»Mister Jazz«
Im Gespräch mit dem Schweizer Konzertveranstalter Johannes Vogel, AllBlues Konzert AG Winterthur

Team allblues

Ein spannender Abend für Johannes Vogel, den gebürtigen Schaffhauser, der in den letzten 20 Jahren einen der beeindruckensten, aktivsten und beständigsten Konzertveranstalter im deutschsprachigen Raum aufgebaut hat. Zum Beginn der Konzertreihe  >>Vulcain jazz series<< 2014/2015 greift er mal wieder für seine Zuhörer/Besucher in den Jazzhimmel. Er hat, wie so oft, einen der ganz Großen nach Zürich geholt. Heute spielt Gregory Porter in der Tonhalle in Zürich. Gregory Porter, immer noch Newcomer, der nach und nach alle großen Bühnen und Festivals weltweit im Sturm erobert. Johannes Vogel ist gelassen nervös, wie die >>Brilliant New Voice of Jazz<< beim Zürcher Publikum ankommt.  So viel sei gesagt, es war ein unvergesslicher Konzertabend, wie es viele weitere Konzerte in der Saison 2014/2015 sein werden.

Er ist sich von Beginn an treu und stets in seiner Nische geblieben. Dies sicherlich eines der Väter des Erfolg von AllBlues. Die Idee ist heute Programm. Live Konzerte auf qualitativ hohem Niveau in schönen Konzertsälen. Was im kleinen Musikclub Domino in Schaffhausen begann, ist heute als AllBlues Konzert AG in Winterthur ansässig. Von dort aus bespielt Johannes Vogel Konzertsääle in Luzern, Basel, Bern, St. Gallen, Genf, La Chaux-de-Fonds und entwickelt Konzertreihen und Formate, wie Jazz Recitals in der Tonhalle Zürich, die Jazz Classics oder die Neumünster-Konzerte Zürich

Mit dem JazznoJazz Festival hat er ein einmaliges Festivalkonzept geschaffen, das weit über Zürich hinaus große Beachtung und Zuspruch findet. AllBlues steht für Jazz als Basis, dazu alle Musikstile mit unmittelbarem Jazzbezug wie Soul, Funk, Blues, die ganze Vielfalt der Worldmusic oder der Singer-Songwriter. Das hat für Johannes Vogel den Nebeneffekt, dass Leute, die Jazz bisher wenig oder gar nicht entdeckt haben, auf diese Weise spannend an das Thema herangeführt werden können. Er will für sein Publikum interessante Konstellationen schaffen aus gutem Jazz und dem, was links und rechts davon liegt. Was er ganz klar nicht sein will, ist ein bunter Gemischtwarenladen mit allen möglichen Musikstilrichtungen für alle Geschmäcker. Einfach alles zu veranstalten, was den Saal füllt, ist überhaupt nicht sein Ding. Diese klare Linie, die Berechenbarkeit und Verlässlichkeit in seinem Tun macht ihn zu einem gefragten Gesprächspartner und Berater in seiner Branche, in seinem Genre, in seiner Musik.

Johannes Vogel

Wann entstand die Liebe zum Jazz und wie kam es zu AllBlues?
Vogel: Spät, aber gottseidank nicht zu spät! Bis Mitte der 80er Jahre war ich ganz dem Rock'n'Roll verfallen und hatte mit Jazz rein gar nichts am Hut. Ich kannte diese Musik gar nicht. Das änderte sich mit den ersten Jazzkonzerten, die wir im kleinen, legendären Club «Domino» in Schaffhausen organisierten. Mit John Scofield, Eddie Gomez, Steve Gadd, höchst angenehme, interessante Menschen und Musiker, die nicht zuletzt im Umgang sehr viel angenehmer und anspruchsloser waren als viele der Rockmusiker. Und als ich mir dann noch Miles' Davis «Kind of Blue»-Album anhörte, machte es «Klick»: Der berühmte Zwanziger fiel und ich höre nur noch Jazz.

Was verbirgt sich hinter AllBlues?
Vogel: «All Blues» ist eines der Stücke besagter «Kind of Blue»-CD von Miles Davis. Als es 1994 darum ging, unserer Firma einen Namen zu geben, stand plötzlich dieser Titel im Raum. Ein schöner, passender Name für einen Jazzveranstalter, der ja hin und wieder auch mal ein Blueskonzert im Programm hat. Und der Jazz hatte ja schon immer viel Blues.

