Frankfurt

HANNAH RYGGEN.
GEWEBTE MANIFESTE
26.9.2019 – 12.1.2020

Von einem kleinen autarken Bauernhof an der Westküste Norwegens aus schuf die Künstlerin Hannah Ryggen (1894–1970) mit ihren monumentalen Wandteppichen ein eindrucksvolles, politisch inspiriertes Werk. Sie lancierte bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein. Mit einer großen Einzelausstellung gewährt die SCHIRN dem Publikum in Deutschland erstmals einen umfassenden Einblick in das Œuvre der schwedisch-norwegischen Künstlerin. In den rund 25 gezeigten Tapisserien greift Ryggen grundlegende Themen des Lebens in unserer Gesellschaft auf: die Gräueltaten des Krieges, Machtmissbrauch, die Abhängigkeit von der Natur und die Verbindung zu Familie und Mitmenschen. Die Ausstellung stellt sie auch als Vertreterin einer anderen Art von Moderne vor – einer Moderne, in der sich Elemente aus Volkskunst und Mythologie mit Themen des gegenwärtigen Lebens mischen. Dabei verwendete Ryggen ein traditionelles Medium für ein neuartiges Ziel: der Öffentlichkeit mit Wandteppichen ihre starken
politischen Botschaften mitzuteilen.
Abbildung: Hannah Ryggen, Vi lever på en stjerne, 1958, Nordenfjeldske Kun- stindustrimuseum Trondheim © H. Ryggen, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Thor Nielsen

Schirn Kunsthalle Frankfurt | www.schirn.de

Baden-Baden

Karin Kneffel
12.10.2019 – 8.3.2020

Karin Kneffels Gemälde gleichen Laboratorien der Erinnerung. 1957 geboren, gehört die Meisterschülerin Gerhard Richters zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart. Die Retrospektive wurde in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert und in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert. Sie dokumentiert mit rund 140 Werken aus drei Jahrzehnten den Weg von fotorealistischen, überdimensionalen Gemälden von Früchten, mit denen Kneffel in den frühen 1990er-Jahren international bekannt wurde, hin zur Konstruktion von komplexen malerischen Interieurs, in denen Zeit- und Bildebenen, Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen. Waren in Richters Malerei das Verwischen und die Unschärfe malerische Mittel für die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, deutscher Vergangenheit und Kunstgeschichte, ist es bei Kneffel das Verschwommene, Spiegelnde. Sie erschafft eine halluzinogene Malerei, die unterschiedliche Aggregatzustände an- nehmen kann. Man schaut wie durch beschlagene, mit Tropfen bedeckte Scheiben in ihre Bildräume oder auf Szenerien, die sich unter einer gefrorenen Wasseroberfläche abspielen könnten. Virtuos bewegt sich Kneffels Werk an den Grenzen zwischen Abbildung und Realität, Erinnerung und Fiktion.

Museum Frieder Burda www.museum-frieder-burda.de

Ragnar Kjartansson, God, 2007, Ein-Kanal-Video, 30 Min., Musik: Davíð Þór Jónsson, Ragnar Kjartansson Foto: Rafael Pinho Courtesy der Künstler, Luhring Augustine, New York und i8 Gallery, Reykjavík

Stuttgart

RAGNAR KJARTANSSON Scheize – Liebe – Sehnsucht
20.7. – 20.10.2019

Mit »Scheize – Liebe – Sehnsucht« zeigt das Kunstmuseum Stuttgart die bisher umfangreichste Werk- schau Ragnar Kjartanssons in Deutschland. Sie vereint alle wesentlichen Themenkomplexe seines Schaf- fens – angefangen bei einer im Jahr 2000 begonnenen Videoserie bis hin zu neuen, erstmals in der Aus- stellung zu sehenden Arbeiten. Hierbei treffen Videos auf Gemälde, Zeichnungen, Plastiken und eine Live- Performance.

Ragnar Kjartansson (*1976 in Reykjavík, IS) wurde in eine Theaterfamilie als Sohn der Schauspieler, Autoren und Regisseure Gudrún Ásmundsdóttir und Kjartan Ragnarsson hineingeboren und nach seinem Großvater, dem Bildhauer Ragnar Kjartansson, benannt. Wie sehr der besondere Ort des Theaters ihn als Künstler prägte, spiegeln seine Arbeiten wider, in denen er Musik, Literatur, bil- dende und darstellende Künste sowie zeitgenössische Populärkultur vereint. Er führt verschiedene Medien und Genres zusammen, wobei die Performance die Grundlage seiner künstlerischen Praxis bildet. In vielen der Performances, die er in Videos dokumentiert, tritt Kjartansson selbst als Hauptfi- gur auf.

Kunstmuseum Stuttgart
www.kunstmuseum-stuttgart.de

Chantal Michel Junge mit Huhn, 2010 Fotografie hinter Plexiglas, Auflage 3 130x97cm Leihgabe der Künstlerin Foto: Chantal Michel

Tübingen

COMEBACK
KUNSTHISTORISCHE RENAISSANCEN
20.7.2019 – 10.11.2019

Zeiten des Umbruchs erzeugen den Wunsch nach Orientierung in der Vergangenheit. Dementsprechend hat alles Historische in der Gegenwart Konjunktur. Auch in der bildenden Kunst feiert die Kunstgeschichte ein Comeback. Griffen Künstler in den 1970er-Jahren im Zuge einer ersten Retrowelle das kunsthistorische Erbe noch überwiegend aus einer kulturkritischen Haltung heraus auf, wenden sie sich den alten Meistern heute aus einem anderen Selbstverständnis zu. Vorurteilsfrei blicken sie nicht nur kritisch, sondern auch wieder mit Neugierde auf die Säulenheiligen der Vergangenheit. Ihre Antennen empfangen erneut die in den Meisterwerken gespeicherten »mnemischen Wellen« (Aby Warburg), um diese mit Blick auf die Zukunft in ihren individuellen Bildsprachen auf spielerische Art und Weise für die Gegenwart produktiv zu machen.
Die Ausstellung COMEBACK nimmt in erster Linie die zeitgenössischen Rückgriffe auf alte Meister von der Antike bis zum 19. Jahrhundert in den Blick. In einer empirischen Bestandsaufnahme haben wir die zeitgenössischen Nachbilder zunächst gesichtet, um sie Ihnen jetzt in Themenfeldern wieAneignung als Reanimation, Aneignung als Identifikation und Aneignung als Partizipationaufgefächert in der Ausstellung zu präsentieren.

Kunsthalle Tübingen www.kunsthalle-tuebingen.de

Helen McNicoll, Sunny September (Detail), 1913, Öl auf Leinwand, Privatsammlung

München

In einem neuen Licht
Kanada und der Impressionismus
19.7. – 17.11.2019

Zum ersten Mal in Europa präsentiert die Kunsthalle München Meisterwerke kanadischer Impressionisten vom späten 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Ihre Spur führt zunächst nach Paris, wo sich viele kanadische Maler ausbilden ließen. Einige blieben in Europa, andere kehrten in ihre Heimat zurück – mit einem vom Impressionismus geprägten Interesse, die Stimmung des Augenblicks einzufangen. Neben Szenen aus dem kanadischen Alltag schufen sie Landschaftsbilder, in denen sie das einzigartige Licht und die Natur des Nordens festhielten. Schließlich emanzipierten sich viele Maler und Malerinnen vom europäischen Impressionismus und schufen für ihre junge Nation eine ganz eigene, unverwechselbare Kunst.

Kunsthalle München | www.kunsthalle-muc.de