulturstiftung des Bundes, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Donaueschingen und der Südwestrundfunk. Die Donaueschinger Musiktage 2017 finden vom 20. bis 22. Oktober statt. Zu den Höhepunkten gehören neue Orchesterwerke von Chaya Czernowin, Bernhard Lang und Bunita Marcus sowie ein frühes, noch nicht uraufgeführtes Werk von Emmanuel Nunes. Neben dem SWR Symphonieorchester werden u. a. das Ensemble Musikfabrik, das IRCAM, das Remix-Ensemble, das Solistenensemble Kaleidoskop und das Ictus Ensemble zu Gast sein.

 

Donaueschingen

Donaueschinger Musiktage 2017
14. – 16.10.2016

In zwölf Konzerten mit insgesamt 18 Uraufführungen, Klanginstallationen, Performance-Projekten und zahlreichen Sonderveranstaltungen wird das Wochenende vom 14. - 16. Oktober ein ereignis- und erlebnisreiches.

Zu den Höhepunkten des Wochenendes gehören sicher die Uraufführungen neuer Werke von Peter Ablinger, James Dillon, Georg Friedrich Haas, Bernhard Gander, Rebecca Saunders, Martin Smolka, Marco Stroppa und Michael Wertmüller sowie die deutsche Erstaufführung des Sirenen-Zyklus von Peter Eötvös. Aber auch die jüngere Generation ist mit Joanna Bailie, Martin Jaggi, Daniel Wohl und Nathan Davis prominent vertreten.

Mit dem Klangforum Wien, dem ensemble recherche, dem Arditti und dem Calder Quartet, der Avantjazzrockgruppe Steamboat Switzerland, dem IRCAM, dem Posaunisten Mike Svoboda und den beiden Sopranistinnen Juliet Fraser und Audrey Luna sind auch in diesem Jahr herausragende Interpreten zu Gast. Hinzu kommen natürlich die drei Klangkörper des SWR, das Vokalensemble, das Experimentalstudio und das SWR Symphonieorchester, die das Festival mit ihrer großen Kompetenz im Bereich der zeitgenössischen Musik bereichern.

Klanginstallationen kommen in diesem Jahr von Thomas Köner, Yutaka Makino und Johannes S. Sistermanns. An der Grenze zwischen Avantgarde und elektronischer Tanzmusik bewegt sich der Österreicher Curd Duca. Außerdem im Programm sind diesmal auch ein Vortrag des englischen Musikphilosophen Roger Scruton sowie zahlreiche Komponisten-Gespräche. Bereits seit dem 1. Mai läuft Hannes Seidls radiofones Projekt „Good Morning Deutschland“ in der Flüchtlingsunterkunft Donaueschingen, das jeden Mittwoch von 17 - 20 Uhr online zu hören ist.
www.swr.de/swr2/festivals/donaueschingen

INTERVIEW

Wir sprachen mit Björn Gottstein, seit 2015 Künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage

Nach einem noch programmatisch maßgeblich vom verstorbenen Festivalleiter Armin Köhler geprägten ersten Festivaljahr unter Ihrer Leitung werden die Donaueschinger Musiktage 2016 Ihre Handschrift tragen. Was verändert sich?

Das Jahr 2016 ist ein Gemeinschaftsjahr. Armin Köhler und ich tragen gewissermaßen gemeinsam die Verantwortung für die Programmgestaltung. So werde ich als Festivalleiter aber natürlich erste Akzente setzen können. Das Prinzip der Neuen Musik ist das einer permanenten Erneuerung. Neue Musik, mit einem großen N, möchte auch immer neue Musik, also mit kleinem n sein, also wirklich neu, unerhört, über Grenzen hinausgehend. Das ist selbst dort der Fall, wo wir im Konzertsaal ein traditionelles Ensemble, sagen wir: ein Sinfonieorchester erleben. Der Münchner Komponist Klaus Schedl wird, mithilfe des Freiburger Experimentalstudios, die Ästhetik der Dronemusik auf das Orchesterprinzip übertragen. Ähnlich ist es bei Franck Bedrossian, der in Zusammenarbeit mit dem Pariser IRCAM seine Vision des „son saturé“, als eines gesättigten, schwarzen Klangs verfolgt. Ein ganz besonderes Projekt ist in diesem Jahr das Radioprojekt „Good Morning, Deutschland“ des Frankfurter Komponisten Hannes Seidl. Seidl wird mit Flüchtlingen aus der Donaueschinger Flüchtlingsunterkunft gemeinsam Musik machen, Musik hören und über Musik sprechen. Das ist ein Projekt, das sich am Rande dessen bewegt, was wir üblicherweise mit einem Neue-Musik-Konzert verbinden. Ich freue mich besonders auf diese Arbeit, weil es nicht nur der Form nach neue Wege geht, sondern auch ein besonders für Donaueschingen mit seinen fast 3.000 Flüchtlingen besonders aktuelle Situation aufgreift.

Was sind die Schwerpunkte, Akzente, die Sie in den nächsten Jahren in Donaueschingen zur Aufführung bringen wollen.

