Foto: Stephanie Schweikert

ARD HÖRSPIELTAGE
Ein Festival für das Hörspiel
8.–12. November 2017 , ZKM Karlsruhe

Fünf Tage für die Königsdisziplin des Radios, das Hörspiel. Geboten wird neben den Hör- spielen alles, was sich Liebhaber der akustischen Kunst sonst noch wünschen: Konzerte, Live-Hörspiele und ein Mitmachprogramm für Kinder. Kern des Festivals ist der »Deutsche Hörspielpreis der ARD«. In diesen Wettbewerb schicken die Sender ihre Top-Produktionen. Die Hörspiele werden gemeinsam mit dem Publikum angehört und von der prominent besetzten Fachjury öffentlich diskutiert. In der »Nacht der Gewinner« am 11. November werden die Preisträger von insgesamt sechs Wettbewerben geehrt. 

Mehr Informationen: hoerspieltage.ard.de 

Welches Hörspiel gefällt dem Publikum am besten?

Beim ARD Online Award entscheidet das Publikum, welches das beste Hörspiel der ARD Hörspieltage 2017 ist.

Hören und diskutieren Sie im Netz, welches Ihr Lieblingshörspiel ist und geben Sie ihm die meisten Punkte im Onlinevoting. Im ZKM können Sie Ihren Favoriten während der Hörspieltage unterstützen. Und das neuerdings nicht nur digital, sondern auch analog vor Ort.

Bewerten Sie ein Hörspiel via Stimmkarte nach dem Anhören im ZKM_Kubus mit null bis fünf Punkten. So können Sie - und das gilt auch für die Online-Abstimmung - jedes Hörspiel direkt beurteilen, ohne zuvor alle Stücke gehört haben zu müssen. Die analoge Punktevergabe fließt selbstverständlich in das Onlinevoting ein.

Wer mitmacht, wird belohnt: Wenn Sie möchten, können Sie bei Ihrer Stimmabgabe zwischen dem 24.10. und dem 11.11. Ihre Mailadresse hinterlassen. Sie nehmen dann an einem besonderen Gewinnspiel teil: Die ARD Hörspieltage verlosen eine kleine Nebenrolle in einem ARD Radio Tatort!

Im Internet stehen die Nominierten vom 24. Oktober bis zum 11. November, 18 Uhr, hier auf hoerspieltage.ARD.de zum Hören und Abstimmen bereit. Der Publikumspreis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird in der "Nacht der Gewinner" vergeben.

Die nominierten Stücke;

  • "Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen" von Dominik Busch | BR  [mehr]
  • "Gold. Revue" von Jan Wagner | DLF [mehr]
  • "Die verlorenen Söhne" von Robert Schoen | hr [mehr]
  • "Pfarrer Weltsprech und Doktor Hoffnung" von Frank Naumann | MDR [mehr]
  • "Der goldene Handschuh" von Heinz Strunk | NDR [mehr]
  • "Nur kurze Zeit noch" von Peter Kaizar | ORF [mehr]
  • "Die Liebe sucht ein Zimmer" von Jerzy Jurandot | RB [mehr]
  • "Lieber Nicolas Berggruen" von Ulrike Müller | rbb [mehr]
  • "DIENSTERKLÄRUNG" von Chris Ohnemus | SR [mehr]
  • "Verfluchtes Licht" von Lukas Holliger | SRF [mehr]
  • "Broken German" von Noam Brusilovsky | SWR [mehr]
  • "Deutschland 2071" von Kelly Copper und Pavol Liska | WDR [mehr]

