Maurizio Nannucci, NEVER MOVE FAR FROM COLOR, 2017/18, neon, 269 x 212 cm / 106 x 83 1/2 x 2 1/3 in, courtesy of the artist and Galerie Nikolaus Ruzicska

Neon Delight
bis 29.11.2020

Mit NEON DELIGHT widmet das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna eine Ausstellung dem Material, das in der Lichtkunst am meisten Verwendung findet. Hier versammelt das Museum die bekanntesten internationalen Künstlerinnen und Künstler der neonbasierten Lichtkunst in seinen einzigartigen, unterirdischen, roh belassenen Räumlichkeiten. Mit Arbeiten aus den 1960er Jahren bis in die Gegenwart wird ein repräsentativer Überblick über Neon in der Lichtkunst gezeigt.

Who‘s afraid of red, yellow and blue?“ fragte Maurizio Nannucci (*1939, Florenz) 1970 mit bunten Neonbuchstaben als Hommage an Barnett Newmans 1966 entstandene ikonische Arbeit des abstrakten Expressionismus. In der Ausstellung  NEON DELIGHT, die nun im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna präsentiert wird, wird Nannucci mit dem Unikat-Werk „Never Move Far From Color“ (2017/18) zu sehen sein.  

Die Arbeit Nannuccis zeigt: Neonkunst ist oftmals Sprachkunst. Ist Text, ist Schrift, ist Typografie: Tracey Emin (*1963, Croydon) lässt uns in gelber Neonschreibschrift wissen: „You Never Should have Loved Me The way you did“ (2014). Neonkunst ist Poesie, erzählt Persönliches – geht nah. Auch Jeppe Heins (*1974, Kopenhagen) Arbeit „Who Am I Why Am I Where Am I Going” (2017) spricht die Betrachter und Betrachterinnen direkt an: Sie blicken in einen Spiegel, während sie die Fragen lesen – die sie stellvertretend für den in Berlin lebenden dänischen Künstler für sich selbst beantworten können. Das Werk „It Is Both A Blessing And A Curse To Feel Everything So Very Deeply” (2016) von Olivia Steele (*1985, Nashville) stellt dagegen keine Fragen, sondern setzt alleine auf die Kraft und den Gegensatz von nur zwei Worten: „blessing“ und „curse“.


Bruce Nauman, Double Slap in the Face, 1985, neon tubing mounted on metal monolith, 80 x 127 x  20 cm, Edition 5/5, Sammlung Froehlich, Stuttgart

Doch Neonkunst ist auch geometrische Abstraktion ganz ohne Worte, ist Kunst von oftmals großer Fragilität. Vor allem Dan Flavin hat diesen Zweig der Kunst mit Neonröhren populär gemacht. François Morellet (*1926, Cholet bis 2016, ebendort), Keith Sonnier (*1941, Mamou) oder auch Anselm Reyle (*1970, Tübingen) sind Künstler der Ausstellung, die geometrisch-abstrakte, konkrete Neonkunst geschaffen haben – auf teilweise überaus komplexe, raumgreifende Art und Weise.

Manche Arbeiten mit ihren immateriellen, in verschiedenen Farben schimmernden Lichtquellen sind äußerst subtil, wie jene von Brigitte Kowanz (*1957, Wien) oder Bruce Nauman (*1941, Fort Wayne) in der Ausstellung NEON DELIGHT zeigen. Naumans Werk „The True Artist Helps the World by Revealing Mystic Truths“ (1967) verweist auf die immaterielle, mystische Kraft des Lichts, auf die Energie, die auch Jan van Munster (*1939, Gorinchem) oft zum Thema seiner Arbeiten gemacht hat. Weitere Künstlerinnen und Künstler der Schau sind Mario Merz (*1925, Mailand bis 2003, Turin), Bruno Peinado (*1970, Montpellier), Bernardi Roig (*1965, Palma de Mallorca) und Giny Vos (*1959, Rotterdam).


Tracey Emin, You Never Should have Loved Me The way you did, 2014, neon, transformer, 36 3/4 x 69 1/2 x 0 5/16 in. (93.4 x 176.5 x .8 cm) © Tracey Emin. All rights reserved, DACS 2019.

Neonröhren und Neonlicht faszinieren Künstlerinnen und Künstler, aber auch das Publikum seit vielen Jahren. Es ist die sinnliche, blendende Strahlkraft, die intensive Signalwirkung der Neonkunst, die sie so anziehend macht. Auch die Nähe zur Sphäre des Technischen, des Künstlichen, zur Warenwelt, zu Pop und Werbung. Physik und Metaphysik kommen sich in der Kunst selten so nah.

Zuerst aber hatten die mit Neongas gefüllten Glasröhren reinen Signalcharakter und dienten seit Anfang des 20. Jahrhunderts in den nächtlichen Städten zu Werbezwecken; sie illuminierten Paris, New York, Berlin oder Las Vegas. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte man jenes Gas entdeckt, das elektrisch aufgeladen zu dem Effekt führte, den wir als Neonlicht kennen. Vor allem seit den 1960er Jahren ist Neon auch ein Thema der Bildenden Kunst. Die Produktion solcher Kunstwerke hat sich seitdem nicht verändert: Auch heute noch wird jede Röhre individuell von einem Glasbläser geblasen und mit dem Gas gefüllt.

