KEIN LEBEN OHNE BÜCHER
Deutscher Jugendliteraturpreis 2017

„Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst, wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“ – Helen Hayes 

Jedes Jahr erscheinen über 9.000 Titel auf dem deutschsprachigen Kinder- und Ju- gendbuchmarkt. Hilfe bei der Orientierung bietet der Deutsche Jugendliteraturpreis. Seit 1956 zeichnet der Preis jährlich heraus- ragende Werke der Kinder- und Jugendlite- ratur aus. Er ist mit insgesamt 72.000 Euro dotiert, wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestif- tet und vom Arbeitskreis für Jugendliteratur ausgerichtet. Ziel ist es, Kinder und Jugend- liche in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Der Staatspreis will die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur fördern, das öffentliche Interesse an ihr wachhalten und zur Diskus- sion herausfordern.

600 Neuerscheinungen wurden für den Deut- schen Jugendliteraturpreis 2017 eingereicht. Drei ehrenamtliche Jurys – die Kritikerjury, die Jugendjury und die Sonderpreisjury – sind für die Auswahl verantwortlich. Ihre Nominierungen wurden am 23. März 2017 auf der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. Die Preisträger werden am 13. Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse aus- gezeichnet. 

Die nominierten Bücher finden Sie hier >>>

Sonderpreis „Neue Talente“ Zur Erweiterung des Deut- schen Jugendliteraturpreises

2017 wird im Rahmen des Deutschen Jugendliteraturpreises erstmals der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis „Neue Talente“ verliehen. Dafür nominiert sind drei deutsche Autoren, die am Be- ginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn stehen und 2016 ein erstes herausra- gendes literarisches Werk vorgelegt ha- ben: Mario Fesler mit Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer (Magellan), Ulla Scheler mit Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen (Heyne iegt) und Verena Reinhardt mit Der Hummelreiter Fried- rich Löwenmaul (Beltz & Gelberg).

Der Sonderpreis „Neue Talente“ nimmt gezielt die Werke von Nachwuchskünst- lern in den Blick, um ihre Leistungen im besonderen Maße sichtbar und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Wie der mit 12.000 Euro dotierte Sonder- preis für das Gesamtwerk wird auch der Sonderpreis „Neue Talente“ künftig im jährlichen Wechsel an Autoren, Über- setzer und Illustratoren vergeben. Beide Sonderpreise verstehen sich als Personen- preise und fokussieren ausschließlich auf nationale Künstler. Damit ankieren sie die international offenen Auszeichnun- gen der Kritiker- und Jugendjury.

Jurybegründungen, Altersangaben und bibliogra sche Informationen unter www.jugendliteratur.org 

INTERVIEW
mit Birgit Müller-Bardor 
Vorsitzende der Kritikerjury 2017/2018 

Wer entscheidet, wer (wel- ches) das beste Jugend- buch 2017 wird?
Das beste Jugendbuch gibt es gleich zweimal, denn darüber entscheiden zwei Jurys, die unabhängig voneinander be- raten: die Kritikerjury und die Jugendjury, die sich aus sechs Leseclubs in ganz Deutsch- land zusammensetzt. Mit Einführung einer Jugendjury im Jahre 2003 wollte man die eigentliche Zielgruppe der Bücher in die Entscheidung einbinden. Interessant ist, dass es immer wieder Dop- pelnominierungen gab, wie in diesem Jahr „Eins“ von Sa- rah Crossan und „Vierzehn“ von Tamara Bach. Wer weiß, vielleicht erleben wir es dieses Jahr zum ersten Mal, dass ein Jugendbuch von bei- den Jurys prämiert wird.

Welche Hürden muss ein Buch nach seinem Erschei- nen nehmen, bis es mit dem Deutschen Jugendli- teraturpreis ausgezeich- net wird? Zum Beispiel das Buch „Das Mädchen Wadjda“ (cbt) von Hayfa Al Mansour, das 2016 in der Kategorie Kinderbuch gewonnen hat?
Die größte Hürde ist be- stimmt die, aus den rund 600 von den Verlagen einge- reichten Titeln herauszuste- chen. Aus denen wählen die Juroren der vier Sparten näm- lich jeweils eine Liste mit rund 20 Vorschlägen aus. In der ersten Jurysitzung legen wir uns auf etwa zehn bis 12 Bücher fest. Sechs von diesen Titeln schaffen es auf die No- minierungsliste. Kurz vor der Preisverleihung entscheiden wir dann über die vier Preis- bücher. Natürlich ist jede dieser Etappen von lebhaften Diskussionen begleitet. Bei „Das Mädchen Wadjda“ im Speziellen standen wir vor der Frage, welche spezi sch literarischen Qualitäten das Buch hat, denn zunächst war es ja ein Filmstoff. 

Was sind die Kriterien nach denen Sie beurteilen und schlussendlich jurieren?
Wir orientieren uns dabei an der Zielsetzung des Deut- schen Jugendliteraturpreises, nämlich die Leseförderung zu unterstützen, Orientierung für gute Lektüre zu geben und Kinder und Jugendliche zur Auseinandersetzung mit relevanten Themen anzuregen. Gerade mit der Nominie- rungsliste möchten wir auch eine gewisse Bandbreite zei- gen, die es in der Kinder- und Jugendliteratur gibt. Ganz konkret bewerten wir die Bü- cher nach ihrer Erzählweise, nach der Sprache und der Thematik.

Was macht ein gutes Kin- der- und Jugendbuch mit Ihnen?
Im besten Falle das, was auch ein gutes Erwachse- nenbuch bewirkt: Es lässt es mich nicht mehr los – beim Lesen nicht und auch danach nicht mehr. 

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KAI GEIGER. 

BIRGIT MÜLLER-BARDORFF
Birgit Müller-Bardor ist Vorsitzende der Kritikerjury zum Deutschen Jugendlitera- turpreis. Sie studierte Neuere Deutsche Literatur, Theater- und Politikwissenschaft und ar- beitet als Kulturredakteurin bei der Augsburger Allgemeinen. 

 

Unsere Sonderausgabe zu 60. Jahre Deutscher Jugendliteraturpreis finden Sie hier