DIE ILLUSION DES IM AUGENBLICK DES HÖRENS ENTSTEHENDEN GESCHEHENS

INTERVIEW mit Ekkehard Skoruppa Festivalleiter ARD Hörspieltage 

Was ist ein Hörspiel?
In den meisten Fällen: in Szenenform erzählte Geschichten mit verteilten Sprecherrollen. Die Mittel der Darstellung sind Dialog oder Monolog, hinzu kommen Musik, Sounds, Geräusche. Das Hörspiel ist eine rein auditive Kunst. Auf der Grenze zur (neuen) Musik stehen die Werke der ars acustica, die sich musikalischer Erzähl- und Kompositionsformen bedienen. Das Hörspiel ist einzige originäre Kunstform des Radios, die sich schon bald nach der Er ndung des Mediums in den 1920er Jahren entwickelt hat. Es gilt als literarisches Genre, genauer müsste man sagen: Es ist eine dramatische Gattung, dem Theater oder dem Kino eher vergleichbar als dem Buch.

... und in Abgrenzung zu dem oftmals in einen Topf geworfe- nen Hörbuch?
Hörbücher sind in aller Regel deutlich einfacher gestrickte Lesungen eines Buchtextes. Oft nur von einem Sprecher vorgetragen, gibt es keine Szenen, keine hörba- re Räumlichkeit, keine Musik und illustrierenden Geräusche. Die Il- lusion des im Augenblick des Hörens entstehenden Geschehens, bei dem der Hörer unmittelbar dabei ist, fehlt. 

Foto: Stephanie Schweikert

Was gehört für Sie zu einem richtig guten Hörspiel? Was muss es mit ihnen machen?
Es muss mir nahe kommen und mich bewegen – von der Story, den Stimmen bzw. Figuren her; es muss einen Rhythmus und eine Musikalität haben, die mich mitziehen. Oft entschei- den die ersten Minuten: Entwickeln sie Spannung, will ich wissen, wie es weitergeht, interessieren mich die Figuren und das, was mit ihnen passiert?

Wie muss man sich ein Hörspiel Festival, die ARD Hör- spieltage vorstellen? Was passiert zwischen dem 8. und 12. November im ZKM in Karlsruhe?

Im Zentrum steht der Wettbewerb um den „Deutschen Hör- spielpreis der ARD“. Zwölf der besten Hörspiele aus der ARD, vom Deutschlandradio, aus der Schweiz und Österreich werden öffentlich vorgeführt und im Anschluss in offener Debatte von einer Jury diskutiert. Anschließend hat das Publikum Gelegenheit, mit den Machern und der Jury eigene Eindrücke auszutauschen. Unabhängig vom Wettbewerb gibt es Live- Hörspiele auf der Bühne, ein Impro-Hörspiel-Theater, Dis- kussionen, die ARD Hörspiel- box, in der man selbst vors Mikro kann, Kurzhörspiele un- ter der Trockenhaube und und und. Ein Riesenprogramm mit über 50 Einzelveranstaltungen. 

Ich kann mich noch gut an meine Jugendzeit erinnern, wo ich unter der Bettdecke im SDR spannende Krimis gehört habe. Wenn ich mei- ne Kinder und deren Medienverhalten anschaue, frage ich mich, wer hört heute eigentlich noch Hörspiele? Wie haben sich die Hörgewohnheiten, die Verbreitung von Hörspielen im Zeitalter von Internet und Streamingdiensten verändert? Was sind heute die größten Herausforderungen für das Hörspiel?Weiterhin Aufmerksamkeit zu finden im immer größer werdenden Medienbombardement, das nicht mehr vergleichbar ist mit den früheren Zeiten. Am Internet kommen wir nicht vorbei: Selbstverständlich sind dort schon viele unserer Hörspiele zu finden. Man kann sie jederzeit und überall abrufen. Auch unter der Bettdecke – nur muss man nicht mehr warten bis es wieder Montag, 21 Uhr, ist. Da liefen die Krimis „Aus Studio 13“, die ich übrigens jahrelang betreuen durfte. Heute laden sich monatlich über 500.000 Hörer die Folgen des ARD Radio Tatorts aus dem Netz herunter. Nicht eingerechnet die, die uns weiterhin klassisch am Radio hören. Natürlich haben sich die Hörgewohnheiten durch die neuen Medien verändert. Aber der Reiz, sich im Hörspiel Geschichten erzählen zu lassen, ist nicht kleiner geworden. Weil gerade das Hören den Gehirnkasten und die eigene Phantasie belebt. Inzwischen produzieren Amazon und Audible auch in Deutschland eigene Hörspielreihen. Würden sie es tun ohne Erfolgsaussichten? Wohl kaum. Ich bin gar nicht bang um die Zukunft des Hörspiels. Allerdings werden wir noch stärker an neue Erzählformate für neue Verbreitungswege denken müssen.