Kunst mit Neonlicht, das zeigt NEON DELIGHT, ist überraschend divers. John Jaspers, Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna erläutert: „Die Leuchtstoffröhre, in den USA ‚living flame‘ genannt, hat Zeichen- und Signalcharakter, spielt mit Wort und Schrift, ist Mitteilung und visuelle Kommunikation.“ Mal haben diese Kunstwerke industriellen Charakter. Oder sie lösen sich, sinnlich, vergeistigt, sphärisch, von jeder festen Form und werden Bruchstück und Fragment.


Bruno Peinado, There is no Pleasure in having Nothing to Do…., 2010, neon, plexiglass, transformer, 86 x 167 x 6, courtesy of the artist an MAM Mario Mauroner Contemporary Art, Salzburg / Vienna

Immer aber ist die Architektur ihr fester Bezugsrahmen, wie die Ausstellung NEON DELIGHT im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna zeigt, wo auch eine beeindruckende Dauerausstellung zu sehen ist. Das Museum im östlichen Ruhrgebiet hat seinen Sitz tief unter der Erde in den Kellerräumen einer ehemaligen Brauerei. Auf 3.000 Quadratmetern ist hier in historischer Bausubstanz spektakuläre Kunst mit Licht zu erleben.

Die Ausstellung wird realisiert in enger Zusammenarbeit mit: Kröller-Müller Museum, Otterlo I Sammlung Froehlich, Stuttgart I Picasso Museum, Málaga & Kunsthalle Bremen I Studio Bruce Nauman, Galisteo, New Mexico, USA I Galleria Fumagalli, Mailand I White Cube LTD, London I GalerieNikolaus Ruzicska, Salzburg I Studio Kowanz, Wien I MAM Mario Mauroner Contemporary Art, Wien I Studio Olivia Steele, Berlin I Studio Anselm
Reyle, Berlin I Studio Jeppe Hein, Berlin I RHC Eindhoven, Sammlung Kunstlicht in de Kunst

Christian Boltanski, Théâtre d’Ombres: To- tentanz (1984/2002), Foto © Jan Vinken, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Unna

Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Die Sammlung des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna in der ehemaligen Lindenbrauerei besitzt Modellcharakter. Weithin sichtbar durch den 52 Meter in den Himmel ragenden Schornstein, bietet sich dieser zeitgenössischen Kunstform seit 2001 tief unter der Erde eine Fläche von insgesamt 2.600 Quadratmetern. Seinen einzigartigen Charakter erhält das Museum durch die Konzentration auf den installativen Aspekt der Lichtkunst. Jede der Lichtinstallationen wurde eigens für die Räume vor Ort geschaffen und ist in ihrem ästhetischen wie technischen Auftritt individuell auf diesen Ort zugeschnitten.

Inzwischen haben dreizehn der international renommiertesten LichtkünstlerInnen eine dauerhafte Installation eingerichtet: Mario Merz, Joseph Kosuth, Mischa Kuball, Rebecca Horn, Christina Kubisch, Keith Sonnier, Jan van Munster, François Morellet, Christian Boltanski, Brigitte Kowanz und Olafur Eliasson. Den inhaltlichen Fokus der Sammlung bildet das Werk von James Turrell, der mit zwei Arbeiten in der Sammlung vertreten ist.

In dieser Form ist das Zentrum für Internationale Lichtkunst das weltweit erste und einzige Museum, das sich auf die Präsentation von Lichtkunst konzentriert. Dabei stiftet die Begegnung zwischen avantgardistischer Lichtkunst und historischer Bausubstanz eine unverwechselbare Atmosphäre und inszeniert einen spannungsvollen Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft.

www.lichtkunst-unna.de

Jacqueline Hen, International Light Art Award 2019

International Light Art Award

Ziel des INTERNATIONAL LIGHT ART AWARD, einer Initiative des Zentrums für Internationale Lichtkunst Unna und der Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft, ist es, Werke aufstrebender KünstlerInnen zu zeigen, die die Lichtkunst innovativ und kreativ weiterentwickeln. Als ein Kompetenzzentrum für Lichtkunst ist es das Anliegen des Museums zu inspirieren und zu fördern. KünstlerInnen dieses Genres sind oft schwierigen Rahmenbedingungen ausgesetzt: Lichtkunstinstallationen benötigen spezifische Räume, die den Arbeiten und den von den KünstlerInnen angestrebten Effekten gerecht werden. Aufgrund hoher finanzieller und technischer Anforderungen ist es KünstlerInnen deshalb häufig nicht möglich, ihre Ideen zu realisieren. Sie sind gezwungen, ihre Projekte lediglich als Modelle zu präsentieren. Die künstlerische Wirkung, die eine tatsächliche Installation hätte erreichen können, wird so verringert.

Mit diesem Award und der begleitenden Ausstellung in Unna möchte das Zentrum für Internationale Lichtkunst einer kommenden Generation von LichtkünstlerInnen eine Plattform bieten. Neue Technologien, Energienutzung und Nachhaltigkeit werden im Wettbewerb eine wichtige Rolle spielen. Das Zentrum lädt dazu ein, über die Zukunft des Genres (The Future of Light Art) zu reflektieren und ein Konzept einzureichen, dass diese Gedanken widerspiegelt.

www.ilaa.eu