Eric Gauthier, 2019, Foto © Maks Richter

ERIC GAUTHIER, Künstlerischer Leiter Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart & COLOURS International Dance Festival, Stuttgart

#coronawiegehts

Mir geht es gut – natürlich mit den typischen Abstrichen in dieser schwierigen Zeit. Als „Mister Optimistic“ versuche mich auf das Positive zu konzentrieren. Immerhin konnte ich mehr Zeit denn je mit meinen drei Kindern verbringen. Und weil wir alle beim Theaterhaus Stuttgart angestellt sind, haben wir auch das enorme Glück, trotz allem weiterarbeiten zu können. Eben habe wir eine Mammutproduktion abgeschlossen, The Dying Swans Project: 16 Solos für die Tänzer*innen von Gauthier Dance, kreiert von 16 Choreograph*innen weltweit, mit Originalmusk von 16 Komponist*innen, verfilmt von 16 Videograph*innen. Die 16 Stücke sind abrufbar auf dem Theaterhaus-YouTube-Kanal und in der 3sat-Mediathek. Dieses Projekt hat uns allen so viel gegeben. Das ist auch die Lehre, die man aus dem allen ziehen kann: Versuche zuversichtlich und positiv zu bleiben. Das hilft dir nicht nur selbst, sondern auch den Menschen in deinem Umfeld.

#coronawaskommt

Ab Herbst wollen wir wieder weltweit auf Tour gehen. Geplant sind Gastspiele von New York bis Moskau. Wir können es kaum erwarten. Die internationalen Auftritte gehören zu der DNA unserer Company. Das hat uns extrem gefehlt – und ich denke, auch unser Publikum freut sich auf das Wiedersehen. Überhaupt haben wir uns viel vorgenommen für die kommende Spielzeit: Im Sommer 2022 holen wir das COLOURS International Dance Festival nach, das wir diesen Sommer schweren Herzens abgesagt haben. Und im März 2022 feiern wir eine ganz besondere Premiere – The Seven Sins, mit sieben lasterhaften Uraufführungen von Aszure Barton, Sidi Larbi Cherkaoui, Sharon Eyal & Gai Behar, Marco Goecke, Marcos Morau, Hofesh Shechter und Sasha Waltz.

#coronawasbrauchts

Das Modell für Deutschland, für Europa hat immer auf der Förderung von Kultur durch die öffentliche Hand basiert. Kultur ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir allen finanzieren sie durch unsere Steuergelder. Deshalb ist nun mehr denn je der Staat gefragt für die Wiederbelebung der Künste. Ich hoffe sehr, die Politik übernimmt bald und entschlossen Verantwortung. Denn daran hat es im vergangenen Pandemiejahr definitiv gefehlt. Aber ich bin, wie gesagt, ein optimistischer Typ. Wir Künstlerinnen und Künstler brennen darauf, wieder auf der Bühne zu stehen. Und das Publikum brennt darauf, wieder Live-Kultur zu erleben. Bessere Voraussetzungen kann es doch eigentlich nicht geben.

CC Decadance, Foto © Regina Brocke
Galili, The Gift, Eric Gauthier, Foto © Maks Richter
Visual Swan Lakes, Foto © Maks Richter
Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart: Classy Classics - Orchestra of Wolves, Foto © Regina Brocke
COLOURS Playground, Workshop mit Eric Gauthier, Foto © Simon Wachter
Dying Swans, Itzik Galili, Foto © Jeanette Bak