Wenn man im Programm der ARD Hörspieltage blättert und die verschiedenen Wettbewerbe vor Augen hat, liest es sich wie das Programm eines Filmfestivals und seinen Kategorien. Wer sitzt in der Jury und nach welchen Kriterien wird juriert, gehört?
Thomas Böhm, ehemaliger Leiter des Literaturhauses Köln, ist Vorsitzender der Fünfer-Jury. An seiner Seite: die Theaterregisseurin und Professorin für Regie und Schauspiel, Amélie Niermeyer, der Leiter des Studios für Musik und Akustik am ZKM, Ludger Brümmer, und der Hörspielkritiker Jochen Meißner. Den fünften Platz nimmt eine herausragende Schauspielerin ein. Sie entscheidet auch über den Zusatzpreis für die beste schauspielerische Leistung. Allgemeingültige Kriterien wird auch diese Jury nicht haben. In den Debatten dürfte es wieder um die Qualität der Story, den Inszenierungsstil und die Gesamtkomposition gehen, um die Glaubwürdigkeit der Figuren und vor allem um die Frage: Ist das Hörspiel relevant für unsere Gegenwart? 

Was passiert mit dem Hör- spiel vor und nach den ARD Hörspieltagen? Welchen Stellenwert hat das Hörspiel in den beteiligten Rundfunkanstalten?
Nach wie vor einen hohen. Das Radio ist mehr als ein Nachrichtenmedium, mit dem Hörspiel erfüllt der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Teil seines Bildungs- und Kulturauftrags und zeigt seine Kompetenz, mit Qualität zu unterhalten. Und nach wie vor kann das Genre mit seinen verschiedenen Sparten vom Kinderstück über das literarische Hörspiel bis zum experimentellen Hörwerk ein Labor sein für viele Innovationen im Medienangebot. Die ARD produziert über 300 Stücke pro Jahr. Nur die BBC liegt darüber. Auch wenn aufgrund von Sparnotwendigkeiten die Zahl der Produktionen etwas zurück- gehen sollte, Hörspiele wird es weiterhin in vielfältiger Form geben.

Das Gespräch führte Kai Geiger. 

Ekkehard Skoruppa
ist Hörspieldra- maturg und Leiter der Abteilung „SWR2 Künstlerisches Wort“ (Hörspiel, Literatur und Feature, Kinderprogramme, Künstlerische Produktion) beim Südwestrundfunk. Festivalleitung der „ARD Hörspieltage“, Sekretär des „Karl-Sczuka- Preises“. Mitglied der „Deutschen Akademie der Darstellende Künste“, Leiter und Moderator im „Literatur-Atelier”, Köln. Auszeichnungen: Kurt-Magnus-Preis der ARD 1989, Prix Italia 1998. 

Foto: Stephanie Schweikert

UNERHÖRT SPONTAN Improvisiertes Hörspiel von HIDDEN SHAKESPEARE bei den ARD Hörspieltagen 

Seit 25 Jahren gilt hidden shakespeare als eines der renommiertesten und erfahrensten Improvisationstheater Deutsch- lands. Inspiriert von den Vorschlägen der Zuschauer entwickeln die fünf Schauspieler Mignon Remé, Kirsten Sprick,Thorsten Neelmeyer, Rolf Claussen und Frank Thomé spontan ganze Dramen. Jetzt ist das Ensemble in Karlsruhe mit einem exklusiven Programm zu Gast. Gemeinsam mit dem Publikum werden sie u. a. ein Kriminalhörspiel improvisieren! 