Die Neue Musik erlebt zurzeit einen immensen Wandel. Dieser Wandel ist gleichermaßen durch die Generationen als auch von der technischen Entwicklung bedingt. Komponisten, die heute um die 40 Jahre alt sind, geben sich nicht mit dem, was die Neue Musik erreicht hat, zufrieden. Sie hinterfragen die Institutionen und auch die Gewohnheiten der Neuen Musik. Sie schreiben Kompositionen für Youtube und integrieren die neuen Technologien ganz selbstverständlich in ihre Werke. Diesen Wandel zu begleiten, das ist die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre. Wenn wir auf die Programme der Neue-Musik- Festivals schauen, dann müssen wir sicher etwas ändern im Bereich der Internationalität. Was geschieht heute in Argentien oder in Südkorea? Gleiches gilt für die der ästhetischen Offenheit: wir brauchen auch Impulse von Theaterregisseuren und der Popkultur. Auch werden immer noch zu wenig Komponistinnen aufgeführt. Das sind Aspekte, die die Programmgestaltung der kommenden Jahre prägen soll.

Wie wichtig sind neue Formate, Vermittlungsformen für die Neue Musik wie der in 2015 erstmalig veranstaltete Festivalkongress upgrade?

Der Festivalkongress upgrade, der 2015 erstmals in Donaueschingen stattfand und der sich Vermittlungsfragen widmet, war ein ungemein spannendes Experiment. Die Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Pädagogen, Komponisten und professionellen Musikern hat zu unglaublich tollen Ergebnissen geführt. Die Musiktage werden sich sicher nicht in diesem Maße der Vermittlung widmen. Aber der Diskurs ist wichtig, dass wir uns vergewissern, welche Bedeutung und welchen Stellenwert in der Welt die Werke haben. Bereits im letzten Jahr haben wir mit kurzen Komponistengesprächen begonnen, die es dem Publikum ermöglicht, die Persönlichkeit eines Künstlers im Gespräch zu erleben und dadurch vielleicht auch einen anderen Zugang zu dessen Werk zu bekommen. Es wird in diesem Jahr erstmals einen Vortrag bei den Donaueschinger Musiktag geben. Diese Reihe der Donaueschinger Lectures soll in den kommenden Jahren das diskursive Potenzial der Neuen Musik unter Beweis stellt. Den Anfang macht in diesem Jahr der englische Philosoph Roger Scruton, der sich eingehend mit Neuer Musik befasst hat und bisweilen auch einen durchaus kritischen Blick auf das Genre wirft. Es soll also nicht nur gemütlich zugehen.

Zeitgenössische, Neue Musik erfreute sich in Asien großer Beliebtheit, Einige europäische Festivals und Messen haben inzwischen Satelliten Veranstaltungen im Ausland, um neuen »Märkten« näher zu sein? Ist dies ein Thema für die Donaueschinger Musiktage?

Es stimmt, dass die Neue Musik in vielen Ländern außerhalb Europas einen hohen Stellenwert genießt. Wir erleben es an den vielen Studenten aus dem Nahen und dem Fernen Osten, aus dem Libanon, aus Israel, aus Südkorea, Japan oder China, die nach Europa kommen, um sich dieser Disziplin zu widmen. Es ist eine tolle Öffnung, weil diese Komponisten oft ganz andere Fragestellungen und Blickwinkel mitbringen. Ob wir deshalb auch die „Donaueschinger Musiktage Miami Beach“ oder „Donaueschinger Musiktage Hong Kong“ brauchen, lasse ich einmal dahingestellt. Einerseits unterliegen wir im Bereich der Neuen Musik nicht in dem Maße dem Markt, wie es die bildende Kunst tut. Gleichzeitig möchte ich den Eindruck vermeiden, dass wir systematisch Kultur exportieren. Vielleicht ist die Streckenführung der Tour de France ein gutes Vorbild. Dort beginnt die Veranstaltung alle zwei Jahre mit einem Prolog im Ausland. Das wäre vielleicht eine schöne Möglichkeit, die Musiktage international zu positionieren.

BJÖRN GOTTSTEIN

SWR2-Redakteur für Neue Musik, folgte 2015 als Künstlerischer Leiter dem im November 2014 verstorbenen Armin Köhler, der die Geschicke der Donaueschinger Musiktage 22 Jahre lang gelenkt hatte. Björn Gottstein ist seit 2013 als Redakteur für Neue Musik bei SWR2 tätig und verantwortete seitdem die Konzertreihe "attacca". Er war außerdem einer der künstlerischen Leiter des Stuttgarter ECLAT-Festivals. Der 46-jährige, in Aachen geborene Musikwissenschaftler arbeitete zunächst als freier Journalist und seit 2009 auch als Veranstalter. In dieser Tätigkeit thematisierte er Fragestellungen wie die nach Musik und Armut (Audio Poverty, 2009), Musik und Transzendenz (Lux Aeterna, 2011) und nach der musikalischen Interpretation (Faithful, 2012). Als Journalist und als Kurator galt sein Interesse stets auch den Randbereichen der Neuen Musik und dem Genre-übergreifenden Experiment. Gottstein war Kritiker der Tageszeitung "taz" und schrieb außerdem für viele der maßgeblichen nationalen und internationalen Musikzeitschriften. Als freier Autor hat er außerdem für alle großen ARD-Anstalten, für den Deutschlandfunk und Deutschlandradio gearbeitet. 2006 erschien sein Buch "Musik als Ars Scientia" (Pfau-Verlag). Er unterrichtete an der TU Berlin, bei den Darmstädter Ferienkursen, an der Hochschule für Musik Basel und an der Universität der Künste Berlin. Er war Mitglied zahlreicher Jurys, darunter des Giga-Hertz- Preises des ZKM und des Kompositionspreises der Landeshauptstadt Stuttgart. Außerdem engagierte sich Gottstein kulturpolitisch, als Vorstandsvorsitzender der "Initiative Neue Musik" leitete er von 2009 bis 2013 die Geschicke der freien Musikszene in Berlin.

alle Fotos © SWR Donaueschinger Musiktage