Diane Reeves

Was ist für Sie Jazz?
Vogel: Das Leben! Mittlerweile gibt es Autos, Füllfederhalter und sogar Äpfel, die Jazz heißen, wie ich kürzlich im Coop entdeckte. Jazz ist immer cool und symbolisiert die Freiheit, die unser Leben prägen soll, in jeder Beziehung. Kulturell ist es die wohl wichtigste Kunstform, die uns das 20. Jahrhundert brachte - und eine der wirklich tollen Errungenschaften, für die wir Amerika dankbar sein müssen.

Welcher Künstler trat in Ihrem ersten Konzert auf und gibt es Künstler, die Sie noch nie, aber auf jeden Fall noch auf die Bühne bringen wollen?
Vogel: Es gibt verschiedene erste Konzerte: Da war ein Open-Air-Festival im Sommer 1982, das ich mit Kollegen meiner Matura-Klasse im Stadtpark «Mosergarten» auf die Beine stellte. Es gab ein erstes Konzert auf dem Munot Schaffhausen mit Andreas Vollenweider Mitte der Achtziger Jahre. Es gab das erste Konzert unter dem Label «AllBlues» in Zürich mit Michel Petrucciani (irgendwann 1993). Und es gab das erste Konzert der neugegründeten All Blues Konzert GmbH anfangs Februar 1994 mit der Gruppe des stilbildenden Trompeters Freddie Hubbard. Wir mussten es kurzfristig absagen, weil Hubbard sich seine Lippen verletzte… Mittlerweile durften wir wirklich alle grossen und bekannten und noch lebenden Jazzmusiker in der Schweiz präsentieren: Leider reichte die Zeit nicht mehr für Miles Davis oder Stan Getz.

Brad Mehldau

Hat sich die Konzertlandschaft im Zeitalter vom Internet, Facebook, youtube, laut. com verändert und wie stellen Sie sich dieser Konkurrenz / Herausforderung?
Vogel: Ja, die hat sich verändert. Doch gottseidank arbeiten wir ausschliesslich in einem Feld, in dem Casting-shows und Youtube-Stars keine Rolle spielen. Jazz, World, Funk & Soul sind per se nicht kommerziell und deshalb auch nicht massentauglich. Und das wird und soll auch so bleiben.

allblues besteht seit diesem Jahr 20 Jahre. Blicken wir nach vorne. Was darf man in der Jubiläumssaison nicht verpassen?
Das Jubiläum haben wir ja schon gefeiert mit der Herausgabe eines Fotobuches und dem Jubiläumskonzert mit der Nils Landgren Funk Unit im Mai dieses Jahres im Kaufleuten Zürich. Nun machen wir einfach so weiter wie in den letzten 20 Jahren, auch wenn es mittlerweile etwas mehr Konzerte sind als zu Beginn (nämlich weit über 100 pro Jahr in der ganzen Schweiz…) : Erstklassige Konzerte, die zu AllBlues passen: Wie Herbie Hancock und Dianne Reeves, wie James Taylor und Ed Sheeran, wie Annett Louisan und Gregor Meyle, wie Pink Martini und die Farewell- Tournee des Orquesta Buena Vista Social Clubs oder wie Tower of Power und Incognito, um nur ein paar wenige zu nennen…

Gregory Porter

Jazz 2050. Wohin entwickelt sich der Jazz und die Arbeit von Konzertveranstaltern?
Vogel: 100 Jahre zuvor, also um 1950, war wohl die für den Jazz wichtigste und innovativste Phase. Dort wurden die Weichen gestellt, für das, was wir heute unter Jazz verstehen. Diese Zeit wird nie mehr wiederkommen, weshalb ja immer wieder der Vorwurf auftaucht, im Jazz passiere nichts mehr Neues. Dies halte ich für völlig verfehlt. Es kommen immer wieder grossartige neue Jazzmusiker, die das Rad zwar nicht mehr neu erfinden, aber das müssen sie auch nicht. Aber sie müssen innovativ und eigenständig mit dem Erbe jener umgehen, denen es vergönnt war, in jener Zeit am Jazz-Puls dabei gewesen zu sein. Und das tun sie auch - weshalb der Jazz immer eine Zukunft hat.

Johannes Vogel

Alle Konzerte unter www.allblues.ch

Johannes Vogel, geboren 5.4.1962, verheiratet , 2 Söhne, Studium in Allgemeiner Geschichte, Neuerer Deutscher Literatur und Volkskunde an der Universität Zürich. 1994: Gründung der All Blues Konzert GmbH in Winterthur,2007: Umwandlung in die AllBlues Konzert AG. Seit 1994 mehr als 1.000 Konzerte als AllBlues in der ganzen Schweiz.

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