INTERVIEW mit Frank Thomé
Sprecher, Schauspieler und Mitglied von hidden shakespeare

Wie kommt bei hidden shakespeare eigentlich das Publikum ins Spiel?
Wir fragen das Publikum und die Vorgaben, die aus dem Publikum kommen, setzen wir dann um. Und ich glaube, für das Publikum ist es immer interessant zu sehen, wie schnell das passiert. Also, dass uns irgendetwas zugerufen wird und dass das wirklich sofort statfindet. Wenn die Leute uns nicht kennen, dann merkt man immer, am Anfang ist die Furcht da, dass sie auf die Bühne müssen. Das ist die größte Angst. Deshalb haben wir das ganz am Anfang auf unsere Plakate und Flyer geschrieben: Das Publikum darf alles, nur nicht auf die Bühne! Wir machen auch immer ein Warm-up, um ihnen eben diese Angst zu nehmen.

Und wie spielen Sie mit den Elementen des Hörspiels?
Der Unterschied ist ja, dass wir keine stummen Handlungen zeigen können. Also wenn wir einen Krimi auf der Bühne machen, dann kann es sein, dass ein Verdächtiger stumm etwas versteckt – solche Sachen sind hier nicht möglich und deshalb werden wir wohl auch mit einem Erzähler arbeiten. Es kann aber auch gut sein, dass das eine Figur ist, die mitspielt und aus ihrer Sicht erzählt.

Wollen Sie auch mit Geräuschen arbeiten? Vorbereiten können Sie die ja nicht.
Im Moment gibt es dazu zwei Ideen. Wir haben einen Musiker dabei, der solche Effekte mit Computer oder Keyboard blitzschnell herstellen kann. Und die andere Idee ist, dass jemand von uns alle Geräusche mit dem Mund macht. Das kann sehr witzig sein, denn ich kann mir vorstellen, dass er vom Publikum auch gefordert wird.

Werden Sie Requisiten ein- setzen?
Darauf verzichten wir immer. Wir haben zwar schon mal damit experimentiert, aber das Schöne ist ja, dass wir, eben dadurch, dass wir kein Bühnenbild haben, weder an Ort noch an Zeit gebunden sind, wir können in der Zeit hin und her gehen.

Wie beim Hörspiel?
Ja, und das soll natürlich auch bei dem Krimi so sein. Da wird es sicher auch Rückblenden geben. Dass man dann vielleicht auch „sieht“ wie die Beteiligten als Kinder aufgewachsen sind, oder so etwas. Und deshalb verzichten wir konsequent auf Requisiten und Kostüme. Denn auch wenn man einen Krimi macht und eine Pistole und eine Giftampulle dabei hat –der Fall wird sich erfahrungsgemäß immer so entwickeln, dass das, was man braucht, fehlt. Und ich bin da auch immer sehr erstaunt, dass sich das Publikum davon nicht gestört fühlt. Das ist die Leistung des Publikums, ähnlich wie beim Hörspiel, dass sich die Leute das alles vorstellen.

Und welche Erwartungen haben Sie an den Abend in Karlsruhe?
Ich bin neugierig auf das hörspiel-affine Publikum und sehr gespannt, wie das ankommt, dass wir kein Skript haben. Und ich kann mir vorstellen, dass die Konzentration des Publikums noch höher ist als im Theater. Hörspielhörer sind ja geschult darin, sich auf eine Geschichte einzulassen und eben ihre eigenen Bilder entstehen zu lassen. Und das zu bedienen, das ist die Herausforderung für uns. 

10.11.2017, 21.00 Uhr 18€/14€(erm.)
ZKM Karlsruhe
Tickets: www.swr2kulturservice.de